Livebericht: 8. Art Rock Festival – Reichenbach Tag 1 – Freitag, 18.09.2020

Wie fängt man einen Bericht, oder auch Nachlese, von so einem tollen Event in diesen Zeiten an? Am besten mit einem Dankeschön an den Veranstalter, der allen Unkenrufen und Unwägbarkeiten zum Trotz, das ganze durchgezogen hat! Auch auf die Gefahr hin, das es jederzeit aus dem Ruder laufen kann. Wie wir heute wissen, ist es gut gelaufen, und ich hoffte, das es auch ein Fingerzeig für andere Veranstalter ist, doch unter bestimmten Vorkehrungen, Veranstaltungen zu machen. Die Zeit hat uns seit dem eines besseren belehrt ….

Die Reaktionen allenthalben waren deutlich, ob Musikfans, Musiker, Organisatoren, Helfer … endlich mal wieder Livemusik. Es war alles sehr gut durchorganisiert, und was dabei sehr wichtig war … es haben sich alle an die Vorschriften gehalten. Wenn der Chef des Neuberinhauses sagt: „So etwas geht nur mit DIESEN Fans“ .. dann sagt das schon alles!

Die Wiedersehensfreude bei vielen angereisten Fans war riesig, hatte man doch fast ein halbes Jahr keinen direkten Kontakt mehr, da es ja nicht wirklich viele Möglichkeiten gab sich zu Konzerten zu treffen.

Und so freute man sich auf den ersten Act am Freitag … Andrea Braido aus Italien durfte als erster ran. Angekündigt war eigentlich Braido & Peterson, ich wunderte mich aber über 3 Stühle auf der Bühne … war dann relativ schnell geklärt, Nathaniel Peterson konnte nicht einreisen. Schade hatte mich auf ihn sehr gefreut, eine Rocklegende mit sensationeller Stimme. Aber wie das so ist, es sollte sich ja demnächst die Gelegenheit ergeben, ihn nochmal Live im Bergkeller zu erleben. Auch das hat sich mittlerweile leider erledigt. Es wäre übrigens seine Abschiedstour gewesen … Aber wieder zurück, Andrea Braido wurde kurzerhand bei seinem Set von zwei Musikern aus seiner Band unterstützt. Francesco Caporaletti am Bass sowie als Sänger Damiano Borgi.

Andrea Braido arbeitete mit vielen „Bigs“ in Italien zusammen, unter anderem Zuccero, Angelo Branduardi und vielen anderen. Und so zog sich sich die Darbietung auch in die Richtung, viele bekannte Titel immer virtuos auf der Akustischen Gitarre begleitet. Und auf der ist er ein ganz großer Könner. Ein sehr schöner Einstieg.

Als zweite Band des Abend kamen dann Retrospective aus Polen. Über die Qualität aus unserem Nachbarland muss man nicht viel sagen, kommen doch viele renommierte Act wie Riverside, Lunatic Soul, Collage, Disperse und andere von dort. Über einen weitern wird morgen noch zu berichten sein. Für einige keine Unbekannten, spielten sie doch 2018 auch beim NOTP. Ihre wuchtigen, abwechslungsreichen Stücke überzeugten die meisten von Anfang an und schraubten die Messlatte für die nachfolgenden Künstler schon ziemlich hoch. Die Setlist bestand größtenteils aus Stücken von den Alben „Re:Search“ (4 Song´s) aus 2017 und „Latent Avidity“ (6 Song´s) vom letzten Jahr. Als Opener kam mit „Huge, Black Hole“ aber ein Stück vom 2012er Album „Lost In Perception“, eine Nummer die schön abgeht und gleich für gute Stimmung sorgt. Beim zweiten Stück „Standby“ teilen sich dann Sänger Jakub Roszak und Beata Lagoda (Keyboards) dann die Vocals, was wieder für Abwechslung sorgt. Ansonsten gehören noch Robert Kusik (Drums), Maciej Klimek (Gitarre) und Alan Szczepaniak (Gitarre) sowie Lukasz Marszalek (Bass) zur Band.

Dann folgen mit „Programmed Fear“, „Stop For A While“ und „The Seed Has Been Sown“ gleich drei Song´am Stück vom Album „Latent Avidity“. Mit ruhigen Pianoklängen begann das nächste Stück „Right Way“ was sich dann aber wieder in ein Feuerwerk an Melodien verwandelte, hier auch wieder der gemeinsame Gesang im Mittelpunkt. Mit „The End Of Their World“ gleich im Anschluss noch ein Stück von der „Re:Search“. Hier erinnere ich mich noch an das fiese Lachen …

Es folgten noch „Still There“, Oceans Of A Little Thoughts“, „Loneliness“. Mit „Regret And Frightened Child“ kam noch ein Stück vom 2007er Album „Spectrum Of The Green Morning“.

