Livebericht: 10. Artrock Festival Reichenbach, Samstag, 09.04.2022

Den zweiten Festivaltag eröffnete ein alter Bekannter, Wolfgang „Paule“ Fuchs von Pond, hatte er doch schon bei der letzten Ausgabe mächtig für Erstaunen gesorgt, viele Festivalbesucher kannten ihn und seine Musik nicht, doch in diesem Jahr war es ein wenig anders, sind ja viele Besucher Wiederholungstäter und wussten was geboten wird.

Pond:

Der Bühnenaufbau glich dem vor einem Jahr, mit großem Gong und Glocke im Hintergrund, die Instrumente im Kreis aufgebaut, und der Mastermind agierte stehend oder auf seinem Bürostuhl fahrend dazwischen. Geboten wurde wieder ein schöner Querschnitt aus seinem musikalischen Schaffen (siehe Setlist)

Sehr schön ist das Zusammenspiel seiner elektronischen Musik und der Videosequenzen sowie der eingesetzten Laser. Im Saal war es sehr still und viele Zuhörer genossen den Opener für den Samstag sichtlich. Nach dem Konzert blieb noch Zeit mit ihm zu sprechen, er ist nicht nur ein guter Musiker, sondern auch ein prima Mensch, mit einem spitzen Humor, der geradeaus sagt was er denkt, und dabei Bodenständig und Höflich. Von Starallüren wie man es von einigen anderen Ostbands kennt keine Spur. Im Gegenteil, er ist ein Vollblutmusiker der alten Schule!! Wir konnten ihm noch einen aktuellen Festival-Kalender überreichen wo er ja auch auf einem Monat mit dabei ist … „Mensch da hab ick ja ein Doppelkinn“ …so ist er!

Setlist: Pond

Jahr 2000

Balactic Excursion

Cyclos

Mondflug

Space Walks

Orbit

Himmelsgeschenk

Planetenwind

Zugabe:

Seidenstraße

Sturmglocke

Futuria

Cosmodome

Nach einer relativ kurzen Umbaupause, betraten dann die Italiener von Ubi Major die Bühne. Mit der Gitarristin Marcela Arcanese (sie gehört fast schon zum Inventar des Bergkellers), begann die Band ihr Set. Es sollten fast ausschliesslich nur Stücke vom letzten Album „Bestie, Uomini E Dei“ zu hören sein, mit zwei Ausnahmen.

Ubi Major:

Mit dem Song „Nero Notte“ vom letzten Album gab es schon mal einen rockigen Einstieg in das nachmittägliche Programm. Großartiger Gitarren- und Bass-Auftakt, dann setzen Neo-Prog-Schlagzeug und Tasten ein, um die strukturelle und melodische Basis zu schaffen, bevor Sänger Mario Moi einsetzt. Marios Stimme ist stark, wenn auch ein wenig verzerrt. Der solide Instrumentalteil, der auf den ersten Gesangsteil folgt, beginnt mit einer schönen Geige, bevor er einer elektrischen Rockgitarre Platz macht. Insgesamt schon mal ein guter Auftakt.

„Fabula Sirenis“ ist das zweite Stück und beginnt sehr sanft mit einem langsamen, vollen Band-Stoff, über den Mario mit einer wunderbar gefühlvollen Stimme singt. Nach knapp einer Minute nimmt das Tempo zu und eine Art GENESIS-ähnlicher Abschnitt beginnt mit einer weiteren Steigerung um dann nach einem weiteren Gesangsabschitt, eben wieder zu dem Motiv zurückzukehren. Ein sehr gut konstruierter und vorgetragener Song.

Als nächstes „Wendigo“, die Drums machen den Anfang, bevor Space-Gitarre, Keys und Bass hinzukommen. Tolle Instrumentalpassagen zwischen den Gesangsstrophen. Marios Vortrag ist trotz einiger unruhiger Momente recht lebhaft und kraftvoll. Zum Schluss tritt das Klavier stärker in den Vordergrund als Schlagzeug, Bass, Synthesizer und die Gitarre übernimmt schließlich die Führung für ein Solo-Finale.

