Review: Lonely Robot – A Model Life

John Mitchell ist als Gitarrist seiner Hausband ARENA nicht ausgelastet. Anders kann man nicht erklären, dass er sich seit Jahren, ja Jahrzehnten in verschiedenen Nebenprojekten tümmelt, die Alben in guter und sehr guter Qualität abliefern. Sei es in eigener Regie oder als Mitglied anderer Projekte. Mir fallen da KINO (Zusammenarbeit mit Pete Trewavas/Marillion), IT BITES (seine alte Band, deren Geschichte bis in die 80er zurück geht) oder FROST* (John Mitchell ist hier einziges Dauermitglied neben Jem Godfrey) ein.

Tracklist:

1.Recalibrating

2.Digital God Machine

3.Species In Transition

4.Starlit Stardust

5.The Island Of Misfit Toys

6.A Model Life

7.Mandalay

8.Rain Kings

9.Duty Of Care

10.In Memoriam

Und eben LONELY ROBOT. Interessant an diesem Projekt ist, dass die Musik an sich wenig mit Prog- oder Art-Rock zu tun hat. Denn die Songs sind durch die Bank eher kurz, klassisch mit Strophe und Refrain aufgebaut. Abweichungen vom 4/4 Tank und in Richtung progressiver Song- Strukturen gibt es, die sind aber selten. Das Ganze ist dabei hoch-melodiös; man ist geneigt ab dem vielleicht dritten Durchlauf die Songs mitsingen zu wollen. Getragen wird das Ganze von John Mitchell ́s wunderbar warmer, rauchiger und emotionaler Stimme.

Die ersten drei Alben, veröffentlicht 2015 – 2019, stellten dabei mit teilweise Album-übergreifenden Songs und Fragmenten eine geschlossene Trilogie dar. In den Layouts dieser drei Alben zeigt sich der Meister auf Fotos im Astronautenanzug in teilweise skurillen Alltagssituationen, und auch der Bandname trägt wahrscheinlich autobiografische Züge.

Nach Abschluss dieser Trilogie war es 2020 schon etwas überraschend, dass John Mitchell LONELY ROBOT mit einem vierten mit dem Album namens „Feelings Are Good“ fortsetzte. Ganz offensichtlich hat er mit seiner Musik, die er unter diesem Namen veröffentlicht, den Nerv des Publikums getroffen, was ihn dazu motiviert, seine kreativen Ideen auf diesem Weg fortzusetzen. Nun also weiter mit Album #5 namens „A Model Life“. Es ist mehr denn je ein John-Mitchell-Solo- Album, auf welchem er alles alleine gemacht hat; begleitet von keinem Geringeren als Craig Blundell an den Drums.

Das neue Album klingt rockig, satt und rund. Der Vorgänger klang im Vergleich dazu trockener: Die Songs waren hier gitarren-orientierter, Keyboards nur in Form eines E-Piano ́s hier und da zu hören. Der Opener „Recalibrating“ auf „A Model Life“ knüpft hieran noch an. Aber bereits in „Digital God Machine“ führt und ein wuchtiger Sample durch den gesamten Song, ohne dem Stück als Rock-Song weh zu tun. Es gibt hier und da auf dem Album sogar Keyboard-Teppiche, was in der Form bisher bei LONELY ROBOT kaum zu hören war.

Album-Balladen fehlen auch diesmal nicht, diesmal ist es der kurze Piano-Song „Mandalay“ und das Abschluß-Stück „In Memoriam“, welches er seinem Vater widmet. In „Rain Kings“ tropft ein glockiges Keyboard durch den ganzen Song. Das ganze Album führt tolle und mitreißende Songs, wobei hier und da auch mal ein schmachtendes Gitarrensolo Platz hat („Species in Transition“, „Starlit Stardust“). Dies ist neu! Das Album beschreibt in seinen Texten die Suche nach sich selbst in der heutigen schwierigen Zeit, ohne inhaltlich oder konzeptionell konkreter greifbar zu sein.

„A Model Life“ ist eine Sammlung toller und melodischer Rock-Kompositionen mit in ausgesprochen ausgewogener Intrumentierung. Bezogen auf letzteres ist es das Highlight aller LONELY ROBOT Alben, aber nicht ihr bestes Album. Das Art-Work ist bewußt schlicht gewählt, allerdings ist es beeindruckend wenn man beobachtet, dass die Zeichnungen mit einem Stift in einem Zug ohne abzusetzen gezogen sind.

Am 10. Februar 2023 soll es im „Das Rind“ in Rüsselsheim nun endlich eins von aktuell ganzen zwei Konzerten auf dem Europäischen Festland geben, welches der geneigte Fan nicht verpassen sollte. Offenbar hat John Mitchell besonders mit LONELY ROBOT einen großen Kreativschub bekommen; und man ist schon gespannt wie es mit diesem Projekt weiter geht. Ich jedenfalls kann mich an „A Model Life“, wie auch an seinen vier Vorgängern, nicht wirklich satt hören.

Wertung: 8.5 / 10

Loneley Robot 2022

John Mitchell (voc, git, bg, keyb, Komposition, Produktion, Mix & Master)

Craig Blundell (drums)

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