Review: Lifesigns – Altitude (2021)

Am 8. März 2021 erschien recht unauffällig das neue Album der britischen Progband LIFESIGNS. In Bezug auf die Live Auftritte in Deutschland 2015 und 2016 (unter anderem „Night of the Prog“ 2016) hat sich danach, also besonders vor und während der Produktion dieses Albums, personell viel getan. Mit Nico Tsonev (git) und Frosty Beedle (dr) haben zwei langjährige Mitglieder die Band verlassen. Mich hat extrem gefreut, als Zoltan Czörsz im Juni 2020 als neuer Schlagzeuger von LIFESIGNS bekannt gegeben wurde. Nach seinem Abschied aus dem Roine Stolt/Jonas Reingold Universum (ca. 2000 – 2009 war er Mitglied bei den Flower Kings, Agents of Mercy und Karmakanic) hat damit einer der anerkannt besten Schlagzeuger der Szene wieder eine Bandheimat im Progressive Rock gefunden.

LIFESIGNS ist aber ganz klar das Projekt von John Young. Er komponiert, schreibt die Texte und behält komplett die Kontrolle über den Vertrieb seiner Musik. Auch wenn die Band in den 13 Jahren ihrer bisherigen Existenz nur drei Studio-Alben und ein Live-Album veröffentlicht hat und Konzerte (zumindest auf dem Europäischen Festland) eher die Ausnahme sind, hat der anspruchsvolle, lyrische und dynamische Progressive Rock der Band doch bereits viele Freunde gefunden.

„Alitude“ enttäuscht die hohen Erwartungen der Fans nicht. Die Gitarre scheint im Vergleich zu den Vorgängern etwas zurück genommen, das Schlagzeug etwas nach vorne gerückt zu sein. John Young an Keyboard und Gesang steht wieder im Mittelpunkt ergänzt durch das dynamische und angenehm vordergründige Bass Spiel von Jon Poole. Das Ganze wird in einem harmonischen Ganzen sowie in einem in Sound und Konzept geschlossenem Album vorgetragen.

Das Album beginnt gleich mit dem wohl besten Stück des Albums, dem viertelstündigem Titeltrack. Nach ruhigen Beginn mit getragenen Soundscapes und klavieruntertstütztem Gesang entwickelt sich ein dynamisches abwechslungsreiches Stück, welches unter anderem jazzige Elemente und Streicher als musikalische Farbtupfer verwendet, aber nie den Blick auf die Wirkung des Stückes im Ganzen verliert. Das Zusammenspiel von John Poole am Bass und Zoltan Czörsz erinnert phasenweise an das Fundament der Flower Kings in ihren besten Zeiten. Im Text geht es um Tatendrang, der aber durch Isolation ausgebremst wird. Die Pandemie läßt grüßen. Das Album ist auch komplett in Isolation in den Home-Studios der Bandmitglieder entstanden. Spannend hier noch einmal insbesondere in Richtung Zoltan Czörsz, denn man hat sich mit dem neuen Schlagzeuger der Band vor und während der Entstehung des Albums nicht einmal persönlich getroffen.

Das Thema Pandemie setzt sich in „Gregarious“ fort. „Ivory Tower“ thematisiert eine verlorene Liebe, im ersten Teil balladesk, im zweiten Teil rockig mit für LIFESIGNS Verhältnisse unerwartet harten Elementen am Ende. Im Text der weiteren größtenteils längeren Stücke (sechs bis zehn Minuten) wird weiter mit Fragen und Gedanken zur Selbstfindung gespielt. Die in den Songs verbreitete Melancholie nimmt den Hörer mit und findet in „Last One Home“ seinen Höhepunkt. Die kurze „Altitude Reprise“ am Schluss macht das Album rund, in dem es noch einmal auf das Hauptmotiv im Titeltrack verweist.

„Altitude“ ist ein tolles Album geworden. Es ist berührend, lyrisch, abwechslungsreich und progressiv. Zumindest eine Lifesigns Fan hat das Album dazu gewonnen, nämlich mich. 🙂 Man wird schauen, wie sehr die Arbeit an diesem Album die Bandmitglieder zusammengeschweißt oder getrennt hat und ob es wieder Live Aktivitäten auf dem Europäischen Festland geben kann, was für alle britischen Bands nach Brexit und Pandemie deutlich schwieriger zu organisieren ist. Zwei Touren für Herbst 2021 und Frühjahr 2022 in Großbritannien sind jedenfalls annonciert.

Wertung: 9 / 10

1. Altitude

2. Gregarious

3. Ivory Tower

4. Shoreline

5. Fortitude

6. Arkhangelsk

7. Last One Home

8. Altitude Reprise

Band:

John Young (keyb, voc)

Jon Poole (basses, back voc)

David Bainbridge (git, keyb, back voc)

Zoltan Czörsz (dr, perc)

Steve Rispin (Sound eng)

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