Review: Colbinger – Sünder.Pilger & Rebell (2020)

Heute mal kein Prog, aber dennoch sehr interessant. „Colbinger“, mit richtigem Namen heißt er Uwe Kolbe. „Colbinger“ nannten ihn seine Freunde in Kindertagen. Geboren und aufgewachsen ist der Mann mit der kräftig-klangvollen Stimme in Mittweida, einer kleinen Stadt, unweit von Chemnitz. Über einige Stationen, hat es ihn ins Bayrische verschlagen, wo er heute arbeitet und lebt … wenn er mal nicht auf Tour ist.

Er ist viel rumgekommen in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Die letzten Jahre ist er als Solokünstler alleine auf der Bühne mit eigenem Programm. Spielte er doch in manchen Jahren knapp hundert Auftritte, letztes Jahr waren es weit darüber hinaus… Ein Leben auf Tour, Mitte der 90er Jahre noch mit seiner ersten Band, dann in den letzten Jahren als Solo-Künstler. Hamburg, Berlin, Dresden, Nürnberg – in ganz Deutschland ist er zu Hause, mal in einer Woche fünf bis sechs Spielstätten. Da kommen viele tausend Kilometer Wegstrecke zusammen. Die vielen Menschen, denen er auf Tour begegnet, treiben ihn an weiter zu machen, Eindrücke in seinen Liedern zu verarbeiten. Ein wahrer Schatz an Lebenserfahrung.

Am 30.10.2020 kommt nun das zweite Studiowerk, der Beginn einer zusammenhängenden Trilogie, 31 Songs verteilt auf drei Alben. Die ersten 10 Titel sind auf dem ersten Teil: „Sünder, Pilger und Rebell“ zu hören. Drei Aspekte, die jeder in sich trägt, der sich mit sich selbst auseinandersetzt, wie Huey Colbinger erklärt. „Du musst erstmal Mist bauen, um zu lernen; dann auf Pilgerreise zu dir selbst gehen, um dich kennen zu lernen – um dann irgendwann dem Richtigen die wichtigen Fragen zu stellen: nämlich dir selbst.“ Die Trilogie handelt von menschlicher Weiterentwicklung, vom Lernen, von Akzeptanz, vom Hinterfragen.

10 Stücke in deutscher Sprache gilt es auf dem neuen Album zu entdecken. Akustisch pur und vor allem auf das Wesentliche reduziert produziert. Mit seiner Gitarre umgehen kann er, so kreiert Colbinger doch auch Melodien die hängenbleiben, auch wenn das Hauptaugenmerk doch auf den Texten liegt. Seine Stimme wirkt unaufgesetzt und einschmeichelnd und man kann ihm gut dabei zuhören, wie er leicht melancholisch die großen und kleinen Themen behandelt. Und selbst wenn es mal lauter zugeht, scheint von irgendwo meist doch noch ein Licht. In vielen Geschichten findet man sich wieder, sie zwingen zum Nachdenken und Reflektieren … es erzählt von den Erfahrungen aus den letzten Jahren, von Begegnungen, Erkenntnissen und dem Weitermachen, jeder Song ist ein Teil des Erlebten. Die Musik ist voller Energie. Man merkt, dass hier jemand mit Herzblut am Werk ist, selbst wenn ein Lied mit ganz wenig von allem auskommt – aber so soll es ja bei Singer/Songwritern auch sein.

Seinen Leitspruch „Machen wir uns auf und bleiben wir dran“ kann ich nur unterschreiben. Kann das Album sehr empfehlen und wer die Möglichkeit hat, sollte sich das ganze auch mal Live anschauen. Einige aktuelle Termine und wo ihr die CD bestellen könnt findet ihr auf seiner Webseite. www.colbinger.com

Tracklist:

1.An meinem letzten Tag

2. Das beste für Dich

3. Das nennt man Leben

4. Dein Berg

5. Lauf den Hügel hinunter

6. Die höchste Instanz

7. Fake

8. Glück ist unsere Beute

9. Ich weck dich auf

10. Tu es endlich und sei im Spiel

Musik und Texte: Huey Colbinger

Aufnahme: Villa Musica Tübingen – Tobias Haase

Mastering: EchoRausch – Rico Suchatzki

Label: DMG Germany / Brokensilence 21984 / The Orchard / Sony Music

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