Review: Jonas Lindberg – Miles From Nowhere

Anfang 2022 tauchte am PROG Himmel mit JONAS LINDBERG ein neuer Stern auf, der so neu gar nicht ist. Der Schwede veröffentlicht bereits seit 14 Jahren eigene Musik: 2008 und 2013 erschienen EP von jeweils einer halben Stunde Laufzeit unter seinem Namen, das erste Album als Bandprojekt JONAS LINGBERG & THE OTHER SIDE erschien 2016. Für das aktuelle Album unterschrieb er einen Vertrag bei Inside Out, was seinen Bekanntheitsgrad natürlich deutlich erhöht. Und das völlig zurecht.

Tracklist:

1. Secret Motive Man

2. Little Man

3. Summer Queen

4. Oceans Of Time

5. Astral Journey

6. Why I ́m Here

7. Miles From Nowhere

• Pt. I Overture

• Pt. II Dont Walk Away

• Pt III I Don ́t know where you are

• Pt. IV Memories

• Pt. V Miles From Nowhere

Aufmerksam wurde man im Informationswald der Neuveröffentlichungen insbesondere durch die Ankündigung, dass ROINE STOLT an dem Album mitgewirkt hat. Dieser beschreibt, dass sogar er als gut vernetzter Großmeister des Prog Rock und nicht mal eine Autostunde weg wohnend, diesen Musiker bis dato nicht kannte. Er zeigte sich aber von der Musik offenbar ziemlich beeindruckt, die ihm vorgestellt wurde. So willigte er gern ein, sich mit seinem Gitarrenspiel am Album zu beteiligen. Gewissermaßen als Gegenleistung zur Arbeit von ROINE STOLT auf dem Album spielt JONAS LINDBERG Bass im Track „Revolution“ auf dem neuen Flower Kings Album „By Royal Decree“ (siehe auch den Review des Albums sowie das Interview mit Roine Stolt hier auf den Seiten von STONE PROG).

Der erste Track „Secret Motive Man“ auf „Miles From Nowhere“ weist gleich mal klar die Richtung wo es hin geht. Nachdem uns ein kleines Gitarren-Riff begrüßt hat, legt sich kurz danach eine weiche und anders gestaltete Keyboard Linie in dieses Riff. Man hat das Gefühl, dass zwei Songs in einem verwoben wurden. Das Ganze ist aber „nur“ der musikalische Rahmen für ein eingängiges Strophe-Refrain Konstrukt. Ein meisterhaftes Song-Writing, welches das weitere gesamte Album kennzeichnen und die herausragende Eigenschaft dieses tollen Album werden wird.

Das im 3/4-Takt gehaltene „Little Man“ führt dann zu den ersten beiden Longtracks mit einer Dauer jenseits der 10 Minuten. „Summer Queen“ verbaut dabei verschiedene Motive eher nacheinander und endet mit großem sinfonischem Pathos, während „Oceans of Time“ meisterhaft mit verschiedenen Umspielungen immer um einen eingängigen Refrain kreist. Man merkt gar nicht, dass man sich in einem Stück von 11 Minuten Länge befindet. Also zwei unterschiedlich gebaute Stücke, die erfahrene Prog Fans begeistert zur Kenntnis nehmen, und die die Vielseitigkeit von JONAS LINDBERG unterstreichen. Überrascht finden wir mit „Astral Journey“ dann ein Instrumental mit viel Akustik-Gitarre, klar strukturiert und wenig verschnörkelt. Bei „Why I ́m Here“ scheint förmlich die Sonne, wenn in einem unglaublich positivem Song eine Ode an einen Freund erklingt.

Der Beitrag von ROINE STOLT beschränkt sich auf ein eher kurzes Solo am Ende des nun folgenden 25minütigen Titeltracks. Man merkt aber ansonsten von der mancherorts geäußerten Fan- Schaft von JONAS LINDBERG für die FLOWER KINGS beim Hören des Albums nicht sooo viel. Beim instrumentalen Intro meint man beim Track „Miles From Nowhere“ eher, sich auf einem NEAL MORSE-Album zu befinden. Struktur und Keyboard-Arbeit gehen besonders hier, auch an einigen anderen Stellen der Songs, eher in diese Richtung. Wie auch immer: in seinen Grundstrukturen klingt das Ganze insgesamt schon ziemlich eigenständig. Der Song „Miles from Nowhere“ verarbeitet im großen Stil eines Longtracks schmerzhafte Erinnerungen an eine Freundschaft und letztlich die Befreiung von negativen Gedanken. Es lassen sich beim Zuhören gut eigene Erfahrungen gut darin spiegeln, was die Musik bei manchem Hörer zu einem sehr persönlichen Klangerlebnis werden lassen kann.

Wir haben hier ein Album, was ich derzeit nicht müde werde, immer wieder aufzulegen. Es macht einfach Spaß, den eingängigen, aber doch progressiven Linien in den sieben Stücken zu folgen. „Miles From Nowhere“ ist ein Alben, welches sicher im Dezember mit zu den besten Alben des Jahres gezählt werden wird.

Wertung 9/10 Punkte

Jonas Lindberg (Kompositionen, Lyrics, Gitarren, Bass, Keyboards, Gesang, Produktion, Mix)

Guests:

Jonas Sundquist (lead voc)

Jenny Storm (back voc)

Calle Stalenbring (git)

Nicklas Thelin (git)

Joel Lindberg (git)

Maria Olsson (perc)

Jonathan Lundberg (drums)

Simon Wilhelmsson (drums)

Roine Stolt (git)

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