Review: Level Π – „Elektronische Philosophie“ (2020)

Seit 2006 veröffentlicht Uwe Cremer, der in Düsseldorf geborene Kölner, unter dem Namen Level π seine vom Kraut-, Art- und Spacerock inspirierten Klangskulpturen, die er als musikalische Erzählungen empfindet. Über Timezonen-Records erschien das Album „Elektronische Philosophie“ am 27.11.2020 als CD.

Es ist das vierte Album, nachdem er 2006 mit „Entrance“, 2009 mit „Electronic Sheep“ sowie „Dunkelstunde“ von 2012 bereits einige Alben veröffentlicht hat. Mit „This Burning Part Of Me“ gab es 2015 noch eine EP. Auch ist er an einigen Projekten beteiligt, sowie auf mehreren Compilations zu hören.

Label: Timezone-Records

VÖ: 27.11.2020

Gesamtspielzeit: 56:42

Mastering: Joachim „Eroc“ Ehrig

Tracklist:

1. Nachtfahrt

2. Die lange Reise

3. Intermezzo

4. Elektronische Philosophie

5. Don Quijotes Gehirn

6. Zu Hause

7. Durch die Jahrzehnte

Das neue Album erzählt viele Geschichten, von einer Nachtfahrt im TEE, über eine lange Reise, durch die Gehirnwindungen von Don Quijote, pausiert zwischendurch fast schon akustisch, man chilled zu Hause und geleitet zum Abschluss durch die Jahrzehnte. Uwe Cremer spielte alle Instrumente im Alleingang ein, unter anderem Gitarre, String-Synthesizer, Orgel, Mellotron, experimentiert mit Loops und Triphop Beats, verbindet das alles mit klassischen Elementen der elektronischen Musik. Auch Sequenzen der Berliner Schule werden mit Rockeinflüssen geschickt in Szene gesetzt, einfallsreich inszeniert und abwechslungsreich dargeboten, so nehmen die Stücke nach und nach den Hörer ein …

Das Album beginnt mit einer fast sechsminütigen Nachtfahrt im TEE, man denkt dabei gleich an Kraftwerk, das Stück ist auch überwiegend elektronisch, mit einem sehr basslastigem Moogsound und treibenden Schlagzeugrythmen, flächigen Keyboardsequenzen. Schliesst man beim hören die Augen, hat man das Gefühl die Landschaft förmlich vorbeifliegen zu sehen …

Als nächstes folgt „Die lange Reise“, auch das längste Stück auf dem Album. Uwe sagte selbst zur Entstehung des Stückes: „Ursprünglich wollte ich nur den Loopmash in Cubase ausprobieren. Dabei entstand dieser hypnotische Beat, den ich mit den stampfenden Triebwerken einer fliegenden Untertasse aus Science Fiction Filmen kenne. In der Tat zieht sich der stoische Rhythmus des Schlagzeuges durch das ganze Stück, sich wiederholende Orgelmelodien, die stark Retro klingen, dazu eine Gitarre die das ganze auch noch etwas spacerockig erklingen lässt. Die eingestreuten Sprachsamples, aus den Filmen „Horrorexpress“ und „The Last Man On Earth“ bauen noch zusätzlich Spannungsbögen ein. Für mich ein sehr abwechslungsreicher Song mit Suchtfaktor.

„Intermezzo“ ist ein sehr kurzes Stück, gerade mal knapp über zwei Minuten, nur bestehend aus einem knackigen Bass und einer Akustischen Gitarre, sehr klar gespielt und geht dann mit einigen elektronischen Sequenzen in den nachfolgenden Titeltrack über …

„Elektronische Philosophie“ basiert auf einem Festplattenfund, nachdem Uwe Cremer beim experimentieren mit dem Modular V diese Sequenz gefunden hatte. Ein Stück das im Sinne der elektronischen Philosophie ohne Gitarre auskommt, dafür aber mit schönen Synthesizerharmonien glänzt.

Auch „Don Quijote´s Gehirn“ basiert auf einem Filmerlebnis, welchen Uwe Cremer gesehen hatte. „The Man Who Killed Don Quixote“ hieß der Streifen, in dem der Ritter durch verschiedene Visionen getrieben wird, und genau so abwechslungsreich gestaltet sich auch dieser Song. Psychedelisch, Atmosphärisch mit treibenden Breakbeats und einem schönen wunderschönen Gitarrensolo …

„Zu Hause“ ist ein schönes Beispiel Chill-Out Beats und Trip-Hop mit E-Piano, Wah-Wah Gitarre und Mellotron zu verbinden. Im Track fliesst durch die Sequenz auf dem Mini V noch etwas Berliner Schule mit ein. „Durch die Jahrzehnte“ das letzte Stück auf dem Album beginnt ruhig, mit einer dominanten Hammondorgel die stark an die 70ér erinnert, schönen Gitarrenparts und ab der Mitte des Stückes nehmen elektronische Beats das Stück wieder ein und der anfängliche Fluss wird ein wenig unterbrochen, es ist ein stetiger Wechsel zwischen Rockmusik durch die Gitarre und Elektronik durch die Keyboardpassagen …

„Elektronische Philosophie“ ist ein Album, welches Rockmusik mit elektronischer Musik perfekt verbindet (oder eher umgekehrt), und auch kein Album für mal nebenher hören, so wie viele Sachen aus dieser Sparte, aber wer sich die Zeit nimmt und das Album wachsen lässt, wird in andere Dimensionen geleitet …

Wertung: 8 / 10

Für mehr Information: www.level-pi.de oder www.timezone-records.com

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