Interview mit Hasse Fröberg

Aus Anlass der Veröffentlichung des neuen Albums „We Are The Truth“ von HASSE FRÖBERG & MUSICAL COMPANION am 26.11.2021 hatten wir die Ehre und das Vergnügen, mit Hasse Fröberg ein exklusives Interview führen zu dürfen. Hier das komplette Gespräch:

STONE PROG: Wie geht es Dir und Deiner Familie im Dezember 2021 in Uppsala? Wie geht Ihr mit der Pandemie-Situation um?

Hasse Fröberg: Ich bin gerade in einem spektakulären Winterland. Es sind -18°, alles ist mit Schnee bedeckt, so dass es draußen wie eine Postkarte aussieht. Ich habe heute Morgen gelesen, dass wir gestern einen alten Rekord gebrochen haben. Es war -43,8° in Nordschweden, die kälteste Dezembertemperatur seit 100 Jahren. Es sieht alles sehr schön aus, aber es ist ein bisschen zu kalt, wenn du mich fragst. In Bezug auf Covid scheint die Lage in Schweden derzeit unter Kontrolle zu sein, kann sich aber jederzeit wieder ändern.

pic: (C) Johnny Taxén

STONE PROG: Kommen wir zur Musik. Ich möchte Dich zuerst zu Thomsson (Bassist bis 2019 vd. Red.) fragen. Ich kann mir vorstellen, dass es für Dich ein schwerer Schlag war zu hören, dass er nicht mehr motiviert war, bei HFMC mitzumachen. Denn Ihr beide seid ja Freunde seit Eurer Kindheit. Habt Ihr noch Kontakt?

Hasse Fröberg: Ja, wir haben noch Kontakt. Aber du hast recht, es war ein Schock, als er mir sagte, dass er die Band verlässt. Das hat er mir kurz vor unserem Auftritt bei „Prog At Sea“ erzählt, wo wir zum ersten Mal Musik von unserem vorherigen Album „Parallel Life“ live präsentierten. Nachdem ich die schockierende Nachricht bekommen hatte, sagte ich ihm, er solle es geheim halten bis nach unserer letzten Show in Tallinn (Estland). Am Anfang war es hart, aber wie Du sagtest, er hatte die Motivation verloren. Es hat ihm keinen Spaß mehr gemacht. Tatsächlich habe ich letzte Woche erst mit ihm gesprochen, er hat den Bass nicht mehr angerührt, seit er die Band verlassen hat. Letztlich hat uns aber Thomsson selber Sampo Axelsson als neuen Bassisten empfohlen.

STONE PROG: Ich freue mich, dass die Empfehlung für Sampo Axelsson direkt von Thomsson kam. Denn nach dem, was ich gelesen habe, war Euer neuer Bassist eine große Hilfe auf dem neuen Album!

Hasse Fröberg: Seit Sampo zur Band gestoßen ist, hat er HFMC wirklich vorangetrieben. Er ist nicht nur ein großartiger Bassist, er hat auch ein gutes und großes Ohr für Musik im Allgemeinen. Darüber hinaus hat er noch viele andere Talente, wie zum Beispiel die Tatsache, dass er auch Layouts und Videos macht. Vor allem wurde er von allen sofort akzeptiert und in die Band integriert. Es fühlte sich vom ersten Tag an sehr natürlich an und er war vom ersten Ton an, den wir zusammen spielten, sehr gut vorbereitet. Wie man hört, hat er auf dem neuen Album einen großartigen Job gemacht. Wir sind sehr glücklich mit ihm!

pic: (C) Johnny Taxén

STONE PROG: Habt ihr alle Nebenjobs oder seid ihr „Profi ́s“, der ausschließlich von der Musik lebt?

Hasse Fröberg: Sampo, Kjell und Anton sind Musiklehrer an verschiedenen Schulen. Ola und ich arbeiten für verschiedene Unternehmen am Flughafen Arlanda. Wir haben also die „Airport Gang“ und die „Musiklehrer Gang“ in HFMC.