Den Abschluss machten dann „What Will Be Next“, „Lunch“ sowie als letzter Song des Abends „Heaven Is Here“. Ein sehr guter Auftritt, bleibt zu hoffen das die Musiker in der Konstellation so weiter machen.

Als drittes dann, das Projekt „League Of Lights“. Im Prinzip ein Duo, bestehend aus Farrah West (Vocals) und Richard West, einigen bekannt von der Band Threshold. Die Musik der beiden kann man durchaus als Art-Pop bezeichnen, wobei viele verschiedene Einflüsse, das ganze zu einer sehr spannenden, interessanten Geschichte machen. Zwei Alben haben die beiden bis heute veröffentlicht; so „League Of Lights“ (2011) und relativ aktuell „In The In Between“ (2019). Dazu noch ein paar Singles, unter anderem „Forever“ (2012) mit Gastsänger Glynn Morgan (Threshold). Beim Debüt waren neben den beiden, noch Ruud Jolie – Guitar (Within Temptation), Jerry Meehan – Bass (Robby Williams) sowie Marc Zonder – Drums (Fates Warning) dabei.

Den Auftakt machte „Shockwave“ der Opener auf dem neuen Album, im Prinzip eine Livepremiere für alle, fand doch die geplante Tour zum neuen Album nicht statt. Als Mitstreiter für Farrah und Richard, waren Ruud Jolie (Guitar), Toby Schwietering (Bass) sowie David Sievers (Drums) nach Reichenbach angereist. Optisch ein absoluter Hingucker, Farrah in einer schwarzen Robe mit Schmuck im Haar … bisschen wie eine Wave/Gothic-Queen. Dargeboten wurden fast alle Song´s vom neuen Album; ausser „Spectrometer“. Dazu gesellten sich noch mit „Cover Me Now“, „Half Light“ und „Don´t Leave Me Behind“ drei Stücke vom Erstling. Ein Cover von Theshold, in dem Fall „Avalon“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Als Zugabe dann noch, die eingangs erwähnte Single „Forever“.

Insgesamt eine sehr runde Sache, viele der Anwesenden waren doch sehr positiv überrascht. Der Mix aus ruhigen Pianopassagen, rockigen Gitarren und ganz viel Melodie, und einer Bühnenpräsenz von Farrah West mit einer richtig guten Stimme.

Der Headliner des ersten Abends folgte dann mit „The Animals & Friends“. Im Jahre 1958 wurde die Musikformation Alan Price Combo gegründet, 1962 stieß Eric Burdon, der zuvor in der Band „The Pagans“ gesungen hatte, als Sänger hinzu. Die „Animals“ hatten sich gegründet. Anfangs spielte die Band vor allem Soul- und Bluesstücke von Ray Charles, Sam Cooke, Chuck Berry und John Lee Hooker. Fortan gab es aber genügend eigene Stücke und Cover, die bis heute Kultstatus besitzen, und die eigentlich fast jeder kennt. Aufgelöst hatte sich die Band im Februar 1969, einige Mitglieder konzentrierten sich fortan auf eine Karriere als Solokünstler.

Seit 2001 treten „The Animals & Friends“ in wechselnder Besetzung mit einigen ehemaligen Mitgliedern auf. 2004 erschien ein Studioalbum mit neuen Tracks. Zu diesen „Animals & Friends“ gehörte neben dem Drummer John Steel bis zu seinem plötzlichen Tod im Juni 2003 auch Dave Rowberry am Klavier. Ab Juni 2003 übernahm Mick Gallagher das Klavier.

Beim Festival waren Gründungsmitglied John Steel, mittlerweile fast achtzigjährig !! am Schlagzeug, sowie Mick Gallagher (Keyboards) als sozusagen Urgesteine der Band dabei. Unterstützt von Danny Handley am Mikrofon und der Gitarre, sowie Bassist Roberto Ruiz, die den Altersdurchschnitt einigermaßen nach unten drückten.

Es machte Spaß den Herren zuzuschauen, zugegeben meine Richtung ist es nicht, aber wie die 4 Musiker die Stücke performten war schon sehenswert und unterhaltsam, auch weil man doch viele der Stücke einfach kennt. Beispiele gefällig; „Don’t Let Me Be Misunderstood“ ein Nina Simon Cover, „We’ve Gotta Get Out Of This Place“, „Baby, Let Me Take You Home“, „Night Time Is The Right Time“ und andere. John Steel verließ etliche Male sein Schlagzeug um am Bühnenrand mit dem Publikum zu plaudern. Als Abschluss eines schönen ersten Festivaltages kam dann logischerweise ihr größter Hit „The House Of The Rising Sun“ und entließ viele zufriedene und glückliche Musikfans in die Nacht …

Morgen dann mehr zu Tag 2, mit Amarok, Polis, Andrea Braido Band, Chandelier und Stern Meissen.

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