„Bestie, Uomini E D’i“ ein weiterer schwerer, DEEP PURPLE-ähnlicher Rocker mit Orgel, über den Marios verletzliche, krächzende Stimme singt. Dieser Song fällt etwas ab, weil er doch sehr einfach gehalten ist zumindest im Vergleich mit den anderen Stücke. Selbst wenn sich das Tempo beschleunigt, passiert nicht viel aufregendes bis dann ein Wechsel zu einem langsamen, klaviergestützten, bluesigen PINK FLOYD-Abschnitt kurz vor Schlusserfolgt, wo durch ein Gilmour-ähnliches Slide-Gitarren-Solo ein doch schönes Ende zustande kommt.

Mit „Nessie“ folgte ein rein Instrumentaler Song, auch hier erst langsamer Aufbau mit starker Orgel, schönem Gitarrensoli. Die Trompete schließt sich dem Solo an, ein feuriges Hammond-Orgel-Solo so ab der hälfte des Stückes, bevor die elektrische Geige zum Zuge kommt. Sehr schön, wobei jeder einzelne Wechsel und Abschnitt einnehmend und interessant wirkt. E-Gitarren und verschiedene Synthesizer wechseln sich im Laufe der nächsten vier Minuten mit schönen Soli ab, die mit einem Gitarrenfinale endet.

Mit „Misteri di Tessaglia“ einem sehr geradlinigen Song, fast schon im Balladenformat, beginnt das nächste Stück, auch vom letzten Release der Band, welches sich aber dann nach knapp 2,5 Minuten weiter steigert und beginnt wieder mit einer schwereren, proggigeren Palette für einen Instrumentalteil mit Gitarre, Geige und Synthesizer. Wenn der Gesang zurückkehrt, bleibt der Song schwer und voll auf Prog. Toller Song! Insgesamt ein sehr guter Auftritt, wobei ich denke das die Band auch den einen oder anderen neuen Fan dazu gewonnen hat.

Setlist: Ubi Major

Nero notte

Fabula sirenis

Wendigo

Sogno (Il Secreto Per Volare)

Bestie, uomini e dei

Nessie

Misteri di Tessaglia

Desiderio (Per cosa si uccidere)

Auf den Auftritt der Band Meadows hatte ich mich sehr gefreut, durfte ich vor knapp einem Jahr über ihr Debüt berichten und war nun gespannt wie das ganze Live umgesetzt wird. Einige Musiker der Band waren vielen schon von der Band „Silhouette“ ein Begriff, wobei die Ausrichtung bei diesem Bandprojekt eindeutig in Richtung Progressive Metal geht.

Meadows:

Im ersten Teil spielten sie, auch zu meiner Überraschung, das Debütalbum „Modern Emotions“ gleich mal am Stück runter. Hatte da ja so meine Favoriten, insbesondere der Titeltrack „Modern Emotions“ oder auch „Brave“. Eine anfängliche Nervosität lässt sich nicht leugnen, aber mit der Zeit legte sich das und sie wirkten sehr souverän auf der Bühne und hatten auch sichtlich Spaß, nach dem Coronabedingten Stillstand der letzten Zeit.

Im zweiten Teil gab es einige neue Songs zu hören, wo mir „I Am Fading“ und „Tears In Paradise“ am besten gefallen haben. Auch ein Dream Theater – Cover mit „Wither“ hatte sich ins Set geschlichen, gut ich hätte es nicht gebraucht, aber die Menge hatte ihren Spaß.

Die gehörten Stücke machen auf jeden Fall schon mal Laune und steigern die Vorfreude auf das nächste Album. Spannend wird sein wie die Entwicklung weiter geht, Potential haben die Jungs´ allemal, ich sage immer, sie haben eine Tür aufgestoßen … jetzt müssen sie nur noch durchgehen. Nach dem Konzert standen alle beim Merchandising noch Rede und Antwort, waren gerne bereit für Fotos und konnten das eine oder andere verkaufen.

