The U Principle kommen aus Franken und ihre erste Veröffentlichung “Innocent Silence” erschien in diesem Jahr beim deutschen Label Timezone Records. Renald Mienert hatte bei seinem Interview mit Keyboarder Wolfgang Kohlert und Sänger Rob McPhee quasi ein Heimspiel.
So wirklich viel ist über eure Band nicht bekannt. Ich würde vermuten, ihr seid Musiker, die sich zu einer Band zusammengetan haben.
Wolfgang: Bis auf unseren Sänger Rob sind tatsächlich alle Musiker, bei unserem Bassisten vielleicht halb Musiker und halb Psychologe. Die anderen Bandmitglieder sind alle im Musikbereich entweder spielend oder lehrend tätig. Rob und ich haben uns bei einem gemeinsamen Projekt gefunden, das ich geleitet habe, einem Philipp Glass Orchesterprojekt. Wir haben die Songs von “Liquid Days” aufgenommen und ich habe einen Partner gesucht, der diese schwierigen Gesangsstimmen meistern konnte. Da werden ja Popstimmen mit der Minimal-Musik zusammengeführt, das fand ich eine sehr tolle Sache. Wir fanden uns sympathisch und kamen auf die Idee, ein eigenes Projekt zu starten. Ich hatte schon immer eine Vorliebe für den Progressive Rock, speziell aus den Siebzigern. Und obwohl das eigentlich nicht Robs Welt war, hatte er Interesse, das einmal auszuprobieren. Die anderen Musiker kamen dann aus meinem Kontaktkreis dazu. Das war 2006.

Dann hat es aber lange gedauert bis zur ersten Veröffentlichung!
Wolfgang: Nein, um ehrlich zu sein, gab es uns in dieser Besetzung nur bis 2013. In diesem Jahr entstanden auch die meisten Aufnahmen, aber dann haben wir uns getrennt. Die Songs lagen irgendwo auf Festplatten und jeder hat seine eigenen Dinge gemacht. Zehn Jahre später haben Rob und ich uns dann wieder getroffen. Wir hatten das Projekt ja damals initiiert und fanden es schade, dass es einfach so enden sollte. Wir beschlossen dann, die alten Aufnahmen zu überarbeiten, weil wir mit dem damaligen Stand nicht völlig zufrieden waren. Wir haben dann mit den Outback Studios von Benedikt Hain zusammengearbeitet, und nach einigen Testballons haben wir uns entschieden, das Material bei ihm mischen zu lassen. Einige der Songs waren außerdem damals nicht komplett aufgenommen, also haben wir die damaligen Mitglieder gefragt, ob sie den Rest einspielen würden und so kamen wir auf die sieben Songs.
Rob: Ich habe von Benedikt Hain in einem Sound- und Recording Podcast erfahren, als ich mit meinem jüngsten Sohn im Urlaub war. Und habe da schon gespürt, er tickt genau wie ich, diese Art zu arbeiten, das Zielstrebige, das Durchorganisierte – obwohl ich noch gar nichts von ihm gehört hatte. Bei der Arbeit haben sich dann Horizonte für mich aufgetan, da hatte ich das Gefühl, hier bin ich zu Hause.
Bei eurem Sänger – auch wegen des Namens – habe ich gedacht, ihr hättet euch einen native speaker geholt, weil der Franke es nicht so mit dem englisch hat!
Rob: Nein, ich bin richtig native deutsch! Mein richtiger Name ist Robert Fischer, das mit Rob McPhee hat sich irgendwann ergeben. Ich mache schon sehr lange Musik, über vierzig Jahre. Und in meiner Jugend war es ganz toll, wenn man einen Stage-Name hatte. Irgendwann hat es sich dann so eingebürgert, dass ich es beibehalten habe. Ich kann auch meine Accounts so ganz gut auseinander halten, Rob McPhee ist für die Musik und Robert Fischer für die Arbeit.
Aber ist es jetzt der Plan, nur das alte Material zu veröffentlichen und das war es dann mit euch?
Wolfgang: So war es tatsächlich gedacht. Aber mit den ganzen positiven Reviews die wir bekommen haben, sogar aus Japan, haben Rob und ich jetzt begonnen, das Projekt neu zu starten. Zunächst mit Kompositionen von uns beiden, wobei die anderen Bandmitglieder natürlich gerne mitmachen können. Unser Gitarrist wäre gerne wieder mit dabei, ob die beiden anderen auch erneut mitmachen, steht noch nicht fest. Aber wir haben jetzt tatsächlich diesen Impuls bekommen, das Thema noch einmal anzugehen.
Rob: Zwischen Wolfgang und mir besteht Konsens darin, dass wir – wenn wir weitermachen – das als Studioprojekt machen. Wir sind beide nicht so sehr daran interessiert, live zu spielen. Das Basteln im Studio liegt uns beiden mehr. Und durch die Arbeit mit Benedikt Hain war es auch mehr als nur ein Vermächtnis. Es war eine sehr intensive Arbeit, bei der wir die Stücke mit ganz neuen Facetten betrachtet haben. Wir wollen auch nicht genau so weitermachen wie bisher, sondern unsere eigene musikalische Weiterentwicklung einfließen lassen. Es wird keinen zweiten Aufguss geben.