STONE PROG: Haha, eine tolle Vorstellung, wie sich die „Gangs“ in eurer Band gegenseitig necken! Du bist übrigens von ganz tollen Musikern umgeben. Ich liebe Olas Stimme! Wenn er singt, bekomme ich Gänsehaut! Auch seine Akustikgitarre klingt sehr warm und emotional. Die von ihm komponierten Stücke kommen sehr gut rüber. Anton ist ein großartiger Gitarrist, Kjell kreiert tolle passende Keyboardsounds. Die Beiträge aller einzelnen Musiker sind toll und gut herauszuhören.

Hasse Fröberg: Ich denke, diesmal ist es mehr denn je ein Album der gesamten Band. Du hast Recht, besonders Kjell stahlt auf dem ganzen Album. Vielleicht weil er allein in seiner Wohnung in COVID-Quarantäne war, ich weiß es nicht. Wie auch immer, sein Spiel ist auf den Aufnahmen sehr inspiriert. Vielleicht weil er machen konnte was er wollte und weil ich nicht da war der ihn trieb und sagte was er tun soll hehehe…Und Ola, ja es ist toll einen zweiten Leadsänger in der Band zu haben. Seine Stimme hat klingt irgendwie verletzlich, was ich mag. Und dieser bestimmte Charakter passt sehr gut zu meinem, imho. Was soll man über Anton sagen was noch nicht gesagt worden ist? Er ist ein Killer-Gitarrist! Tatsächlich bin ich überrascht, dass er noch in der Band ist. Ich war mir immer sicher, dass er ein Angebot von einem größeren Act bekommen würde, aber er ist immer noch hier! Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass er es liebt, unsere Musik zu spielen. Heute hat er zwei kleine Kinder, also war die Pandemie vielleicht doch nicht so schlimm. Denn ich habe keine Ahnung, wie er jetzt mit einer Tour fertig geworden wäre! Vielleicht ist es ja auch gut so, dass es wie letztes Jahr war und leider immer noch ist.

STONE PROG: Interessant finde ich besonders, was du über Kjell sagst, dass seine Isolation ihm so einen kreativen Schub gegeben hat!

Hasse Fröberg: Wir haben uns ein paar Mal getroffen, um zu klären, was er machen MUSS. Außerdem habe ich ihm gesagt, dass er darüber hinaus tun und lassen kann, was er will. Also er hat dieses Mal wirklich viel Material beigesteuert und uns Massen von Dateien geschickt, viel mehr als auf den vorherigen Alben! Petrus Königsson (Toningenieur) und ich mussten oft wirklich lachen, weil er so gute, einfallsreiche und lustige Sachen kreiert hat, wahrscheinlich weil er so inspiriert war.

pic: (C) Johnny Taxén

STONE PROG: Seit eurem ersten Konzert außerhalb Schwedens 2011 im Bergkeller Reichenbach, bei dem ich auch dabei war, habe ich das Gefühl, ihr seid alle Freunde. Auch heute finde ich, dass ihr alle sehr gut harmoniert, sowohl menschlich als auch musikalisch. Fünf Alben in zehn Jahren, so ein kreativer Input, das schaffen manche größeren Acts nicht!

Hasse Fröberg: Ja, Reichenbach war unser allererster Auftritt in Übersee! Das hat richtig Spaß gemacht. Wir waren ziemlich nervös, aber am Ende war es ein tolles Konzert, soweit ich mich erinnern kann. Es war ziemlich kalt und wir mussten während des Soundchecks unsere Bremsen am Bus reparieren! Ja, wir haben immer Spaß zusammen und das hört man absolut in unserer Musik. Auf „We Are The Truth“ vielleicht sogar noch mehr als auf unseren vorherigen Alben.

STONE PROG: 2019 stand geschrieben, dass Ihr Euch 2020 mit Live-Aktivitäten zurückhalten wolltet, um sich auf ein neues Album zu konzentrieren, das 2021 erscheinen sollte. Schaut man sich diese Pläne im Nachgang an, scheint COVID kaum darauf Einfluss genommen zu haben, oder?