Setlist: Meadows

Dance With The Corps Bride

Modern Emotions

Nostalgia

Rebecca

Powerture

Good Times

The Void

The Brave

I Am Fading (New Song)

TGG (New Song)

Wither (Cover Dream Theater)

Enlight Me (New Song)

Tears In Paradise (New Song)

Als nächste Band war „The Progressive Soul Collectiv“ am Start, das war für mich und viele andere Anwesende die große unbekannte des Tages. Ja, im Vorfeld mal bisschen recherchiert, aber so richtig schlauer war man dann doch nicht. Es gibt ein Album von der Band, was den Namen „Sonic Birth“ trägt, und eben dieses hat die Band komplett am Stück dargeboten.

The Progressive Soul Collectiv:

Zur Entstehung des Albums: Florian Zepf (Gitarre) und die treibende Kraft bei TPSC konnte seine internationalen Prog-Musikerkollegen Aquiles Priester (Ex-Angra & Tony MacAlpine, Drums), Conner Green (sonst hauptamtlich bei Haken am Bass unterwegs), Kevin Moore (Ex-Dream Theater, O.S.I., Chroma Key) im Bereich Loops und Programmierung sowie Luis Conte (u.a. als Percussionist bei Phil Collins tätig gewesen) für die gemeinsame Arbeit am Album überzeugen. Als ein ganz besonderer Gast gab sich Keyboarder Derek Sherinian (Sons of Apollo, Ex-Dream Theater, u.v.m.) höchstpersönlich die Ehre sämtliche Keyboardparts auf dem gesamten Album einzuspielen. Diese verliehen den Aufnahmen eine ganz besondere Note nicht zuletzt in punkto Virtuosität, Sounddesign und natürlich auch Charakter. Hierzu traf sich Florian mit Derek in dessen Studio in Burbank, wo gemeinsam am Album gefeilt wurde.

Vladimir Lalic, seinerseits musikalisch bei der serbischen Prog-Metalband „Organized Chaos“ unterwegs und inzwischen mehr als ein Insidertipp, übernahm die Lead Vocals. Vladimir überzeugt aufgrund seines enormen Stimmumfangs, den Gesangsmelodien und durch seinen Stil. Seine außergewöhnlichen Gesangsparts bilden ein Aushängeschild für das gesamte Album. Somit entstand durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Musiker mit „Sonic Birth“ ein besonderes Album, welches durch die aufregende Kombination dieser Ausnahmekünstler und deren deutlich hörbare Einflüsse einen speziellen Charakter verliehen bekommen hat.

Anfänglich hatte ich schon meine Probleme, war mir doch Vladimir Lalic zu überpräsent in seiner Darbietung, manchmal hat es für mich einfach nicht ganz gepasst, die Band spielte die Songs hervorragend, druckvoll bei bestem Sound! Aber ich merkte dann recht schnell, das da mehr dahinter steckt. Also hieß es dabei bleiben und schauen. Es hat sich gelohnt, Schlussendlich war es eine der besten Darbietungen des Festivals, habe mir dann die CD noch geholt … Und? Sensationelle Produktion, eins der besten Progmetal-Alben der letzten Zeit!

Setlist: The Progressive Soul Collectiv

Intro

Metature

Comfortable Darkness

Killing True Beliefs

Fractional Emotion

A Formule For Happiness

Inner Circle

You And Me Alone

Hurt

Destiny Inc.

Mind Treasures

With Others

Mit Spannung wurde dann Rain erwartet, und ich sage es gleich Vorweg, ein sehr guter Auftritt des Vierers um John Jowitt. Er selbst ist ja eh ein „Sympathieträger vor dem Herrn“, war schon über den Tag Präsent und machte seine Scherze und hatte selbst viel Spaß.

