Livereport: 2 Days Prog +1, Veruno 2025 – Tag 1

Wir hörten schon seit Langem schon viel Gutes von diesem Festival. In diesem Jahr richteten wir unsere Planungen nun endlich einmal darauf aus, dieses schon beinahe legendäre Festival in Norditalien zu besuchen. Ich selbst bin in diesem Jahr zum ersten Mal dabei, Livereports aus den Jahren 2023 und 2024 sind bereits hier auf den Stone Prog Seiten zu finden.

Eine kleine Gruppe von Freunden, die sich seit Jahrzehnten immer mal vor verschiedensten Prog-Bühnen trifft, findet sich auch hier zusammen. „2 Days Prog + 1“ hat eine lange Tradition. Irgendwo lesen wir, dass es sich im Jahr 2025 bereits um die 17. Edition handelt. Hier spielten in den Jahren zuvor schon Bands, von denen man meinte, dass sie in Europa nie live auftreten würden, wie zum Beispiel Glass Hammer oder Yuka & Chronoship. Also scheint es hier irgendetwas zu geben, was den einen oder anderen Künstler motiviert, mit einem Konzert hier auch mal die eigene Komfortzone zu verlassen. Nach den Konzertberichten versuchen wir am Ende dieses Reports, das Gesehene und Gehörte als Fazit etwas in diese Richtung zu analysieren.

Nicht nur die Vorfreude ist lang, sondern auch die Anreise. Nach ca. 900 km werden wir aus Deutschland kommend vom Navi vor Mailand von den Hauptstraßen abgeleitet, fahren quasi alleine durch einige unscheinbare italienische Dörfer und stehen plötzlich neben dem Festivalgelände, welches im Örtchen Revislate auf dem lokalen Sportplatz neben der Kirche errichtet ist. Auf dem Rasen sind 1.650 Stühle ordentlich in Reih und Glied so aufgestellt, damit auch jeder seinen gebuchten Platz findet. Die Reservierung eines solchen Stuhles kostet ganze 4 € pro Tag (in Worten: vier!). Mehr Eintritt fordert der Veranstalter nicht. Man sieht während der Mugge schon mal Kinder auf das Tor dieses Sportplatzes auf der rechten Seite schießen. Die Kirchenglocken des Dorfes begleiten pünktlich zur vollen Stunde das Konzertgeschehen. Man fühlt sich vom ersten Moment an wohl in dieser entspannten Umgebung. Hier findet also eines der wichtigsten Prog-Festivals in Europa und das größte Prog-Festival Italiens statt. Die Kameramänner auf beiden Seiten der Bühne stehen bereit, die Leinwand für die Video-Projektionen ist gebügelt. Alles ist perfekt vorbereitet, auch das Wetter passt in diesem Jahr, nachdem 2024 der dritte Tag wegen sturzflutartigem Regen beinahe abgesagt werden musste.

Tag 1 | 05.09.2025

G.O.L.E.M.

Einer guten Tradition folgend beginnt an jedem Tag eine Prog-Band aus dem heimatlichen Italien. Dabei sind G.O.L.E.M. dem wissenden deutschen Publikum keine Unbekannte, denn beispielsweise traten sie in diesem Jahr beim ArtRock Festival in Reichenbach auf. Zwei Alben wurden in den Jahren 2022 und 2024 bereits veröffentlicht, wobei der Bandname die Abkürzung zweier völlig unterschiedlicher Albumtitel ist; die Titelsongs dieser Alben spielen sie heute beide. Am Merch gibt es eine auf 100 Stück limitierte EP namens „Still Life“ zu kaufen, die auf das nächste Album hindeutet.

Ein angezerrter Bass eröffnet. Wir bestaunen eine echte schwere Hammond-Orgel auf der Bühne; die Musik kommt über zwei Keyboard-Spieler ohne Gitarre aus. Ruhigere Stellen mit Gesang lösen längere Keyboard-Bass-Läufe ab. Wir konstatieren einen sehr gefälligen, am 70er-Jahre-Prog orientierten, aber doch recht eigenen Sound, der gefällt. G.O.L.E.M. merken wir uns weiter!

Setlist G.O.L.E.M.

Gathering Of Legendary Elephant Monsters

Marble Eyes

Tale Of Oblivion Dance

Still Life pt. 1: Born erased

Gravitational Objects Of Light, Energy and Mysticism

Rosalie Cunningham

Mit dem zweiten Act erleben wir gleich die nächste unerwartet angenehme Überraschung. Beim Namen Rosalie Cunningham erwartet man beinahe eine Singer-Songwriterin mit akustischer Gitarre auf der Bühne. So hat sie auch tatsächlich ihre musikalische Karriere begonnen, bevor sie bei verschiedenen Bands spielt. Jetzt hat sie ihre eigene Band und seit 2018 schon drei Alben unter ihrem Namen veröffentlicht.