Hasse Fröberg: Natürlich hatte COVID einen Einfluss auf das Album. Die Musik und die Texte mögen vor Beginn der Pandemie geschrieben worden sein, aber ein so großer Game Changer wie Corona hat uns wie alle anderen beeinflusst. Jedenfalls haben wir die Songs 2020 rund sechs Monate lang geprobt. Die Vorbereitungen für das Album waren länger und intensiver denn je. Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir noch nie so gut auf eine Studioaufnahme vorbereitet waren, außer vielleicht für „FuturePast“ (2010). Wir haben uns dann im November 2020 für vier Tage im Nevo Studio in Sundsvall eingeschlossen, um die Backingtracks aufzunehmen. Das war genau auf dem Höhepunkt der Pandemie, daher fühlten sich diese Tage wie eine Oase in der Wüste an. Wir hatten so viel Spaß und die Kreativität sprengte fast das Dach vom Studio. Spielen, zusammen abhängen, essen und ab und zu ein Bier trinken. Und – gab es sogar ein Whisky-Buffet mitten in den Sessions! Ich meine, was könnte schief gehen (hmmm viel, denke ich, aber wir waren wirklich zur richtigen Zeit am richtigen Ort). Ich habe viele Studios mit den Flower Kings und HFMC und anderen Bands gesehen, aber Nevo Studios war wirklich großartig. Es könnte tatsächlich mein Lieblingsstudio geworden sein und obendrein haben wir das Ganze hin bekommen.

STONE PROG: Das ist wirklich die klassische Idee eines Fans, ein Album aufzunehmen! Die Band geht in ein Studio, schließt die Tür und bleibt dort während des gesamten kreativen ​Prozesses. Was ist dann passiert? Schließlich sollte ein ganzes Jahr vergehen, bis das Album veröffentlicht wurde.

Hasse Fröberg: Wir mussten dann vier Monate Pause machen, weil unser Tontechniker Petrus für Uppsala Statsteater beschäftigt war, der seltsamerweise alle Stücke trotz Absage immer wieder probte. Wir haben dann die Aufnahmen zwischen April und Juni 2021 beendet und mussten dann fünf Monate warten, bis die verdammten Vinyls fertig waren. Sie versprachen uns, dass wir sie Anfang November nach GlassVille liefern lassen würden, aber sie kamen erst Anfang Dezember an. Die meiste Zeit in diesen fünf Monate verbrachten wir damit, Videos zu drehen und das Album zu promoten.

STONE PROG: Dein Album habe ich am Erscheinungstag 26.11.2021 bei der Record Release Show auf Prog Core Radio im Internet zum ersten Mal komplett gehört. Von Anfang an war ich beeindruckt von den vielen Ideen, Wechsel und Überraschungen, die die Musik überall enthält. Ich hatte jetzt mehrere Durchläufe, es macht immer noch Spaß, es zu hören, und meiner Meinung nach ist es bisher Euer bestes Werk.

Hasse Fröberg: Ich bin Mitglied der Band, also sollte ich das vielleicht nicht sagen, aber selbst für mich ist „We Are The Truth“ ein unterhaltsames Album und wie du schon sagtest mit vielen Wechseln und Überraschungen, wie auf einer Achterbahnfahrt . Ich meine, man weiß nie, was im nächsten Moment passiert. Ich höre es selbst sogar gern! Diesmal steckt auch viel Humor in der Musik, was wir vorher nicht so hatten. Die Band klingt inspiriert, man kann deutlich hören, dass wir viel Spaß beim Aufnehmen hatten und die Songs sind wirklich gut wenn du mich fragst. Ich denke, es ist ein starkes Album.

