Zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von “World Through My Eyes” veröffentlichen RPWL ihren Klassiker erneut. Dabei wird der Sound auf den aktuellen High End Standard gebracht, außerdem gibt es das Album jetzt auch als Vinyl. Renald Mienert sprach mit Yogi Lang und Kalle Wallner
Wovon hängt es ab, ob ihr ein Album ein weiteres Mal veröffentlicht? Vom Erfolg? Oder muss es ein Jubiläum sein?
Yogi: Ich glaube, es hängt eher davon ab, welche Emotionen dranhängen und was es für die Band bedeutet. Bei „God Has Failed Again“ war natürlich der Grund, dass es unser erstes Album war, der Startpunkt. „World Through My Eyes“ war auch ein sehr großer Schritt für die Band. Es war die erste „Wir starten von Null“ – Produktion, es war ein Wagnis und ein Abenteuer. Das Album hat es verdient, revisited zu werden.
Kalle: Man sieht das auch ganz gut an unseren Live-Sets. Wenn man nicht gerade ein neues Album promoted, sondern zwischendurch ein paar Konzerte spielt, von „World Through My Eyes“ sind immer ein paar Songs dabei. Der Surround-Effekt war auch ein Aspekt. Yogi hat das Album damals ja in 5.1. gemischt, und der Reiz, das Album jetzt auf den aktuellen Surround-Sound zu bringen, Dolby Atmos, war natürlich auch sehr groß. Und wir wollten das Album endlich auch auf Vinyl veröffentlichen, und da war das zwanzigjährige Jubiläum eine tolle Gelegenheit.

Was versteht ihr unter “Wir starten von Null” – Produktion?
Yogi: Bei RPWL war es, dass wir 1996 angefangen haben zusammen zu spielen und immer wieder eigene Songs gemacht. Irgendwann kommt dann jemand und sagt, macht doch ein Album. Wir wären nicht auf die Idee gekommen. Und dann greifst du auf den Pool von Sachen zu, die du schon gemacht hast. Beim zweiten Album kannst du dich immer noch nicht von alten Sachen trennen und es kommen ein paar neue Stücke dazu und suchst deinen Weg, den du mit dem dritten Album gefunden haben solltest. Und du hast keine alten Songs mehr, das war die große Herausforderung für uns, bei null anzufangen. Du hast ein Thema und fängst an, eine neue Welt zu entwickeln, davor hast du sie eher zusammengesetzt.
Die ersten Alben haben sich inhaltlich mit sehr persönlichen Themen beschäftigt. Bei “World Through My Eyes” war das anders.
Yogi: Du schreibst ja über Dinge, die dir unter den Nägeln brennen. Das mag jetzt profan klingen, aber beim dritten Album haben wir gesagt, die persönlichen Aspekte sind abgearbeitet, lass uns mal etwas mehr in die Tiefe gehen. Wenn du den Werdegang von RPWL mit einer Psychotherapie vergleichst, dann fangen wir mit World Through My Eyes an, den Dingen auf den Grund zu gehen. Und was den philosophischen Aspekt angeht, war es eine Gegenüberstellung der westlichen Herangehensweise, lass und die Dinge so bearbeiten, bis sie passen, mit der fernöstlichen, wo man eher sagt, lass uns versuchen in Einheit zu leben, mit den Dingen, die da sind.
Kalle: Jedes Album braucht eine Inspiration. Und bei dem Album war es das erste Mal so, dass man tatsächlich vor einem weißen Blatt Papier saß und sich ein Thema gesucht hat, auch wenn es kein klassisches Konzeptalbum geworden ist. Bei den ersten Alben hatte man ja Songs oft schon vorher live gespielt und dann einfach aufgenommen.

Vor zwanzig Jahren erschien das Album auch als SACD. Mehr ging soundtechnisch damals nicht. Jetzt ist Dolby Atmos State of the Art. Auf der anderen Seite streamen immer mehr Leute. Ist dieser super Sound da nicht verlorene Liebesmühe?
Yogi: Das war ja schon immer die Crux. Ob das nun früher Kofferradios waren und High-End-Plattenspieler. Aber das war einer der Gründe, weshalb ich angefangen habe, Musik zu machen. In meinem Kinderzimmer haben sich Mischpulte getürmt, und ich wollte herausfinden, was klingt wie, wenn du was machst. Das macht auch heute immer noch den Reiz der Studioarbeit aus. Wie kannst du Emotionen schaffen, nicht nur durch die Musik, sondern auch durch die Produktion. Wir versuchen ja immer, autark zu bleiben. Also nicht die Dinge irgendwo in New York oder wo auch immer machen zu lassen, sondern mit eigenen Mitteln, das Maximale herauszuholen. Man kann die Uhr nicht zurückdrehen. Streaming hat sich etabliert, aber auch da wird einiges passieren, um in Sachen Sound aufzuholen.
Kalle: Im Idealfall hat man eine gute Balance zwischen guten Songs und gutem Sound.
Bei solchen Wiederveröffentlichungen gibt es oft Bonus-Alben mit Demos, Akustik – oder Live-Versionen. Ihr verzichtet darauf.
Yogi: Wir haben uns auf diese beiden High End Produkte Dolby Atmos und Vinyl konzentriert. Wir haben das Album ja nicht nur Remastered, sondern arbeiten Spur für Spur nochmal auf und mischen das Album auch neu. Das war uns wichtiger, als zu suchen, ob es nicht noch irgendwo für Sammler das Akustikgitarren-Demo von Kalle von draußen auf der Wiese gibt.
Kalle: CD und Blu-ray kommen ja in einem Package, und da hatten wir jetzt auch Platz, das Booklet neu zu gestalten. Es gibt Illustrationen, die erst nach dem Original entstanden sind und damit wollten wir auch einen visuellen Mehrwert bieten. Es macht auch Spaß, darin zu blättern.

