Aliaksandr Yasinski: Review “Hlybini”

Dem gemeinen Prog Fan fällt der Name Aliaksandr Yasinski das erste mal auf, wenn er die Credits des Albums “By Royal Decree” der FLOWER KINGS (Review hier auf den Stone Prog Seiten) liest. Er trug mit seinem Akkordeon als wunderschöne Klangfarbe zum Song “Letter” bei. Auf der Suche nach Musik und weiteren Informationen erstaunt man über die Vielfältigkeit und das Können dieses Ausnahme-Musikers. Seine musikalische Heimat ist das Knopf-Akkordeon. Man findet im Netz spannende Solo-Akkordeon-Stücke, Clips in Zusammenarbeit mit Orchestern á la “Rock meets Classic”, Jazz Adaptionen. Er begeistert mit Versuchen, einen Mini-Moog mit Knopf Tastatur zu bedienen oder als Straßenmusiker auf einer Blasharmonika, die selbstverständlich auch mit Knöpfen bedient wird. Für uns sind das Gründe genug, sich mit diesem Musiker einmal etwas näher zu beschäftigen.

Aliaksandr Yasinski wurde in Belarus geboren und studierte Bayan (Knopf Akkordeon). Seit 2011 lebt er in Prag und und studiert hier nach Angaben seiner eigenen Homepage weiterführend Komposition und Tontechnik. Als sein Ziel bezeichnet er, Akkordeon Musik ohne stilistische Grenzen zu präsentieren. Er ist in verschiedenste musikalische Projekte eingebunden, wie eine belarussische Rockband, Zusammenarbeit mit verschiedenen Folklore/Chanson Sängern oder einem internationalen Jazz/Funk/Tango-Projekt.

pic: promo

Am 30.September 2022 legt er sein erstes Solo-Album namens “Hlybini” (Tiefe) vor. Es ist ein sehr gut produziertes Instrumental-Akkordeon-Album, wo einem die Akkordeon-Bässe schon an mancher Stelle tief in die Magengrube hauen. Er holt sein Instrument tief aus der Folklore/Shanty Ecke heraus, die Musik ist weit entfernt von diesem möglicherweise bestehenden Vorurteil. Irgendwie sieht man Parallelen zu Andreas Vollenweider, dem seit 40 Jahren bekannten und umtriebigen schweizer Harfenisten. Aliaksandr Yasinski stellt mit seinem Akkordeon ebenfalls ein am etwas am Rande stehendes Instrument in den Mittelpunkt und kann mit dessen mit vollem Sound alleine ganze Konzerte gestalten. Der Klang so mancher Stücke auf dem Album auch ist fett und voll und bedarf keiner Begleitung.

“Hlybibi” enthält etliche getragene Stücke, welche das Album doch ziemlich in die Länge ziehen. Nachhaltig sind aber vor allem zwei Stücke. Zum ersten der Titelsong und Opener des Albums, welcher mit seinen gebrochen Rhythmen und phasenweiten Erzeugung ungewöhnlicher Sounds an sich Prog Rock Strukturen orientiert. Vor allem aber der Schluss-Song “In Freedom And Dignity”. Der passt an sich zwar nicht in das gesamte Album-Konzept, ist aber ein geniales Instrumentalstück, in welchem er mit Roine Stolt und Marco Minnemann zusammen arbeitet. Über die  Gitarre von Roine Stolt muss man keine Worte verlieren; sie ist auch hier großartig. Das rhythmische Zusammenspiel zwischen den Akkordeon-Bässen und Marco Minnemann´s Drums ist schlicht phänomenal! Beide Stücke können auf youtube bestaunt werden, “In Freedom And Dignity” auch in Form eines aufwändig produzierten und emotionalen Videos mit klaren Bezügen zum Ukraine Krieg. Das Album ist in digitaler Form bei Bandcamp, die CD über das Weltmusik-Netzwerk (Links auf der Homepage des Künstlers) beziehbar.

Aliaksandr Yasinski ist musikalisch also breit aufgestellt, bezeichnet aber z.B. Roine Stolt als eines seiner großen Vorbilder. Zum Flower Kings Konzert fährt er schon mal 8 Stunden eine Strecke mit dem Auto. Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich der Akkordeon Spieler weiter dem Prog Rock zugewandt sieht. Wenn ja, könnte das für die Prog Szene sehr spannend bleiben.

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