Pic: (C) Johnny Taxén

STONE PROG: Ich würde gerne etwas über bestimmte Titel wissen wollen. Bei „To Those Who Rule The World“ erscheint mir der Songaufbau besonders spannend. Eine große Melodielinie wird an zwei Stellen unterschiedlich gebrochen. In der Record-Release-Show hast du im Chat gesagt, dass es für dich wahrscheinlich der verrückteste Song sei, den du je geschrieben hast, andererseits aber dein Lieblingssong auf dem Album. Wie meinst Du das?

Hasse Fröberg: Fakt ist zunächst einmal, dass „To They Who Rule The World“ der erste von mir veröffentlichte Song, den ich auf Piano geschrieben habe. Ich bin ein mieser Pianist, selbst die einfachsten Akkordwechsel sind für mich aufregend. Daher war ich in einem „kreativen High“, als ich den Song schrieb. Alle Teile wurden auf meinem alten und verstimmten Klavier komponiert, bis auf den bluesigen Teil. Ich hatte dieses Gitarrenriff in 7/4 eine Weile herumliegen und in meinen Ohren passte es einfach perfekt dazu. Wir mussten nicht einmal das Tempo ändern. Außerdem gibt es diesen Teil in 5/4, den ich gerne den „Westafrikanischen Teil“ nenne, weil der Gitarrensound ein bisschen ähnlich klingt wie sie es dort unten spielen. Dieses kurze Stück ist total neben der Spur, aber irgendwie funktioniert es und es macht den Song spannend. Ja, es ist vielleicht der verrückteste Song, den ich geschrieben habe, aber auch einer der stärksten. Eine funky Strophe, ein kraftvoller Refrain und wirklich coole Soli. Es ist ein schräges Lied, aber gleichzeitig sehr zugänglich.

STONE PROG: …und diese Wechsel steigern die Aufmerksamkeit des Hörers! Das Wesentliche ist: Ihr kommt immer wieder zum Song zurück, auch mit diesen Wendungen. Bei „Other Eyes“ überrascht der große Bruch in der Mitte mit dem Regenschauer und der verspielten Akustikgitarre, und dem fast neuen Anfang des Stücks danach. Ich muss tiefer in den Song einsteigen, aber soweit ich das beurteilen kann, haben die Texte vor und nach dieser Pause eine unterschiedliche Bedeutung, trotz der manchmal gleichen Worte. Gut gemacht!

Hasse Fröberg: „Other Eyes“ ist der längste Song und wahrscheinlich der Track des Albums, der am meisten proggy ist. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen Ola und mir. Ich bin für den Hauptteil des Songs verantwortlich, wie Intro, Strophe, Zwischenstück, Refrain, während Ola den Gitarrensolo-Part in 6/8 und das zarte Akustikstück danach geschrieben hat. Petrus war versessen darauf, den Klang zwischen meiner Stimme und meiner Akustikgitarre genau hin zu bekommen. Das hat dazu geführt, dass wir mir die Mikrofone für die Akustikgitarre mehr oder weniger neben den Kopf gestellt haben (was sicherlich nicht die normale Vorgehensweise ist). Petrus wollte das Gefühl erwecken, dass es ein einziges Mikrophon ist, das gleichzeitig meine Stimme und meine Gitarre aufnimmt. Allerdings habe ich zuerst meine Martin-Gitarre aufgenommen und dann den Gesang, was der normale Weg ist aufzunehmen.

STONE PROG: Du hast vorhin Whisky Night erwähnt. Da muss ich noch mal neugierig sein, denn auf Facebook und in der Record Release Show hast du schon darüber gesprochen. Dürfen wir wissen, was dort passiert ist?