Rain:

„Rain“ ist ein Bandprojekt, was mit „Singularity“ im letzten Jahr eine Veröffentlichung zu Buche stehen hat. Und eben dieses Album war das Kernstück des Sets. Musikalisch lässt sich das Werk zwischen den Bands IQ, Frost* und mit kleinen Anleihen an Spock’s Beard (v.a. an das zehnte Album “X”)einordnen. Es ist für Prog recht eingängig, schon fast Richtung New Art-Pop/-Rock zielend, aber trotzdem immer noch origineller Neo-Prog.

Rob Groucutt und Mirron Webb ergänzen die Band nicht nur, sondern sind beide großartige Musiker, Songwriter und Sänger, und es ist einfach eine großartige Kombination. Es machte Spaß der Band zu folgen, definitiv ein Highlight des Festivals. Kleiner Wermutstropfen, für alle die „Singularitiy“ nach dem Konzert erwerben wollten .. die Band hatte nichts dabei.

Setlist: Rain

Dandelion

Something New

Walk Away

Fear In The Night

Devils Will Reign

Radio Silence

The Magician

Singularity

Manic Depression (Cover Jimi Hendrix)

Rowan Robertson blieb es vorbehalten den zweiten Festivaltag zu beenden. Bekannt geworden als Gitarrist bei „Dio“. Allerdings muss man dazu sagen, das er nur auf einem Album mitgewirkt hat. Robertson stieg 1989, damals 17-jährig, bei „Dio“ als Gitarrist ein, nachdem er sich selbst um die Stelle bemüht hatte. Nach mehreren Anläufen und mit Hilfe des offiziellen DIO-Fanclub´s klappte es dann. Es kam zu den Aufnahmen von „Look Up The Wolves“, welches dann am 15.5.1990 erschien.

Rowan Robertson:

Ein zweites Album blieb dann schließlich im Regal stecken, da das Management an einem Einstieg von Ronnie James Dio bei Black Sabbath arbeitete. Nach dem zustande kommen, war es dann schon wieder mit Robertson und DIO vorbei. Zu einem späteren Treffen mit Dio kam es dann nicht mehr, Ronnie James Dio verstarb im Mai 2010. Hier in Reichenbach spielte Rowan Robertson mit Piero Leporale (Vocals), Roberto Pirami (Drums) und Francesco Caporaletti am Bass. Letzterer ist vielen Festivalbesuchern aus Auftritten mit anderen Band´s bei diversen Ausgaben bekannt, so zum Beispiel bei Andrea Braido, Kee Marcello oder auch Black Banjo.

So fanden dann auch viele Stücke von „Look Up The Wolves“ ihren Zugang auf die interessante Setlist, aber auch andere Klassiker wurden gespielt und vom Publikum abgefeiert, für viele war es ein „Wiederhören“ von Song´s die man in Jugendzeiten gerne gehört hat. Ja, ich bin auch mit Musik von Deep Purple, Dio oder auch Rainbow groß geworden, aber so richtig kommt es nicht mehr bei mir an, aber mal wieder live dargeboten, von einer gut aufspielenden Band, als Abschluss eines schönen Festivaltages, da will man nicht meckern.

Setlist: Rowan Robertson

Wild One (Dio)

Children Of The Sea (Black Sabbath)

Man On The Silver Mountain / Tarot Woman (Rainbow)

Stargazer / Long Live Rock´n Roll (Rainbow)

Born On The Sun (Dio)

Stand Up And Shout (Dio)

Why Are They Watching Me (Dio)

Take A Look At Yourself (Coverdale/Page)

Soldier Of Fortune (Deep Purple)

Don´t Talk To Strangers (Dio)

Lock Up The Wolves (Dio)

The Last In Line (Dio)

Heaven And Hell (Black Sabbath)

Zugabe:

Holy Diver (Dio)

Rainbow In The Dark (Dio)

Der Veranstalter zieht ja immer mal solche Headliner aus dem Ärmel, wo man denkt, naja, aber es passt einfach, weil es doch ein Abschluss mit Partycharakter ist und alle zufrieden nach Hause gehen und sich auf den nächsten Tag freuen, über den ihr morgen mehr lesen könnt.

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