Wolfgang: Ich überlege ja auch, eventuell mit Gastmusikern zu arbeiten. Querflöte, Violine, Saxophon oder ein Streichquartett. Und dann nimmt das Ausmaße an, das kann man live nicht mehr darstellen.
Rob: Ich bin jetzt nicht müde vom Auftreten. So oft stand ich nicht auf der Bühne wie Wolfgang. Aber ich habe schon immer mit Lampenfieber zu kämpfen gehabt, und das ist dann auch wirklich eine Frage des Alters, dass ich sage, muss ich mir das wirklich noch antun? Ich bin Informatiker, also eher ein Tüftler und an den Klängen herumtüfteln ist genau meine Welt.
Wolfgang: Und auch bei den Beatles sind die interessantesten Sachen entstanden, als sie nicht mehr live spielen wollten beziehungsweise das Material auch gar nicht mehr live spielen konnten. Es gibt ja diese Coverband “The Analogues“, die diese Stücke spielen, aber die haben dann zwanzig Leute dabei. Für uns kann ich mir so etwas nicht vorstellen.
Ihr habt euer Album bei Timezone Records aus Osnabrück veröffentlicht.
Wolfgang: Ich war nicht so mutig bei Inside Out anzurufen. Ich habe das Label im Internet entdeckt, sie machen aber durchaus auch ein paar Progsachen. Ich habe sie angerufen und gefragt, ob sie Lust haben, in unsere Sachen reinzuhören. Wir haben durchaus überlegt, das Album in Eigenregie zu veröffentlichen. Aber ich fand das Label sympathisch, sie mochten unser Album, haben aber auch gleich gesagt, wenn ihr keine Liveband seid, werdet ihr das investierte Geld wohl nicht wieder reinkriegen. Aber das war uns schon klar. Das Album ist uns eine Herzensangelegenheit und nicht gemacht, um Geld zu verdienen, auch wenn es natürlich schön wäre.
Eure Musik ist nur schwer einem Subgenre des Prog zuzuordnen. Mich überrascht, dass ihr auch Metaleinflüsse erwähnt…
Wolfgang: Also der Metalanteil kommt ausschließlich von Rob! Er kommt vom Metal und ich musste ihn immer etwas bremsen. Weil es mich stört, wenn in bestimmten Passagen geschrien oder zu aggressiv gesungen wird.
Rob: Wolfgang hat ja immer das Grundgerüst für die Musik geliefert und ich habe dann dazu die Melodielinien und Chorarrangements geschrieben. Aber dadurch, dass wir aus zwei verschiedenen musikalischen Ecken kommen, war die Zusammenarbeit auch sehr befruchtend, aber auch sehr spannungsgeladen – im positiven Sinne, und das spiegelt sich auch in der Musik wider. Aber ich habe wirklich dreißig Jahre nur Metal gemacht. In Erlangen bin ich musikalisch sozialisiert worden, die erste größere Band war Tamango. Da hab ich mit Herman Frank gespielt, der dann später bei Accept war. Mit dreißig war ich dann aber so gesättigt von der populären Musik, dass ich dachte, es muss doch irgendetwas anderes geben. Etwas, was nicht tagelang in meinem Kopf abläuft. Da muss doch etwas sein, dass so komplex ist, dass man es sich nicht merken kann und trotzdem faszinierend ist. Ich habe mich dann mit der 12-Töne Musik beschäftigt, der Zweiten Wiener Schule, vor allem Alban Berg hat mich fasziniert, Karlheinz Stockhausen auch.
Euer Album hat auch ein wunderschönes Cover….

Wolfgang: Ich habe dieses Bild im Internet gesehen. Es hat mich gerade mit dieser Vielschichtigkeit fasziniert. Fällt die Frau? Schwebt sie? Der Raum – ein lost place mit verfallendem Interieur und abblätternden Tapeten im Gegensatz zu dem sehr kraftvollen vor Leben trotzen dem Grün der Natur hinter dem geöffneten Fenster. Die Verbindung des Covers zu unserer Musik sehe ich durch deine Aussage bestätigt, die Musik lasse sich schwer einordnen. Auch der Name der Band lässt sich mit sowohl mit unserer Musik, als auch dem Cover in Verbindung bringen: The uncertainty principle (die Heisenberg’sche Unschärferelation), die besagt. dass sich Teilchen im Quantensystem in Ort und Impuls oder Energie und Zeit – nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmen lassen. Die Fotografin heißt Angelique Brunas und kommt aus den Niederlanden. Ich dachte mir, wenn ich mal etwas veröffentliche, dann könnte das das Cover werden. Ich habe sie dann einfach angeschrieben und sie war von der Idee sehr angetan. Es musste noch das OK des Modells eingeholt werden und dann durften wir das Bild verwenden.
Die positiven Kritiken aus der ganzen Welt müssen euch doch umgehauen haben!
Wolfgang: Total! Zunächst habe ich ja vor allem CDs an Freunde und Verwandte verschenkt. Aber von denen hat man dann ja nie wieder etwas gehört, so nach dem Motto, ich kann ihm ja jetzt nicht sagen, dass es Scheiße ist. Die Musik ist schon sehr besonders, vielleicht auch polarisieren, aber auf jeden Fall ist es nichts für den Mainstream.
Dafür etwas für die Leser unseres Magazins!