Hasse Fröberg: Wir hatten am Samstagabend ein tolles Whisky-Buffet. Wir hatten von 10 bis 21 Uhr aufgenommen und sagten uns, wir durch sind für heute. Wir aßen zu Abend und begannen danach, all die verschiedenen Whiskys zu probieren, die wir dafür mitgebracht hatten. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es ein Buffet war. Es gab viele verschiedene Marken aus Schottland, Irland, Schweden und den USA. Nach einiger Zeit, als wir voll dabei waren, kam Petrus plötzlich auf die Idee, eine ganz andere Version von „Every Second Counts“ aufzunehmen. Er war nicht zufrieden mit der Geradeaus-Version, die wir vorher aufgenommen hatten. Wir haben ein paar Stunden mit verschiedenen Arrangements gearbeitet, bevor wir endlich angefangen haben, den Song aufzunehmen. Ich erinnere mich, wie ich mit aufgesetzten Kopfhörern da saß und eins…zwei…drei…vier…wie betrunken ich tatsächlich war, und das gleiche gilt für den Rest der Jungs, denke ich. Wie auch immer, nach vielleicht drei oder vier Takes haben wir es geschafft und beschlossen, es gleich morgen früh anzuhören. Was soll ich sagen, Petrus hatte recht, dieses Arrangement passte besser zum Song und tatsächlich stammen die meisten Dinge, die man hört, aus dieser Session. Mein Gesang und die Akustikgitarren sowie Kjell sein kleines „Orchester“ wurde dann nachträglich hinzugefügt.

STONE PROG: Was für eine herrliche Vorstellung, so betrunken Musik einzuspielen, die dann auch noch teilweise aus der Session auf dem Album zu hören ist! Weiter beschreibst Du „Shaken And Stirred“ als den „Rocker“ auf dem Album. Ich liebe dieses Slide-Ding am Anfang und am Ende des Songs! Von den Album-Credits vermute ich, dass Sampo das gespielt hat?

Hasse Fröberg: Nope – ich bin diejenige, die die Slide-Gitarre spielt. Als wir das Lied aufgenommen haben, hatte ich das Gefühl, es brauchte etwas mehr, etwas anderes. Also habe ich die Slide-Gitarre am Anfang und am Ende des Songs hinzugefügt, ohne dass die Jungs davon wussten. Es gibt der Musik wirklich eine besondere Note mit diesem schlammigem Southern- Sound.

pic: (C) Johnny Taxén

STONE PROG: „Spiritual Change“ ist fast 11 Minuten lang und wurde komplett von Ola geschrieben. Ein tolles Beispiel dafür, wie Ihr als Band arbeitet, und nicht nur Hasse Fröberg mit Begleitern.

Hasse Fröberg: Ich freue mich sehr, dass Ola Musik zum Album beisteuert. Das macht die Band spannender. Sein Songwriting ist erstklassig und wenn es um „Spiritual Change“ geht, hat er sogar die Texte dazu geschrieben (wie in „Time Waits“ auf dem Parallel Life-Album). Ich habe ihm ihm vielleicht ein wenig mit den Melodien der Strophen geholfen, aber es ist ganz sein Lied. Es ist progressiv und heavy zugleich. Ich würde sagen: 10 Minuten purer Prog!

STONE PROG: Ich sehe mich als klassischen Old-School-Album-Hörer. Ich liebe es, wenn Musik einen Fluss hat, über ein ganzes Album, einen Anfang und ein Ende. In diesem Sinne ist „We Are The Truth“ sehr gut geworden. Diese Soundcheck-Sache am Anfang und das Pfeifen am Ende passt perfekt zum Inlay Photo Album des Studios und umrahmt das ganze Album perfekt.

Hasse Fröberg: Oh, ich wünschte, Kjell könnte das hören. Er drohte, mich und Petrus umzubringen, als wir ihm das Intro vorspielten. Was wir hören, ist, dass Kjell verschiedene Sounds ausprobiert, bevor er die Musik für einen der Songs aufnimmt. Als wir es hörten, konnten wir nicht aufhören zu lachen. Dann fügten wir Ola ́s Pfeifen und Petrus ́ Worte hinzu, als er sagt „We are the thruth!“. Wie gesagt, Kjell hasst es immer noch. Tatsächlich findet er es schrecklich. Der Rest von uns liebt es jedoch, also muss Kjell damit leben. Ich meine, wir hatten diese großen und pompösen Intros auf unseren vorherigen Alben, also war es definitiv Zeit für etwas Neues.

STONE PROG: Gibt es noch andere Dinge die dir wichtig sind, um sie den Lesern über das Album zu erzählen?