Mit der Referenz, dass das „Prog“-Magazin sie 2023 zur Prog-Sängerin des Jahres gewählt hat, reist die 1990 geborene britische Sängerin also in der norditalienischen Provinz an. Was wir erleben, hat aber mit Singer-Songwriter rein gar nichts zu tun. Die fette Hammond ist gleich mal stehen geblieben und nimmt auch in diesem Act einen gewichtigen Part ein. Wir hören sehr gefällige Musik, die irgendwo zwischen Classic und Prog pendelt. Auffällig ist neben Rosalie Cunningham an E-Gitarre und Mikrofon vor allem auch Claudia Gonzalez Diaz am Rickenbacker-Bass. Sie trägt gemeinsam mit Aaron Kelvin Bolli Thompson an der Hammond-Orgel den Sound. Wir staunen und freuen uns über einen für uns über Rosalie Cunningham und einen für uns neuen Namen im Prog.

Setlist Rosalie Cunningham

To Shoot Another Day

Timothy Martin´s Conditioning School

Heavy Pencil

The Smut Peddler

Spook Racket

Home

Rabbit Foot

Duet

Tristitia Amnesia

Donny pt. 2: Encore

Ride My Bike

Dethroning Of The Party Queen

Alex Henry Foster

Alex Henry Foster war in der Prog-Szene einfach irgendwann da, ohne dass er wirkliche Prog-Musik spielt. Seine Konzerte sind Happenings, seine Musik ist hypnotisch. Die Texte sind vielfach gesprochen oder geschrien, enthalten Botschaften über Zusammenhalt und Freundschaft. Vorgetragen wird das Ganze voller inbrünstiger Leidenschaft, immer nah am Publikum dran. Er lässt es sich auch nicht nehmen, die Chef-Organisatorin Octavia Brown auf die Bühne zu holen und sie zu loben, wie wohlwollend die Band speziell durch sie während ihres Aufenthalts hier betreut worden ist. Nichts kann ihn davon abhalten, Barrieren zu überwinden und auch heute ein Bad in der Menge zu genießen.

Von den drei Konzerten, die ich im letzten, reichlichen Jahr mit ihm erleben durfte, ist das heutige das tiefste und eindrucksvollste. Das mag daran liegen, dass ich etwas gebraucht habe, um mich auf seine besondere Art einzulassen, aber auch, weil es das erste erlebte Abendkonzert ist, wo Alex seine Aura unter Konzertlicht voll entfalten kann. Darüber hinaus ist Alex einfach ein herzlicher Mensch. Wir finden ihn und seine Keyboarderin Miss Isabel am Merch und sprechen beide an. Sofort bekomme ich eine (wirklich kräftige!) Umarmung, und bevor ich irgendetwas sagen kann, höre ich von ihm ein „Thank you for being here!“. Ich kann mich in 30 Jahren aktiven Konzertbesuchen an keine vergleichbare Szene mit einem anderen Musiker erinnern. Ähnliches beobachten wir hier und im Mai in Maastricht vielfach.

Natürlich muss der Fairness halber auch gesagt werden, dass es auch heute Konzertbesucher gibt, die mit diesem Konzert überhaupt nichts anfangen können. Wie gesagt, man muss bereit sein, sich auf Alex‘ Art und seine Musik einzulassen. Wie auch immer. Seine Zahl an Fans scheint jedenfalls rasant zu wachsen, sicher auch nach dem heutigen Konzert. Viele beschreiben diesen Act als das Highlight des gesamten Festivals. Wir verfolgen seinen Weg natürlich weiter und freuen uns schon auf ein neues Treffen.

Setlist Alex Henry Foster

Up Till Dawn

I´m Afraid

The Son Of Hannah

City On Fire

Summertime Departures

The Hunter (By The Seaside Window)

TesseracT

Bei TesseracT sind wir Novizen und staunen, was vom heutigen Headliner von der Bühne kommt. Klar erwarten wir Prog Metal, aber das hier hat noch mal einen ganz anderen Saft als das, was wir sonst in dieser Richtung so hören. Der Veranstalter schreibt im Programmheft (was natürlich hier zur kostenlosen Mitnahme ausliegt), dass sich TesseracT seit ihrem ersten Album 2011 „konsequent von ihrer Konkurrenz abgesetzt hat und gleichzeitig ein eigenes musikalisches und lyrisches Erbe geschaffen hat, was einzigartig ist“. Dies unterschreiben wir als Resümee des heutigen Konzerts.

Ein hell abgemischtes Schlagzeug und extra angezerrter Gitarrensound erzeugen eine uns bisher unbekannte stärkere Form der Härte im Prog Metal. Der Sänger Daniel Tompkins arbeitet viel mit Schrei und Growl. Für ein erstes Kennenlernen dieser Band ist mir das etwas zu viel und zu hart, obwohl ich an sich gerne Prog Metal höre. Das Ganze klingt aber sehr gut, dank des über das gesamte Festival sehr gut herausgearbeiteten Sounds bei allen Bands. Die Neugier und der gute Sound lassen mich länger beim Konzert verweilen als anfangs gedacht, obwohl ich bis zum Schluss nicht durchgehalten habe.

Setlist TesseracT

Concealing Fate part 1: Acceptance

The Grey

Natural Disaster

Echoes

Of Mind – Nocturne

King

Smile

The Arrow

Legion

Tourniquet

Concealing Fate part 2: Deception

Juno

War Of Being

Hier könnt ihr mehr über den zweiten Tag lesen:

Livereport: 2 Days Prog + 1, Veruno 2025 – Tag 2 – STONE PROG

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