Was hat es mit “New Stars Are Born” auf sich? Der Song erschien damals als Bonustrack auf der SACD…
Yogi: Wir waren sehr euphorisch und haben zunächst gar nicht gemerkt, dass wir mehr Musik haben, als auf eine CD passt. Also mussten wir einen Song weglassen und hatten den zunächst auch gar nicht fertig produziert. Als wir dann erfahren haben, dass auf der SACD mehr Platz ist, haben wir ihn dort veröffentlicht, wenn auch nicht in voller Länge, sondern ausgeblendet. Das ist jetzt das Gute an der Doppel-LP und natürlich der Blu-ray, wo alles perfekt passt. Auf der CD ist der Song nach wie vor nicht, an der begrenzten Laufzeit hat sich ja nichts geändert.
Kalle: Auf „Start The Fire“ ist der Song allerdings enthalten.

Und dann wäre da “Roses”, gesungen von Ray Wilson. Es ist ja nun nicht so, dass ihr keinen guten Sänger habt.
Yogi: Bei allem, was ich vorhin zu dem Album gesagt habe, ist „Roses“ der einzige Song, den es doch schon gab.
Kalle: Die erste Demo stammt aus dem Jahr 2000 und wir haben den Song tatsächlich schon mal live auf einem Festival in München gespielt, das muss 2002 gewesen sein.
Yogi: Ich war immer unzufrieden. Irgendwas hat immer gefehlt. Ich habe mich dann an ein Ray Wilson Konzerterinnert und fand ihn wahnsinnig gut als Sänger. Damals waren wir beide beim gleichen Label, bei Inside Out. Ich hab dort angerufen und gefragt und die sagten, der spielt doch eh bei euch in der Gegend, geht doch einfach vorbei und fragt. Und dann bin ich da vorbeigegangen mit einer Demo CD und hab ihm die in die Hand gedrückt. Was soll ich sagen, der erste Blick war nicht so positiv. Aber drei Tage später hat er angerufen und gesagt, den Song findet er toll und er würde es gerne machen. Das kam für uns schon überraschend und war für mich das I-Tüpfelchen, das dem Song gefehlt hat. Wir sind immer noch Im Kontakt und ich mische ja auch seine Alben und ich empfinde es nach wie vor als eine sehr gelungen Kollaboration mit ihm. Das Arbeiten mit anderen Musikern ist ja auch immer eine Bereicherung. Wir haben ja für das Album auch viel in Indien aufgenommen.
Und ihr habt dann ja auch einige Male gemeinsam live gespielt…
Kalle: Bei der folgenden Tour beim Rockpalast in Bonn, einmal in Poznań, kam er relativ spontan vorbei. Und im Rahmen der Tour haben wir auch ein paar größere Festivals gespielt, da war er auch mit dabei.
Ihr geht ja im Herbst wieder auf Tour. Wird Ray dort auch einen Gastauftritt haben?
Kalle: Er ist ja selbst auch sehr fleißig. Da lassen sich unsere Terminkalender nicht immer zusammenbringen. Es ist also nichts geplant, aber oft ergibt sich etwas Spontanes.

Jetzt kommt wie gesagt die Tour. Wie sieht es mit dem nächsten Studioalbum aus?
Yogi: Ja, Kalle, wie sieht es damit aus?
Kalle: Wir schreiben ja immer irgendwelche Songs, irgendwas ist immer in der Pipeline. Da passiert viel parallel im Hintergrund, aber es ist alles noch sehr unkonkret. Wir waren jetzt natürlich auch sehr beschäftigt. Es ist aufwändig, zwanzig Jahre alte Backups auf das neue System zu bringen. Das war wie ein Puzzle mit hunderttausend Teilen, das der Yogi da bewältigen musste. Aber es hat sich gelohnt und wir haben den Kopf wieder frei für neuen Tatendrang.
Das klingt doch gut!
