Review: Ring Van Möbius – The 3rd Majesty

Man muss schon ganz schön cool drauf sein, Musik im Jahr 2020 zu veröffentlichen, die klingt als hätte man diese irgendwo zwischen THE NICE und EMERSON LAKE & PALMER um 1970 vergessen. Unter komplettem Verzicht von Gitarren (dafür ist bei dieser drei- Mann-Besetzung auch einfach kein Platz) klingt bei der norwegischen Band RING VAN MÖBIUS die Hammond knarzig, als hätte sie schon bessere Tage gesehen, der Bass wie für die Aufnahmen selbst zusammengebastelt, das Schlagzeug trocken wie Brot das schon Wochen in der Sonne gelegen hat; und die Stimme, ja, trifft die Töne, ist ansonsten aber mehr emotionaler Aufschrei denn guter Gesang. Herrlich!

Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr. Thor Erik Helgesen erklärt in der Zeitschrift eclipsed: “ Wir haben diese alten Techniken aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren studiert und versucht, diese zu imitieren, z.B. wie man ein Drumkit mikrofoniert oder wie man zwei Bandmaschinen so manipuliert, dass ein echter Tape-Flanging-Effekt zustande kommt – heute meinen die Leute, das ginge nur mit einem Plug-in. Wir haben auch den Gesang durch die Rotationslautsprecher einer Orgel geschickt, die wir dann mit Mikros abnahmen. Entscheidend war auch, dass wir nur 16 Spuren zur Verfügung hatten und diese Limitation nutzen mussten, um kreativer zu sein. Wenn man ältere Aufnahmen hört, was ich den ganzen Tag tue, dann merkt man, dass oft nicht viele Instrumente beteiligt sind – es sind der Mix und die Spielweise, die den Sound kraftvoll wirken lassen.“

Die Jungs überlegen sich also schon ziemlich genau was sie tun. Und umso öfter man den 22 minütigen Titeltrack „The Seven Movements of the 3 rd Majesty“ hört, bekommt man dies bestätigt. Um 2-3 Hauptmotive gewoben und eben in sieben Sätze unterteilt, wird musikalisch und zumeist textlich (zwei instrumentale Brücken-Sätze sind darunter) einem dritten Königreich gehuldigt, welches sich in Sphären, Raum und Zeit darstellt, die letzten 50 Jahre überlebt hat und ins Heute getragen wurde. Ok, „Tarkus“ schimmert schon ein bißchen durch, aber wen schert ́s? „Illuminati“ setzt als kürzestes Stück des Albums die Atmosphäre des großartigen Titeltracks zunächst fort. Die beiden anderen Stücke sind einzeln jeweils ca. 10 minütige Progressive Rock Kunstwerke. „Distant Sphere“ als bestes der anderen Stücke beginnt mit einem durch Streichquartett begleiteten Gesang und klingt auch folgend strukturell und durch andere Intrumentierung anders als der Rest des Albums. Das den Bandnamen huldigende Stück „The Möbius Ring“ hätte bei YES ein epochales sinfonisches Meisterwerk werden können, bleibt aber in der selbstgewählten alt-trockenen Intrumentierung gefangen. Das „Möbius Band“ oder „-Ring“ bezeichnet übrigens laut Wikipedia „eine Fläche, die nur eine Kante oder Seite hat. Sie ist nicht orientierbar, das heißt man kann nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheiden“. Vor diesem Hintergrund ist viele der Ansätze dieser Band besser zu verstehen.

Das ganze ist mit seinen vier Stücken offenbar geschaffen für eine heute kaum noch übliche Einzel- Vinyl, selbst auf der CD ist „33 1/3 RPM Stereo“ aufgedruckt. Der Longtrack füllt die komplette A- Seite. Und wer immer damit gespielt hat, dem neuen alten Modetrend zu entsprechen und nun doch mit Schallplatten sammeln anzufangen – dieses Album kann ein idealer Einstieg sein. Wer dann noch das Glück hat, eine der seltenen lila-transparent-gefleckten LP ́s zu erhaschen, für den ist der akustisch-optisch-ästhetische Hochgenuss vollkommen.

Ein weiterer Genuss, nicht unerwähnt bleiben darf ist das Cover, gezeichnet von Line Sverdheim. Hier ist unter anderem in einen „Möbius Ring“ gehülltes Königsgewand gemalt, worin sich eine analoge Knopfwand befindet, die an die Steckleiste des Arbeitsplatzes von Keith Emerson erinnert. Innen sind die drei Bandmitglieder in Einzelgemälden als „Königliche Hoheiten“ verewigt, und zwar mit historischen Königsroben so dargestellt, dass sich die Königsgemälde nicht mit den ebenfalls in den Gemälden befindlichen Rockinstrumentarien widersprechen. Das muss man in Konzept und Umsetzung auch optisch erstmal hin bekommen.

In dem Sinne: „ARISE“! Erhebt Euch, um dem 3. Königreich zu huldigen!

Wertung: 8,5 / 10 Punkten

Tracklist:

SIDE A

The Seven Moments of the 3 rd Majesty

(Universal – Spectrum – Reaction – Bilateral – Zenith – Strife of the Icons – Altitude Over Azimuth)

SIDE B

Illuminati

Distant Sphere

The Möbius Ring

RING VAN MÖBIUS:

Thor Erik Helgesen (keyb, voc)

Havard Rasmussen (bass, theremin, back voc)

Dag Olav Husas (dr, perc, back voc)

Please follow and like us:
Facebook
Instagram
TWITTER
Copyright © 2022 | STONE PROG | Die Welt des Progressive Rock