Review: Moron Police – Pachinko (2025)

Soeben hat die norwegische Band Moron Police, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, ihr viertes Album veröffentlich. „Pachinko“ heißt das neue Werk. Es bezeichnet eine Art von Geldspielautomat, der in Japan weit verbreitet ist. Die Stammbesetzung von Moron Police besteht aus drei Musikern. Eigentlich sollten es vier sein, aber ihr bisheriger Drummer Thore Omland Pettersen verunglückte Anfang 2022 im Alter von nur 34 Jahren tödlich. So tragisch das ist, dem neuen Album hört man dies nicht an. Haupt-Komponist und -Texter Sondre Skollevoll hat auch hier wieder beherzt in die Tasten gegriffen und keine Spur von Traurigkeit auf die Musik durchschlagen lassen. Pettersen wurde an den Drums ersetzt durch Billy Rymer und eine Schar von nicht weniger als zehn Gastmusikern an Bord geholt, die überwiegend Streich- und Blasinstrumente beisteuern.

Tracklist

1. Nothing Breaks (A Port Of Call) (4:45)
2. Alfredo And The Afterlife (2:31)
3. Waiting Around For You (3:31)
4. Cormorant (3:35)
5. Make Things Easier (2:38)
6. Pachinko Pt. 1 (11:44)
7. Pachinko Pt. 2 (4:10)
8. King Among Kittens (3:48)
9. Take Me To The City (3:49)
10. The Apathy Of Kings (5:10)
11. Hanabi (0:51)
12. Okinawa Sky (4:15)
13. The Sentient Dreamer (2:57)
14. Giving Up The Ghost (6:00)

Tja, wie soll man die Musik von Moron Police beschreiben? Am besten als eine melodisch-rasante Mischung aus Pop, ArtRock mit Spuren von ProgMetal. Um genau zu sein: eine sehr rasante Mischung! Vergleichbar ist die Band am ehesten mit Moon Safari, da sie musikalischen Frohsinn ebenso an den Hörer weiterzuleiten weiß wie die Schweden. Der große Unterschied zu Moon Safari besteht darin, dass dort fünf vorzügliche Sänger schöner klingen, ein vorzüglicher Sänger hier aber schneller singen kann, was Sondre Skollevoll auf „Pachinko“ auch ausgiebig tut. Die meisten der 14 Stücke gehen ab wie Schmidts Katze, Verschnaufpausen sind mit „Make Things Easier“, „The Apathy Of Kings“ und „The Sentient Dreamer“ rar gesät, dabei aber ebenso höchst anhörbar. Einzig „Okinawa Sky“ klingt etwas arg elektro-poppig und erinnert an ihre Landsleute von a-ha. Möglicherweise schielten Moron Police damit auf Radio-Tauglichkeit (zu den mutmaßlichen Gründen siehe das nachfolgende Post Scriptum). Das Highlight jedoch ist das – für diese Band ungewöhnlich lange – „Pachinko, Pt. 1“, das auf knapp 12 Minuten einen Streifzug durch das von Moron Police exklusiv geschaffene Genre des Gute-Laune-Hochgeschwindigkeits-ArtRocks bietet und genug Einfälle hat, um ein ganzes Album allein zu füllen.

Hinweisen möchte ich noch auf das Album-Cover, das von dem spanischen Künstler Antonio Segura Donat gestaltet wurde, der sich DULK nennt, und das mit dem Wort „durchgeknallt“ nur höchst unzureichend beschrieben ist. Dessen surreal-überbordende Fantasie passt perfekt zur Musik von Moron Police.

Im Fazit ist „Pachinko“ ein Album, das einfach nur Spaß macht und den Beweis führt, dass norwegische Musik alles andere als düster sein kann. Es sei all denjenigen empfohlen, die dringend einer Stimmungsaufhellung bedürfen.

P.S.: Auf ihrem Videoclip zu „King Among Kittens“ (zu sehen und zu hören auf YouTube) informieren Moron Police darüber, dass sie Hobby-Musiker sind und anderweitigen Vollzeitjobs nachgehen müssen. Von ihrer Musik zu leben ist ihnen nicht möglich. Ihre Stücke müssten auf Spotify 2,59 Millionen-mal pro Monat gestreamt werden, um auf das monatliche Durchschnittsgehalt eines US-amerikanischen Arbeitnehmers zu kommen.

Musiker

Sondre Skollevoll: Guitars, Vocals, Backing Vocals, Synths, Piano, Double Bass, Desert Bass, Banjo, Percussion, Programming, String & Horn Arrangements
Lars Christian Bjørkness: Synths, Piano, Organs, Melodica, Percussion, Backing Vocals, Programming, String & Horn Arrangements
Christian Fredrik Holtsteen: Bass, Fretless Bass

Gäste

Billy Rymer: Drums
William Grøv Skramsett: Trumpet
Morten Norheim: Saxophone
Claudia Cox, Marius Westling, Oleg Bezuglov, Gabriel Bastos: Violin, Hardanger Fiddle
Simen Hallset: Additional Backing Vocals
Edgar Vivas: Cello
Felipe Manuel Sosa: Oboe
Robert Julian Badenhope Hvistendal: Percussion

Artwork: DULK / Label: Mighty Jam Music Group

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