Hasse Fröberg: Da muss ich Y.O.K.O. erwähnen, die Sampo und ich zusammen geschrieben haben. Der Grund, warum wir es Y.O.K.O. genannt haben, ist der Synthesizer-Sound im Intro. Es klingt ähnlich wie die Stimme von Yoko Ono, daher der Titel. Dieser Song ist unsere erste Zusammenarbeit und für mich fühlte es sich wirklich gut und problemlos an, zusammen mit Sampo zu schreiben. Er hatte das Intro mit dem heavy Riff, den Strophen und dem Solopart. Ich fügte dann den Refrain, die Texte und die Melodien hinzu. Also ja, es ist wirklich eine echte Zusammenarbeit.

STONE PROG: Haha, eine weitere coole Geschichte, die zu dem Humor passt, den die Musik ausstrahlt …

Hasse Fröberg: Der Titelsong „We Are The Truth“ wurde sogar vor dem „Parallel Life“-Album geschrieben, aber mit der Strophe, den ich damals hatte, war ich nicht glücklich. Ich habe es neu geschrieben und ich finde das Lied ist großartig geworden. Es ist Petrus ́ Lieblingsstück des Albums. Es klingt kraftvoll und zerbrechlich zugleich, mit einer schönen Melodie und krachender Gitarrenarbeit von Anton. Und nicht zu vergessen Kjells kleine Jazz-Einlage und das punkige Ende! Ich muss auch „The Constant Search For Bravery“ erwähnen. Die Musik stammt aus der Feder von Ola und die Texte, die Melodien und die Gesangsarrangements stammen von mir. Nun, viel mehr Prog geht nicht, mit all den verschiedenen Parts, Rhythmus- und Tempowechseln und dem wunderbaren Moll-Akkord im Refrain, der aus heiterem Himmel kommt. Ich kann wirklich über alle Songs reden, aber ich glaube, ich muss ein oder zwei Worte zu „Rise Up“ mit dem zweiten Video des Albums, sagen. Für mich ist dies ein Popsong mit einigen kuriosen Drehungen und Wendungen, wie zum Beispiel der Reggae-Part oder Kjells Streichern im Refrain, die ich wirklich cool und wie ich finde einigermaßen überraschend daher kommen.

STONE PROG: Ja, ich liebe das Video von „Rise Up“! Bei diesen ungewöhnlichen bunten Bilder und dem Text meint man, es drückt die Freude darüber aus, nach der Pandemie wieder raus gehen und gemeinsam feiern zu können.

Hasse Fröberg: Schön, dass Du so bei „Rise Up“ denkst. Tatsache ist jedoch, dass es Zufall ist, denn das Lied wurde vor der Pandemie geschrieben. Der Text handelt von den harten Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, um den Planeten Erde wieder gesund und glücklich zu machen. Außerdem hast du recht Gunter, Dario Mekler hat ein herausragendes Video zu dem Song gemacht.

STONE PROG: Beim Zuhören ist mir aufgefallen, dass deine tolle Stimme für meine Ohren etwas dumpf klingt und in die Musik zurück gemischt wirkt. Aber ich sehe das auch als Zeichen dafür, dass Ihr Euch als Band präsentieren möchte, nicht als Hasse Fröberg mit einigen Leuten hinter ihm. Sondern als HFMC mit Hasse Fröberg als eines von fünf Bandmitgliedern. Kannst du etwas dazu sagen?

