Livereport: Lazuli – Neuberinhaus, Reichenbach, 29.10.2022

LAZULI sind in Reichenbach eine Bank. Aber noch nicht sooo lange. Gegründet 1998, waren damals schon recht bekannten französischen Ethno-Rocker erst im März 2016 das erste Mal im Bergkeller Reichenbach. Nach ihren Festivalauftritten im Neuberinhaus 2017 und 2021 war die Band nun hier zum vierten Mal zu Gast. Reichenbach und LAZULI, das ist seitdem eine besondere Liebe geworden. Was Wunder, wenn eine herzliche und familiäre Band ein herzliches und familiäres Publikum besucht.

Als Spielort sind wir zwar wieder im Festival-Ort Neuberinhaus, allerdings diesmal im kleinen Saal im Obergeschoss, den die Reichenbacher Konzert-Stammkunden als Spielort bisher noch nicht kennengelernt hatten. Allerdings fühlt man sich da unter gleichgesinnten Freunden in (fast) vertrauter Atmosphäre wohl, ja vielleicht sogar ein bisschen wie im Bergkeller in Groß.

Dominique Leonetti erinnerte in einer seiner süßen, unnachahmlichen deutschen Ansagen zunächst an den Auftritt beim Festival 2021, der der erste Auftritt nach langer Corona Pause und gleichzeitig auch der erste Auftritt der Band mit dem neuen Gitarristen Arnaud Beyney und dadurch für die Band ein emotionales und nachhaltiges Konzert war. Seine Moderationen muss man einfach lieben, wenn er seine Texte, vorbereitet und abgedruckt in übergroßen Lettern in „französischem Deutsch“, sehr charmant und in stark gebrochenem Deutsch präsentiert.

Im ersten Teil wurde das aktuelle Konzeptalbum „Le Phantastic Envolve de Dieter Böhm“ komplett gespielt. Es geht um Dieter Böhm (ein nicht ganz der Bandfantasie entsprungener Name als Referenz an das ihnen leidenschaftlich verbundene deutsche Publikum), der auf einer einsamen Insel eine Note einpflanzt, die dann wächst und als Musik in einer Flaschenpost von da auf die Reise geht. Die gesamte Lyrik ist auf wie immer französisch. Hört man LAZULI bedauert man, der französischen Sprache in keinster Weise mächtig zu sein, denn man spürt, dass hinter den gesungenen Worten eine sehr blumige und eigenwillige Poesie steht.

Die besonderen bandeigenen Sounds, die durch die Kombination von Leodé (einem bandeigenen von Claude Leonetti mit einer Hand gespielten Instrument), den Keyboard- und verfremdeten Waldhorn- Klängen von Romain Thorel, den teils elektronischen Drums von Vincent Barnavol und der neuen zentralen Gitarre von Arnaud Beyney entstehen, kann man schwer erklären. Muss man auch nicht – die Fans lieben ihn! Darüber schwebt der hohe klare Gesang von Dominique Leonetti, unbestrittener Kreativkopf der Band, der das aber nie heraus hängen lässt. Immer spürt man, dass fünf Freunde für ihr Publikum spielen und dies mit Genuss und Freude tun.

Neu war die übergroße Videowand, die hinter der Band angebracht war. Die Filme, die die Musik unterstützen, brachten nach bereits etlichen erlebten Live-Auftritten der Franzosen wieder eine neue Erfahrung. Die aufgeschriebenen Titel der Stücke sind für französisch-Unkundige schwer, den schon oft gehörten Songs zuzuordnen, aber wenn man LAZULI kennt, findet man sich nach der Pause im zweiten Teil der Show in einer Art „Best Of“ der Bandgeschichte wieder. So manches Stück feiert man ab oder singt es leise mit. Wir sind längst in einer neuen tollen LAZULI Party. Dominique, Claude, Romain, Vince und Arnaud feiern sich, ihre Freundschaft, ihr Publikum und das gemeinsame Baden in ihrer Musik.

Zum Schluss postierten sich alle Bandmitglieder um das Marimba und zelebrierten gemeinsam auf diesem Instrument das bekannte Stück, diesmal neu garniert mit „Here Comes The Sun“. Wie immer ein tolles Erlebnis; mein persönliches Konzerthighlight fand aber unmittelbar zuvor statt. Als nämlich am Ende des Stücks „J´attends un Printemps“ Dominique an einer leise und emotional gesungenen Stelle das Publikum aufforderte, in seinen leisen Gesang einzustimmen, was gefühlt auch das ganze Publikum tat, und zwar genau so zart und leise wie LAZULI´s Zeremonienmeister.

Absolutes Gänsehautfeeling; ich kann mich an nichts vergleichbares in irgendeinem einem anderen Konzert erinnern. Gleich nach dem Konzert kam die Band raus, bereit zum Schwatz, zu Autogrammen und zu Fotos mit jedem einzelnen Konzertbesucher, der es wollte. So viel Nahbarkeit erlebt man auch auf den vielen familiären Prog Konzerten wirklich selten.

Es war in meinem vielleicht zehnten LAZULI Konzert wieder ein wunderbarer Abend mit Freunden im Publikum und mit Freunden auf der Bühne, und ich freue mich schon heute auf die elfte Edition.

Lazuli:

Dominique Leonetti (voc, git)

Claude Leonetti (leodé)

Romain Thorel (keyb, frenchhorn)

Arnaud Beyney (git)

Vince Barnavol (dr)

Setlist:

Teil 1: Le Phantastic Envol de Dieter Böhm

Sol

Les Chansons sont des boiteilles a la mer

Mers lacrymales

Dieter Böhm

Baume

Un visage lunaire

L` envol

L` homme volant

Dans les mains de Dieter

Teil 2: Best Of

Deraille

Le miroir aux Alouettes

Les Sutures

Egoine

Homo Sapiens

Les Courants Ascendants

Encore:

J´attends un Printemps

Nos Ames Soules

„Marimba“ (feat: Here Comes The Sun)

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