Livereport: Marillion – Bremen Pier 2, 06.11.2022

Szenenwechsel… Es ist Sonntag, zwei Tage nach dem Konzert in Berlin. Wir befinden uns in der Hansestadt Bremen auf dem Gelände der ehemaligen Bremer Werft AG. Das Pier 2, eine alte Werkhalle, befindet sich in unmittelbarer Nähe der Weser. Ein ebenfalls dort gelegenes Einkaufszentrum ist an diesem Sonntag geöffnet. In ihm befinden sich diverse gastronomische Einrichtungen bekannter Ketten. Eine davon ist unser Treffpunkt vor dem Konzert. Wir sind eine Gruppe von Fans, die Marillion auch in Berlin erlebt haben. Die Halle des Pier 2 ist lediglich im Rang bestuhlt. Unten wird gestanden, so wie es früher üblich war.

Das Duo June Road eröffnet den Konzertabend mit dem gleichen Programm, wie in Berlin. Auch hier begeistern die beiden sympathischen Belgier das Publikum mit ihrer Musik.

Ab 21:00 Uhr sind Marillion an der Reihe und spielen auch hier zunächst ihr aktuelles Album. Diesmal läuft alles reibungslos, ohne technische Probleme. Die Licht-Show ist wieder grandios und der Sound hervorragend. Dafür sorgt bei den Konzerten seit vielen Jahren Phil Brown. Der Höhepunkt des ersten Konzertteils ist auch in Bremen das Stück Care. Diesmal spricht Steve Hogarth in seiner Anmoderation nicht über Krankenschwestern und Krankenpfleger, sondern über seinen Freund Conrado aus Mexiko City, der Krebs hatte und eine Chemotherapie über sich ergehen lassen musste. Nach jedem Chemo-Zyklus bekam h Infos von Conrado, und erfuhr so über dessen Ängste und körperliche Veränderungen bis hin zu seiner Heilung. Das alles floss in den Text des ersten Teils von Care mit ein. Dieses eindringliche dreiteilige Werk löst auch in Bremen wahre Begeisterungsstürme aus.

Der zweite Teil des regulären Sets wird mit dem ruhigen Song Somewhere Else eröffnet. Der Rest des Sets bleibt gegenüber dem von Berlin unverändert, und doch scheint es irgendwie anders zu sein in Bremen. Die Band spielt intensiver, scheint insgesamt besser aufgelegt zu sein. Steve Hogarth turnt über die Boxentürme und sucht die Nähe zu den Fans. Liegt es daran, dass die Band zuvor einen Tag frei hatte, oder hängt es damit zusammen, dass der Saal nicht bestuhlt ist, und die Schwingungen, die von der Bühne kommen, die Fans schneller und besser erreichen? Ich weiß es nicht. Doch die Intensität, mit der die Band zugange ist, nimmt auch mich gefangen.

Als erste Zugabe spielen Marillion das vierteilige Stück The New Kings vom Album F.E.A.R.. Die Texte dieses Werks haben heute, zu Zeiten des Krieges in der Ukraine, noch mehr Gewicht als vor sechs Jahren, als das Album erschien. Dieses beeindruckende Werk ist ein weiterer Höhepunkt des Konzerts. Im letzten Zugaben-Teil wird es dann nochmal richtig rockig. Cover My Eyes sorgt für ausgelassene Partystimmung. Steve Hogarth ist gut bei Stimme und schafft die Höhen spielend. Pete Trewavas tobt wie ein Wirbelwind über die Bühne und Rothers bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Sein kurzes Gitarrensoli spielt er grandios. Selbst Ian Mosley, den ich vom Rang aus gut beobachten kann, strahlt über das ganze Gesicht. h resümiert im Anschluss, dass hier in Bremen die beste Stimmung auf den bisherigen Deutschland-Konzerten herrschte.

Auch ich empfinde das heutige Konzert noch mitreißender, als das in Berlin. Auch in Bremen wird das Konzert mit dem Klassiker Sugar Mice beschlossen, ein kleiner Rückblick auf die Anfangszeiten der Band Marillion, die heute mehr zu sagen hat denn je, die jedoch von den öffentlichen Medien so sträflich vernachlässigt wird. Das Konzert in Bremen ist mein sechstes Marillion-Konzert in diesem Jahr. Es versöhnt mich wieder mit meiner Lieblingsband und macht die Wutausbrüche von Steve Hogarth, die ich auf der Cruise To The Edge und in Stockholm erlebt habe, vergessen. Marillion sind immer noch eine herausragende Live-Band, bei der das kollektive Zusammenspiel, der stets fantastische Sound und die dazugehörige, fein abgestimmte Lichtkonzeption, zu beeindruckenden Erlebnissen werden. Und die Band hat es geschafft, eine eingeschworene Fan-Gemeinde um sich zu scharen, zu der ich mich gern zugehörig fühle.

Setlist:

1.Be Hard On Yourself

2. Reprogram the Gene

3. Murder Machines

4. The Crow and the Nightingale

5. Sierra Leone

6. Care

7. Somewhere Else

8. Wave

9. Mad

10. Afraid of Sunlight

11. The Great Escape

Zugabe 1:

12. The New Kings: I. Fuck Everyone and Run

The New Kings: II.Russia´s Locked Doors

The New Kings: III. A Scary Sky

The New Kings: IV: Why Is Nothing Ever True?

Zugabe 2:

13. Cover My Eyes (Pain In Heaven)

14. Sugar Mice

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