2022 legte der schwedische Solo-Künstler Jonas Lindberg die Messlatte für seine eigene Zukunft sehr hoch: sein in dem Jahr vorgelegtes Album „Miles From Nowhere“ wurde gleich mal zum Album des Jahres hier bei den Stone Prog Lesern. Nach seinen Anfängen mit EPs in den Jahren 2008 und 2013 sowie dem vollwertigen Album „Pathfinder“ von 2016, welche in der Szene weitgehend unter dem Radar liefen, wird dies sein Durchbruch. Der Multiinstrumentalist komponiert, arrangiert und produziert seine Musik in Eigenregie und lässt sich dabei von befreundeten Musikern unterstützen. Presse und Fans waren gleichermaßen begeistert über die progressiven und melodischen Strukturen, die der 1980 geborene Schwede vor drei Jahren auf seinem Album zaubert.

Tracklist
1. End Of The Road (12:47)
2. Someone Like Me (5:43)
3. Faces Of Stone (7:26)
4. Galactic Velvet (9:41)
5. Gruvan (8:24)
6. Running Out Of Time (8:00)
7. The Wind (17:31)
Am 5. November 2025 wird nun offiziell das Nachfolgealbum „Time Frames“ veröffentlicht. Jonas Lindberg sagt: „Der Albumtitel ‚Time Frames‘ bezieht sich darauf, dass das Album durch viele kleine Deadlines entstanden ist. So werden beispielsweise die Gitarren in diesem Zeitraum aufgenommen und die Mixe müssen innerhalb eines anderen Zeitraums fertiggestellt werden. Das letzte Album entsteht während der Pandemie, als wir alle viel Zeit haben. Diesmal müssen wir es neben all den anderen Dingen schaffen.“
Was Prog Fans mögen: Auf dem Werk überwiegen lange Stücke. Die sieben Stücke sind mit einer Ausnahme jeweils mindestens siebeneinhalb Minuten lang. Gleich am Anfang steht mit „End Of The Road“ ein Longtrack, der mich in seiner Struktur an Neal Morse erinnert. Das ist nicht unbedingt Zufall, denn der Meister wird mehrfach in Interviews von Jonas Lindberg als dessen großes Vorbild bezeichnet. Wir starten gleich in den ersten Sekunden mit sinfonischer Weite zum Sich-Fallenlassen, bevor der Song in einen gut strukturierten Wohlfühl-Groove übergeht. Im Gesang wechseln sich eine Männer- und eine Frauenstimme ab. Ausgearbeitete Solos von Gitarre und Keyboards halten die Spannung im Song, bevor das sinfonische Anfangsmotiv zurückkehrt und der Song mit einer wunderschönen zarten Akustik-Gitarre ausklingt. Hui, das waren fast 13 Minuten?
Im verspielten „Someone like me“ (wo er offensichtlich einen Spiegel in seinem kleinen Sohn sieht) umspielt die Snaredrum alleine nahezu die komplette Melodie, was ich als spannende musikalische Farbe empfinde. Der Song führt dann zu dem meiner Meinung nach besten Stück des Albums „Faces Of Stone“, das es als Single und Video bei youtube zum Probehören gibt. Ein tolles Stück konsequent im unruhigen 5/4-Takt, das das Herz des Prog Fans erfreut. Hervorheben möchte ich noch das Instrumental „Gruvan“ (zu deutsch: die Mine). Dieses führt eine so konsequente Melodielinie, dass man beinahe meint, hier sei die Gesangsspur nachträglich gelöscht worden. Ein für Prog-Verhältnisse eher untypisches Instrumentalstück. „Gruvan“ ist übrigens eine gerade in Schweden gestartete Realityserie. Zusammenhänge sind wahrscheinlich, wenn man das youtube Video vor diesem Hintergrund betrachtet.
Auch das abschließende große Stück mit dem schlichten Titel „The Wind“ beginnt als sinfonischer, entspannter und melodischer Track. Etwa ab Mitte des Stückes lassen Jonas Lindberg und seine Mitstreiter die Gitarren und Trommelstöcke kräftiger schwingen, was der Dynamik in dem 17-Minuten Stück gut tut. Die immer wieder kehrenden Hauptmotive halten das Stück in Gänze zusammen. Ein besonderer Longtrack, welcher über seine gesamte Länge strukturell fließend und zusammenhängend ausgearbeitet ist, nicht aus einzelnen getrennten Teilen zusammengeschoben, und trotzdem sehr abwechslungsreich wirkt. Mit einer kleinen Piano-Linie klingt das Stück aus. Ein wohl durchdachtes, strukturiertes und angenehmes Album klingt so aus.
Glückwunsch Jonas Lindberg! „Time Frames“ ist ein tolles Album geworden und knüpft wie erwartet an seinen großartigen Vorgänger „Miles from Nowhere“ an. Es wird sicher zu den besten Prog Alben 2025 gehören. Der Überraschungseffekt von 2022 bleibt diesmal vielleicht aus, aber das ist Jammern auf extrem hohem Niveau. Es bleibt abzuwarten, welchen der vorderen Ränge „Time Frames“ erzielen wird.
Das Album und der Künstler sei insbesondere Freunden von melodischem klassisch-sinfonischem Prog empfohlen. Spaß macht übrigens auch, die Video-Logs auf youtube herauszusuchen: in 12 Kurzfilmen kann man die Entstehung des Albums recht dezidiert nachverfolgen. Das Album kann über Bandcamp, die Homepage lindbergmusic.com oder über JustForKicks bestellt werden.

Line-Up
Jonas Lindberg – bass, keyboards, guitars, mandolin, backing vocals, lead vocals on tracks 2, 6 & 7
Jonas Sundqvist – lead vocals on tracks 1,3 & 7
Jenny Storm – lead vocals on tracks 1,4 & 7
Calle Schönning – guitars on trx 1,3,4,5 & 7
Nicklas Thelin – guitars on trx 1,4,5,6 & 7
Joel Lindberg – guitars on tracks 5 & 6
Jonathan Lundberg – drums
Maria Olsson – percussion
Conny Lindgren – violins on track 2
