The Rome Pro(g)ject ist ein Projekt des 63-jährigen italienischen Multikomponisten und Keyboarders Vincenzo Ricca, der seit 2012 Konzeptalben über die Geschichte der Stadt Rom produziert wie der Bäcker die Brötchen backt. Das neue Werk ist bereits das sechste Album in diesem Zyklus und, wenn man dem Titel „… And Thus The End“ Glauben schenken darf, das letzte seiner Art. Allzu viel historisch Wissenswertes teilt Ricca dem Hörer dabei nicht mit, denn die Alben sind fast ausschließlich instrumental eingespielt.

Tracklist:
1. VI (Six) 3:43)
2. We Wandered (4:40)
3. 1229 Years (28:11)
4. Far From Home (5:21)
5. Ad Gloriam Romae (6:06)
6. … And Thus The End (1:23)
Bonustrack:
7. Over 2.000 Fountains (Early Demo) (6:38)
Dafür liegt der Fokus auf dem Hörenswerten. Damit dies auch in Progger-Kreisen Aufmerksamkeit findet, hat er keine Geringeren als Steve Hackett, David Jackson, Franck Carducci, Tony Levin oder Billy Sherwood an die Instrumente gerufen. Und das ist dabei herausgekommen:
Die Musik von The Rome Pro(g)ject stammt fast ausschließlich – am Bonustrack am Ende des Albums hat David Jackson mitkomponiert – aus der Feder von Ricca und da dieser a) Italiener und b) Keyboarder ist, konnte dabei nur italienisch geprägter RetroProg entstehen, heißt symphonischer Prog mit Schwerpunkt Keyboard. Und so eröffnet das rein instrumentale „VI (Six)“ mit wohligen Reminiszenzen an die Genesis der Gabriel-Ära. Das zweite Stück „We Wandered“ eröffnet mit Sprechgesang, der mich unwillkürlich an den Auftakt von „Dancing With The Moonlit Night“ denken lässt, fährt aber im Folgenden weniger opulent fort als der Genesis-Klassiker, um dann ohne Qualitätsverlust auf eine beschwingte Fahrbahn einzuschwenken. Diesem Auftakt schließt sich der Dreh- und Angelpunkt dieses Albums an, nämlich das 28-minütige „1229 Years“, das gänzlich ohne Gesang auskommt. Was sich hier in die Ohren des Hörers einschmiegt, ist nicht mehr und nicht weniger als eine Heerschau des Progressive Rocks italienischer Bauart. Keyboard-Teppiche wechseln sich ab mit Drum-Stakkatos, opulente Klangwände werden von feinen Pinselstrichen, gezeichnet mittels Gitarrensaiten oder Keyboardtasten, abgelöst. Dabei ist bemerkenswert, dass Gitarren-Soli trotz exzellenter Besetzung an den Instrumenten eher selten vorkommen, während David Jackson öfters Gelegenheit hat, seine Kunst an den Blasinstrumenten zu zelebrieren. Und so klingt dieses Mammutwerk erstaunlich abwechslungsreich und kann mit einer Vielzahl von Tempi- und Rhythmuswechseln aufwarten, wobei sich auch Parallelen zu italienischen NeoProg-Bands wie La Bocca della Verita oder Moongarden auftun. Das folgende „Far From Home“ überrascht mit Gesang von Vincenzo Ricca himself, der aber klar hinter seinen kompositorischen Fähigkeiten zurückbleibt. Dieses Stück liefert jedoch einen schönen Kontrapunkt zu dem bisher Gehörten, da es auf jegliche Opulenz verzichtet und eher erdigen Prog präsentiert. Dafür liefert „Ad Gloriam Romae“ (Zur Ehre Roms) wieder Keyboardteppiche satt. Das abschließende „… And Thus The End“ stellt einen besinnlichen tastenbetonten Ausklang eines hochwertigen Albums des Rom-Zyklusses dar. Des Bonustracks „Over 2.000 Fountains“ hätte es eigentlich nicht bedurft, aber er passt zur Stimmung des Albums und geht so in Ordnung.
Im Fazit ist „… And Thus The End“ ein schönes Album, das mit jedem mal Hören wächst, aber Aufmerksamkeit beim Hörer einfordert und streckenweise zeigt, wie neo RetroProg sein kann.
Musiker:
Vincenzo Ricca: Keyboards, Vocals
Steve Hackett: Electric Guitar
Paolo Ricca: Electric Guitar
David Jackson: Winds
Franck Carducci: Bass
Tony Levin: Bass
Billy Sherwood: Bass
Bernardo Lanzetti: Vocals
Cover: Gabriella Deodato/Maria Grazia Spadafora , Label: TRP Records
