Review: Electric Mud – Quiet Days On Earth (2020)

Zwei Jahre nach ihrem vierten Album „The Deconstruction Of Light“ ist es Zeit für neues aus dem Hause Electric Mud. Hagen Brettschneider hat diesmal (vielleicht auch wegen des Lockdowns durch den Covid-Virus) eine stille, bedenkliche aber auch Hoffnungsvolle Stimmung auf dem neuen Album geschaffen. „Quiet Days On Earth“ heißt das mittlerweile fünfte Studioalbum und der Silberling bringt es auf fast 80 Minuten Länge. Also nochmal um Einiges mehr, als der Vorgänger, der es auch auf knapp eine Stunde brachte, aber doch völlig anders ausgefallen ist.

Waren beim Vorgänger „The Deconstruction Of Light“ noch bluesige Elemente und rockige Gitarren zu hören, hat man diesmal auf diese zwar nicht ganz verzichtet, aber schon arg zurückgenommen und den Tasteninstrumenten noch viel mehr Spielraum eingeräumt. Dadurch rockt die neue Scheibe nicht mehr so sehr, gewinnt aber immens an viel mehr Atmosphäre, eine absolut dichtere Klangform und einen Sound, der mich immer wieder an gute Filmmusik erinnert. Das ganze ist ohne Gesang, bei „Electric Mut“ ist man komplett im Instrumentalen Bereich zu Hause.

Es ist sicher kein Album was man im vorübergehen, bzw. „mal reinhören“ erobern kann, aber wenn man sich auf die knapp 80 Minuten einlässt, kann man in eine Klangwelt eintauchen die abwechslungsreicher nicht sein kann. Hagen Brettschneider, sowie Nico Walser, der für den Mix, Sound und die Gitarrenparts verantwortlich zeichnet, haben sich hier bei den 15 Songs richtig entfaltet, und man muß „Quiet Days On Earth“ als Gesamtkunstwerk ansehen, nur so hat das Album in Gänze die Möglichkeit sich voll beim Zuhörer zu entwickeln und ihn zu packen. Natürlich kann man einzelne Songs hier rausnehmen, aber ein Hörerlebnis wird es für mich erst im ganzen. Electric Mud investieren viel mehr in Atmosphäre inklusive vieler mystischer Klangformen, dennoch hochmelodisch, teils mit schönen Gitarrenharmonien.

Das erste Stück „Aurora Moon“ beginnt mit ruhigen Piano, in einer recht düsteren Stimmung, gepaart mit schönen Synthieklängen, man hört ein Glockenspiel mit einem Keyboard im Duett und steigert sich dem Ende hin noch einmal sehr Kraftvoll. Ein sehr gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht.

Im nächsten Stück „Silhouette Floating Down A Rain-Slicked Street“ verfliegt die etwas düstere Grundstimmung zunehmend und es baut sich zu einem wunderschönen Song auf. „Mer de Glace“ ist ein kurzes Zwischenstück, es ist eine Spieluhr zu hören, während beim Titeltrack, schöne akustische Gitarren eingesetzt werden, es wabert aus den Boxen und gipfelt zum Schluss hin mit einem großartigen Gitarrensolo.

„Wading Through The Waters Of Time“ ist auch so ein Beispiel, es wird munter zwischen filigranen, kraftvollen, entspannten Klangbildern mit einer gehörigen Prise Bombast gewechselt.

Im weiteren Verlauf ertönen, folkig klingende Gitarren, werden Blasinstrumente eingesetzt, gerade bei den längeren Stücken passiert unheimlich viel, aber immer innerhalb des Rahmens der Stücke, der eigentlich in dem Gesamtkonzept nie verlassen wird.

Ich versuche erst gar nicht weiter bestimmte Titel herauszupicken, man sollte sich das Album mal anhören, die knapp 80 Minuten vergehen wie im Flug, es gibt sehr vieles zu entdecken, vor allem bei mehreren Hördurchgängen. Auch werde ich es vermeiden Vergleiche mit irgendwelchen Größen der Szene zu machen, für mich agieren „Electric Mud“ auf einem eigenen ziemlich hohen Level.

Es ist ein fantastisches Instrumentalalbum, mit beeindruckenden und wundervollen Klang-Collagen, vielen Wendungen und einer gehörigen Portion Abwechslung. Electric Mud haben ihren Sound zum Vorgänger zugunsten der Keyboards und Synthesizer verändert. Dafür gewinnt das neue Album aber an Intensität und einer großartigen Atmosphäre.

Wertung: 8 / 10

Album: Quiet Days On Earth
Artist: Electric Mud
Genre: Progressive Rock
Kat.-Nr.: TZ2004
Label: Timezone (12791)
Jahr: 28.05.2020

Für mehr Information geht auf www.electricmud.jimdo.com oder www.electricmud.bandcamp.com

Please follow and like us:
Facebook
Instagram
TWITTER
Copyright © 2022 | STONE PROG | Die Welt des Progressive Rock