Review: Ryo Okumoto – The Myth Of The Mostrophus

Der Showman an den Keyboards von SPOCKS BEARD, den wir als solchen alle ins Herz geschlossen haben, hat am 29. Juli 2022 nach 20 Jahren das zweite Soloalbum in seiner Zeit bei SPOCKS BEARD veröffentlicht. Seine Arbeit außerhalb seiner Stamm-Band ist uns PROG-Fans weitgehend unbekannt. Seine Umtriebigkeit zeigt sich auch darin, dass seine Homepage aus der Zeit vor seinem Einstieg bei SPOCKS BEARD 1994 sage und schreibe acht weitere Solo-Alben aufführt. Daß er in der Musikszene darüber hinaus ein anerkannt hervorragender Musiker ist, zeigen seine Zusammenarbeit mit beispielsweise Phil Collins, Chris Squire oder Aretha Franklin (um nur mal drei bekannte Namen aus einer schier endlosen Liste herauszugreifen). Man sieht das auch an den Musikern, mit denen er dieses neue Album eingespielt hat. Gefühlt kann er mit dem Finger schnippen und alle kommen: Steve Hackett, Michael Sadler, Mike Keneally oder Randy McStine sind beispielsweise mit dabei. RYO OKUMOTO schart aber im Kern auf seinem Solo-Album die Bands um sich, in denen er aktuell arbeitet: die Mitglieder von SPOCKS BEARD und PROGJECT sind de facto alle am Start.

Tracklist:

1. Mirror, Mirror

2. Turning Point

3. The Watchmaker (Time On His Side)

4. Maximum Velocity

5. Chrysalis

6. The Myth Of The Mostrophus

Ryo hat in den letzten 20 Jahren neben dem Job in seiner Hausband viele Songskizzen liegen gelassen, die nun in sein Solo-Album eingebunden sind. Am 28. Oktober 2020 war er in einem Live-Stream der Band I AM THE MANIC WHALE von dessen Sänger/Bassisten Michael Whiteman ziemlich beeindruckt. Nach Whiteman ́s begeisterter Zustimmung zu einer Zusammenarbeit für das Album „The Myth Of Mostrophus“ sandte Ryo zirka dieser 30 Song- Skizzen an ihn. Es begann ein Hin- und Her-Schicken der Ideen zwischen den beiden. Das Ganze ist nun in sechs epische Stücken (auf der Japan Edition plus zwei Bonus-Tracks) gebannt, welches in der Meisterstube von Rich Mouser (Producer aller Neal Morse Band-, Spocks Beard- und Transatlantic-Alben) produziert wurde.

Eine eigene Version von SPOCKS BEARD sollte „The Myth Of The Mostropus“ nach Aussagen von Ryo Okumoto auf seiner Homepage werden, und genau das ist auch mein Höreindruck. Insbesondere der Opener „Mirror, Mirror“ klingt wie ein lupenreiner SPOCKS BEARD Song. Tolle Keyboard Läufe, die jammernde Gitarre, der singende Bass, das wuchtige Schlagzeug, das sinfonische Songende. Nick D`Virgilio, Alan Morse, Dave Meros und natürlich Ryo Okumoto lassen hier vergessen, dass die Zukunft dieser Band heute unklar scheint. In „Turning Point“ überrascht uns Michael Sadler am Mikrofon! In folgenden Tracks übernimmt überwiegend der Album-Co-Autor Michael Whiteman den Gesang. Man kann gut nachvollziehen, dass Ryo diese Stimme sofort angesprochen hat, denn seine Stimmfärbung ist ziemlich genau zwischen den ehemaligen und gegenwärtigen SPOCKS BEARD Sängern Nick D ́Virgilio und Ted Leonard angesiedelt.

Gewohnte Rock-Strukturen setzen sich fort, wenn sie auch nicht mehr ganz so deutlich nach der klassischen Hausband des Meisters klingen: „The Watchmaker“ poppiger ist keyboardlastiger als die anderen Stücke, in „Maximum Velocity“ mit dem schönen balladesken Intro teilen sich Steve Hackett und Marc Bonilla die Gitarrenarbeit. Insgesamt entpuppen sich die Stücke, alle über 6 Minuten lang, bei genauem Zuhören als ziemlich komplexe und vertrackte Kompositionen. In „Crysalis“ wird dann in eher in ruhiger Grundstimmung auf das zweiundzwanzig minütige Titelmonster hin geführt. Hier wird in sieben zusamenhängenden Sektionen die Geschichte einer Art Godzillas (Mostrophus) erzählt, der dann durch den Gesang eines Prog Rock Sängers besiegt wird. Das Ganze ist als Musikstück und Geschichte angenehm zu verfolgen und zaubert vielfach wegen dem Inhalt und der Musik ein Lächeln ins Gesicht des Hörers. Die Leute von SPOCKS BEARD stehen hier im Mittelpunkt bei der musikalischen Umsetzung, Nick D ́Virgilio und Ted Leonard teilen sich hier das Mikrofon.

Es ist ein schönes und hörenswertes Album geworden. Ich hätte mir aber etwas mehr Eigenständigkeit auf dem Solo-Album eines so erfahrenen Musikers gewünscht. Nicht unbedingt ein „SPOCKS BEARD-Light“-Album, sondern mehr Keyboards, mehr Ryo Okumoto. Das Potential scheinen die Kompositionen zu haben. Wie auch immer, Spaß macht das Album allemal, und für SPOCKS BEARD Fans ist dieses Album sowieso Pflichtliteratur.

Wertung: 8.5 / 10

Ryo Okumoto bei der Pre-Party zur Cruise To The Edge 2022

Musiker:

Keyboards: Ryo Okumoto

Gitarren: Steve Hackett, Mike Keneally, Marc Bonilla, Randy McStine, Alan Morse, Lyle Workman, Michael Whiteman

Bass: Dave Meros, Doug Wimbish

Drums und Percussion: Nick D`Virgilio, Jonathan Mover, Ryo Okumoto (und Jimmy Keegan auf den Demos)

Holzbläser: Andy Suzuki

Geige: Toshihiro Nakanishi

Cello: Raphael Weinroth-Browne

Gesang: Michael Whiteman, Michael Sadler, Randy McStine, Nick D ́Virgilio, Ted Leonard, Jimmy Keegan, Kevin Krohn, Keiko Okumoto

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