Interview: Glenn Hughes – Immer noch “The Voice Of Rock”

Neun Jahre nach seinem letzten Soloalbum veröffentlicht der legendäre Sänger und Bassist mit “Chosen”  jetzt den Nachfolger. Renald Mienert hatte die Möglichkeit, der Rocklegende seine Fragen zu stellen.

Du bist seit etwa 55 Jahren im Rockzirkus. Weisst du noch, wie es war,  als du zum ersten Mal eine Platte, auf der du mitgewirkt hast, in der Hand hieltst?

Das müsste 1970 gewesen sein, mit meiner Band Trapeze. Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Ich war achtzehn oder neunzehn. Wenn du das erste Mal ein Exemplar deiner eigenen Schallplatte in den Händen hältst, da ist das immer ein besonderer Moment.  Es war der Moment, als das alles für mich begann.

pic: (C) Leo Baron

Auf deinem aktuellen Album dominiert gitarrenorientierter Hardrock. Du bist aber auch in vielen anderen Musikstilen zuhause. Planst du vorher, in welche Richtung es geht, oder passiert das völlig spontan?

Um ehrlich zu sein, mein aktuelles Label Frontiers ist auf Rock spezialisiert. Aber man kennt ja meine Musik, die zwischen Funk, Rock, R&B und Soul liegt. Aber das ist nicht unbedingt das, was  sie promoted hätten. Die Musik auf „Chosen“ repräsentiert die Version von mir, die ich im letzten Jahr war. Wo ich mich musikalisch in diesem Jahr befinde, ist eine völlig andere Geschichte. Wenn ich ein Album gemixed habe, dann ist das Thema für mich weitestgehend abgeschlossen.  Ich sitze nicht da und höre es mir an, auch nicht mit anderen Leuten. Ich habe immer schon das nächste Thema im Kopf. Ich bin sehr beschäftigt. Ich bin sehr stolz auf meine Arbeit, aber diese Songs kommen ständig aus mir.

Es dominieren straighte Rocksongs, es gibt aber auch eine Ballade…

Normalerweise gibt es auf meinen Alben immer mehrere langsame Tracks, dieses Mal gibt es nur einen. Es ist immer sehr schwer für mich, auszuwählen, welche Songs es auf ein Album schaffen, weil   ich so viele Stücke schreibe.

Wie schaffst du es, dich in deinem Alter fit zu halten?

Ich meditiere und verbringe viel Zeit in der Natur. Ich lebe in Kalifornien am Ozean. Ich bin gesund, ich übe, ich achte auf meine Stimme, und ich versuche, jeglichen Ärger zu vermeiden.

Auf “Chosen” unterstützen dich die Musiker deiner Begleitband anlässlich der Tour zum 50jährigen Jubiläums von “Burn”. War das eine offensichtliche Auswahl?

Wir haben im Mai 2024 die Tour in Bulgarien beendet. In der Woche darauf war ich in Kopenhagen, um das Album zu machen, und Soren, mein Gitarrist, hat dort ein Studio. Also war klar, dass er Gitarre spielen würde.  Und mein Drummer Ash kam, um die Drums einzuspielen. Es war wie ein Experiment, ein Album mit meiner Band zu machen, aber ich glaube, ich habe die richtigen Leute ausgewählt.

Glenn Hughes – Chosen Albumcover

Natürlich kennt man dich vor allem von deiner Zeit mit Deep Purple, aber du warst und bist ja neben deiner Solokarriere auch in anderen Bands aktiv. Was liegt dir mehr?

Black Country Communion ist meine Hauptband, was die letzten zehn Jahre angeht. Wir spielen nicht so oft, aber Ende des Jahres wird es ein neues Livealbum geben.  Immer wenn wir ein Album für Black Country Communion schreiben, kommt Joe (Bonamassa, Anm. d.Red) zu mir in mein Haus und wir schreiben die Stücke zusammen. Wir sind sehr gute Freunde, wir fühlen uns sehr verbunden. Das Arbeiten in einer Band fällt mir nicht leicht. Einen Song mit vier und fünf Leuten zu schreiben, würde für mich nicht funktionieren. Wenn, dann nur mit einer Person.

Wenn man über dich und Deep Purple spricht, dann kommt man nicht um “Burn” herum. Kannst du den Song noch hören?

Ich bin vielleicht die letzte Person, die du diesen Song singen hören wirst. Ich genieße es, dieses Lied zu singen. Wenn du siehst, wie ich ihn singe, dann merkst du, dass ich an ihn glaube. Er ist ein wirklich großes Lied, und viele kommen um ihn zu hören.

Gehst du immer noch gerne auf Tour?

Wenn du älter wirst, älter als 50, dann wird es etwas schwieriger, weil das Reisen so schwer ist. Ich liebe die zwei Stunden, die ich auf der Bühne stehe. Nachher fliege ich nach Spanien für eine Show, es ist irrwitzig. Jeder wird dir über das Reisen das gleiche erzählen. Es mag glamourös aussehen, aber das ist es nicht.

Wie stehst du zu den sozialen Netzwerken?

Ich habe ein Team,  das sich um die Social Media Themen kümmert. Ich gehe nicht so oft online, es ist verrückt. Ich bin altmodisch. Früher hat man in einem Magazin einen Artikel gelesen, es gab keine Kommentare und keiner hat gesagt, du bist alt oder bist oder dick. Heute hat jeder seine eigene Meinung. Lasst uns doch einfach unsere Kunst kreieren, alles  was ich will, ist für die Leute zu singen und mein Leben mit meiner Frau und meinen Tieren zu genießen. Aber wir müssen Dinge wie das Internet  und AI annehmen.

Seit vielen Jahren sind die spirituellen Aspekte in deinem Leben sehr wichtig!

Seit fünfzehn Jahren studiere ich Buddhismus. Ich habe einen Mentor in Mumbai in Indien, mit dem ich eng zusammenarbeite. Ich befasse mich sehr intensiv mit dem spirituellen Leben und das ist, wo ich hingehöre.  Ich lebe den Moment,  Vergangenheit oder Zukunft kümmern mich nicht so sehr.Ich schreibe nur aus einer spirituellen Sichtweise. Wenn du meine Texte hörst, singe ich über Liebe. Vertrauen, Angst. Ich schreibe über das Menschsein.  Wir sind alle spirituelle Wesen, die die menschliche Erfahrung durchleben.

Du hast vor einem Jahr sogar mit Robbie Williams zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Robbie ist ein großer Fan von KLF, mit denen ich  1991 gearbeitet habe. “What Time Is Love” gefällt ihm sehr. Es hat mich kontaktiert und ich habe einen Song mit ihm gesungen. Er kommt aus demselben Teil von England, aus dem auch ich komme.

Gibt es noch andere Künstler, mit denen du gerne zusammenarbeiten würdest?

Ich weiss nicht, was Gott für mich geplant hat. Ich mache nicht mehr allzu viele Pläne, denn Gott hat seine eigenen Ideen. Ist da noch jemand, mit dem ich arbeiten möchte? Ich bin mir nicht sicher. Es liegt in der Zukunft und die kann ich nicht steuern.

Aber wir können uns zumindest wünschen, noch lange von dir zu hören!

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