Hasse Fröberg: Wir wollten diesmal einen Rock ’n‘ Roll-Mix machen, ein Album, das in den 70ern hätte entstehen können. Ich wollte, dass die Musik so nah wie möglich an meinen Lieblingsplatten aus dieser Zeit klingt. Das gleiche gilt für den Gesang. Für mich ist der Gesang jedoch laut genug. Petrus und ich hatten uns vor dem Studiotermin ein paarmal getroffen, um zu besprechen, in welche Richtung wie gehen wollen, was den Sound und die Produktion betrifft. Ich muss sagen, ich bin sehr froh, dass wir an dem Plan festhielten, eine „Rock’n’Roll-Platte“ zu machen. Im Laufe der Jahre habe ich überlegt, was für eine Band wir sind. Letztendlich denke ich, dass wir eine Rockband mit vielen Einflüssen aus dem Progressive Rock sind. Egal ob Hardrock oder Progressive Rock, die Haupteinflüsse kommen aus den Siebzigern. Für mich und für uns ist dies unser „Going back to the roots“-Album.

STONE PROG: Ich denke, du solltest nicht zu viel darüber nachdenken, was die Band sein könnte. Ihr seid was Ihr seid, 10 Jahre Bandgeschichte, 5 Alben, etwas ganz besonderes in der Art wie Ihr Musik macht. Ich liebe was Ihr tut und wie Ihr es seit vielen Jahren macht!

HASSE FRÖBERG: Danke Gunter! Ich denke, HFMC ist etwas Besonderes in der Art, wie wir Genres mischen, die Musik schreiben und arrangieren. Ich würde nicht sagen, dass wir eine sonderbare Band sind, aber die Art und Weise, wie wir die Genres mischen, ist einzigartig. Wir gehören eindeutig nicht in die Welt des Heavy Metal, wir sind keine traditionelle Progressive-Rock- Band, wir sind auch keine Roots-Rock’n’Roll-Band. Das ist natürlich nicht gut fürs Geschäft, da die Leute Dinge beschriften wollen. Aber wir sind, wer wir sind und jetzt habe ich mich endlich damit abgefunden, dass wir „überall“ sind. Zum Glück für uns entdecken immer mehr Leute die Band und beginnen unsere Musik wirklich zu mögen. Hahahaha… Ich habe gestern eine Rezension gelesen, in der der Journalist unsere Musik „Scandinavian Soul“ nannte, also spielen wir vielleicht das?

STONE PROG: Hm, ja, „Scandinavian Soul“ ist vielleicht eine ganz gute Beschreibung für Eure Musik. Gibt es Pläne für eine Tour?

HASSE FRÖBERG: Wir haben bereits einige bestätigte Gigs und ich verhandele gerade auch über andere Shows. Was ich wirklich hoffe, ist, mich mit einer anderen Band einzuhaken und im nächsten Herbst, nach dem Ende der TFK Shows, eine Tour auf dem europäischen Festland machen zu können.

STONE PROG: Natürlich muss ich euch nach dem neuen Flower Kings-Album fragen, das im März 2022 erscheinen soll. Es gibt noch nicht viele Informationen: ein Cover, eine Tracklist, ein veröffentlichter Titel, Vorbesteller-Informationen. Was denkst du darüber? Wie unterscheidet es sich insbesondere von seinen beiden Vorgängern?

HASSE FRÖBERG: Ich finde, es ist ein sehr gut klingendes Album. Es wird ein wahres Schmuckstück für HiFi-Nerds mit vielen Details in der Produktion. Glaub mir, wenn ich sage, dass es Schichten über Schichten von Klängen gibt. Natürlich sind auch einige gute Songs dabei und es wird mit dem geflirtet, was wir in den Neunzigern gemacht haben. Ich hoffe und glaube, dass die Leute das Album mögen werden.

STONE PROG: Danke für deine Zeit Hasse! Alles Gute für die Band, viel Glück mit dem Album und alles Gute und Gesundheit für deine Familie!

HASSE FRÖBERG: Klingt toll Gunter. Es hat Spaß gemacht mit Dir zu sprechen. Es freut mich sehr, dass dir unsere neue Musik gefällt. Ich wünsche Dir einen angenehmen Abend!

Tracklist:

1. For Those Who Rule The World

2. Other Eyes

3. Rise Up

4. The Constant Search For Bravery

5. Y.O.K.O.

6. We Are The Truth

7. Shaken And Stirred

8. Every Second Counts

9. A Spiritual Change

Wertung: 9/10 Punkte

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