Review: The Flower Kings – Islands (2020)

Release: 30.10.2020

Label: Inside Out

Formate: 2CD, 3LP-2CD black, 3LP-2CD Orange (lim.100), 3LP-2CD Creamy White (lim.200), 3LP-2CD Blue (lim.200), Download

The Flower Kings are: Roine Stolt – (Vocals, Electric Guitar, Acoustic Guitar, Ukulele) Hasse Fröberg – (Vocals, Guitar) Jonas Reingold – (Bass, Acoustic Guitar) Zach Kamins – (Keyboards) Mirkko de Maio – (Drums)

Guest: Rob Townsend – Sopran Saxophone bei „Serpentine“

Die Flower Kings befinden sich derzeit im dritten Frühling. Nach der überraschenden Rückkehr in einer CO-Headliner-Tour mit Spocks Beard 2018 (noch als Experiment „The Flower Kings Revisited“) und neuem Album in neuer Besetzung „Waiting for Miracles“ – Release 08.11.2019, erscheint nun Ende Oktober 2020 nach nicht einmal einem Jahr mit „Islands“ nun gleich das nächste Album, nachdem die Fans nach der letzten Tour 2014 die Band als nicht mehr existent ansehen mussten. Mit den beiden neuen, Zach Kamins (Keyboards) und Mirkko de Maio (Drums) erscheint heute das Bandgefüge gefestigter als es je war, und Mastermind Roine Stolt gibt sich entspannt wie.

Nachdem man 2020 eigentlich kräftig touren wollte, kam in der Pandemie Situation für die Bandmitglieder ein Verzagen und Füße hochlegen nicht in Frage. Anstelle live zu spielen wurde dann eben komponiert, geskypt, Dateien ausgetauscht….Die Situation der erzwungenen räumlichen Trennung (schließlich wohnen die Bandmitglieder verteilt in Schweden, Österreich, Italien und in den USA. Reisen war nahezu unmöglich), wirkt auf den ersten Blick hinderlich, wird allerdings in Interviews für dieses Album sogar als Vorteil dargestellt. Denn jeder hatte zu Hause in seinem Home-Studio viel Zeit, sich seine Beiträge zu überlegen, einzuspielen und mit den anderen zu diskutieren. Üblich war bisher bei den Flower Kings, das Roine Stolt im wesentlichen das Hauptmaterial vorstellt, es im Studio gemeinsam einspielt und von ihm final produziert wird. Diesmal hat jeder seinen Beitrag geleistet, so das „Islands“ ein gemeinsames Werk aller ist, in dieser Form das erste mal in der Geschichte der Band. Jedes Mitglied steht einzeln voll dahinter und ist entsprechend stolz auf dieses Output.

Wie klingen nun die 21 Song´s mit einer Spielzeit von 90 Minuten? Der Sound ist an „Waiting For Miracles“ angelehnt, die beiden neuen Flower Kings Alben stehen da in einer Reihe mit den Alben „A Sea Within“ (2017) und „Roine Stolt´s The Flower King“ (2018). Es geht um „Themen wie Isolation, Verlust, und der Angst getrennt zu sein“ (Zitat Album Cover). So lohnt es sich bei diesem Album auch besonders, sich mit den Texten auseinander zu setzen. Es ist vielleicht interessant zu erwähnen, das Roine Stolt im Frühjahr 2020 seine Mutter wegen einer Covid 19 Erkrankung verloren hat, was aber sicher keinen sichtbaren Einfluss auf die positive Ausstrahlung des Album genommen hat. Denn Trotz „Islands“ von der Entstehung und den Inhalten also ein reines „Corona“-Album geworden ist, kommt die Musik leichtfüßig und positiv daher, dabei primär im typischen Flower Kings Sound. Zu bemerken ist allerdings, dass dieser trockener und mehr Retro geworden ist in den letzten Jahren, und das auf den wuchtigen Breitwandsound früherer Alben offenbar bewußt verzichtet wird. Dafür gibt es von mir einen klaren Minuspunkt; der Hörgenuß wird damit in meinen Augen erschwert.

Ungeachtet dessen, das Album strotzt vor musikalischen Ideen. Roine Stolt´s Gitarre schillert in seinem eigenen emotionalen Stil, Zach Kamins Keyboard Sound ist teilweise Orchestral, Jonas´Bass umspielt das ganze perfekt in unnachahmlicher Manier, Mirrko´s Drums sind verspielt und trotzdem singdienlich, Hasse´s Gesang (gemeinsam mit Roine) transportiert das Ganze. Im bewährten Flower Kings Stil Kontext kommen zum Beispiel „From The Ground“, „Man In A Two Piece Suit“, „All I Need Is Love“ oder das tolle Titel-Instrumental „Islands“ daher. Mit dem Prädikat besonders wertvoll, aber eher Flower Kings untypisch sind beispielsweise „Broken“, aber auch „Serpentine“ und besonders der einzige Longtrack „Solaris“ zu bewerten. Hervorheben möchte ich „Morning News“, was leicht und beinahe fluffig daher kommt, dabei aber mit Themen wie Einsamkeit, Tod oder Fake News spielt. Bei „Journeyman“ und „A New Species“ ist sogar eine Spielwucht zu spüren, die an die besten Zeiten der Band um “ Unfold The Future“ erinnert. Überhaupt sind die Instrumentals hervorzuheben und deutlich interessanter als zuletzt. Als geneigter PROG-Fan meint man, dass eine musikalische Idee an mancher Stelle, hätte weiter und tiefer ausgearbeitet werden können, was in ein bis zwei Longtrack´s mehr hätte münden können und damit dem Album vielleicht noch mehr Kraft gegeben hätte. Aber das ist rein spekulativ.

„Islands“ ist keine Liebe auf den ersten Blick. Man muss bereit sein, sich dem Album zu nähern und mindestens drei konzentrierte Durchläufe bis zur ersten Bewertung, zulassen. Wer sich die Zeit nimmt, wird mit einem Genuss von Emotionalität, Spielfreude und Prog Rock Komplexität belohnt werden. Die Flower Kings Alben waren all die Jahre immer wie guter Wein; sie entwickeln sich erst mit der Zeit. Man muß sich auch überlegen, dass wir hier eine Band haben, die nach über 25 Jahren ihrer Existenz im Jahr 2020 immer noch gute Alben veröffentlicht. Mir fallen nicht eine Handvoll Prog Bands ein, die das aktuell tun …

Wertung: 8 / 10

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