Wir begleiten den musikalischen Weg dieses sympathischen Künstlers und Multi-Instrumentalisten sowie ausgebildeten Film-Ton-Meister Philipp Nespital und seiner vielen helfenden Weggefährten aus der Region Berlin bereits seit der Veröffentlichung seines sehr starken Debüts Circles (2011). Danach folgte der gefeierte Art-Rock-Klassiker Ocean (2017). Auch seine vielen anderen Arbeiten aus dieser Zeit sind schon mehr als beachtlich und zeigen das enorme Talent dieses Klang-Magiers. Egal auf welchem Musik-Werkzeug der Multi-Instrumentalist musiziert, egal ob Solo oder mit Band, man hat immer das Gefühl, er hat optimale Kontrolle und alles voll im Griff.

Für Philipp war das Spielfeld Solo schnell zu klein oder auch zu unbeweglich, besonders, wenn man Musik auch Live im Team präsentieren wollte. Daher musizierte er auch im Berliner Progressive-Rock-Trio Treehouse Scenery, aus dem später die Band Mt. Amber entstand. Nun hat sich der Klang-Künstler, vier Jahre nach dem Erfolg von The Hungry Heart, mit seinem vierten Werk Tangram sehr stark zurückgemeldet. Es gibt Künstler und Bands die immer nach neuen Ausdrucksformen und Klängen suchen, Philipp aus Berlin, du gehörst dazu.
Ohne Übertreibung gehörst du zu den besten Klang-Malern der Welt. Wie siehst du dich selbst ??
Vielen Dank! Das Wort gefällt mir! Ich denke smalltape spiegelt meine gesamte Identität als Künstler wieder und die umfasst meine Arbeit als Musiker, Sänger, Songwriter, Produzent aber auch als Tonmeister und Sound Designer. Mir ist es wichtig, dass ich hinsichtlich all dieser Facetten an jedem Album wachsen kann. Und idealerweise entsteht am Ende eine Klang-Reise auf die sich die Zuhörer*innen begeben dürfen und in der sie für sich selbst immer wieder neues entdecken können. Und insofern passt das Bild vom Klang-Malen, bei dem aus vielen Elementen ein Gesamtwerk entsteht.
Wie beurteilst du bisher die Resonanz auf Tangram und die begleitenden Kampagnen ??
Die Resonanz aufs Album war durchweg positiv. Es sind sehr viele Reviews erschienen, die sowohl die Musik also auch den Klang und das Konzept von Tangram wertgeschätzt haben, was mich besonders freut. Dann für mich haben sich die 7 unterschiedlichen Songs sehr gut zu einem Ganzen gefügt – ich war mir aber nicht sicher ob das anderen auch so gehen würde.

Konntest du mit deiner erneuten Gründungsfinanzierung die Kosten für Tangram einigermaßen decken ??
Das Crowdfunding war eine große finanzielle Hilfe. Davon konnte ich zwar nur einen Teil der Kosten decken, aber ich würde die Kampagne dennoch als erfolgreich werten. Denn man darf nicht vergessen, dass hinter jeder Unterstützung eine Person steckt, die sich bewusst dafür entschieden hat, ein Projekt wie dieses finanziell unterstützen. Und in Zeiten wo das Geld bei allen nicht mehr so locker sitzt, ist das ein besonderer Zuspruch und bedeutet mir viel.
Trotz der enormen technischen Herausforderungen, warum Tangram doch als Dolby Atmos ??
Zunächst wollte ich mich in dem Format ausprobieren, mich reizen wie gesagt diese Herausforderungen an denen man am Ende wächst. In 5.1 habe ich schon viel gemischt, aber halt noch nicht in Dolby Atmos. Daher hatte ich auch Unterstützung von meinem Kollegen Christoph de la Chevallerie, der sehr viel mehr Erfahrung in Atmos-Mischungen hat (und übrigens das erste Album Circles 2011 gemastert hat).
Und dann hat das Endergebnis nur bestätigt was ich schon beim Schreiben des Albums gedacht habe: die Musik ist für Dolby Atmos prädestiniert – oder umgekehrt! Ich würde nicht sagen, dass es das bessere Format ist im Vergleich zum kompakten Stereo aber es kann die gleiche Geschichte auf eine andere Art erzählen und ist dabei viel dynamischer und kontrastreicher. Du versinkst im Klang und es erlaubt dir noch mehr in der Musik zu entdecken.
Gleichzeitig ist Dolby Atmos sehr kompatibel und einfach zu handhaben auf Seite der Hörer*innen. Von daher war es die richtige Entscheidung und definitiv ein Format, auf das ich in Zukunft weiter zurückgreifen werde.

Sich immer wieder versuchen neu zu erfinden, ist das nicht auch ein Risiko ??
Naja, kommerziell gesehen bewege ich mich nicht in Dimensionen in denen ich meine große Karriere riskieren würde, wenn ich experimentiere oder neue Wege gehe. Ein Album zu produzieren und selbst zu veröffentlichen birgt an sich schon ein großes Risiko. Musikalische Wagnisse bringen zunächst einmal Spannung rein und das ist gut. Ich persönlich muss nicht jedes Album oder jeden Song von anderen Acts mögen, aber sie sollten irgendwie spannend bleiben. Es ist doch faszinierend zu beobachten wie sich Menschen und Künstler*innen weiterentwickeln, was aus ihnen herauskommt, wenn sie sich dem ihnen noch Unbekannten zuwenden. Ich glaube das Schlimmste wäre für mich wenn ich meine Musik hören würde und denke: hmm, naja klingt eigentlich wie die letzte Platte oder wie der Song vom Album soundso.
Welche Musiker/innen war für dich am fruchtbarsten für das Projekt Tangram ??
Jede Zusammenarbeit auf dem Album hat Tangram wachsen lassen. Die Musiker*innen bringen alle ihre eigene Persönlichkeit und ihren Stil ein. Wenn du ewig allein an diesen Songs und an den Klängen arbeitest (was ich an sich ja gern tue), dann explodiert auf einmal die Magie sobald jemand anderes einen neuen Teil einbringt.
Persönlich fand ich es schön sowohl mit denjenigen zu arbeiten, die mich schon lange begleiten (wie Alexandra Praet, Flavio De Giusti oder Valgeir Daði Einarsson) aber auch neue Musiker*innen dabei zu haben. Leonard Eisenach zum Beispiel, ein fantastischer Bassist den ich noch aus meiner Schulzeit kenne. Oder Bruce Soord, der ein phänomenales Solo abgeliefert hat. Und natürlich hat Omri Abramov mit seinem wundervollen Saxofon Spiel einen riesigen Einfluss auf den Sound des Albums.
Tangram als CD, DCD plus 2-mal Bonus & Download sowie Vinyl, für dich ein schlüssiges Konzept ??
Ja, denn jedes Format ist für unterschiedliche Vorlieben und auch Geldbeutel ausgelegt. Wem es nur um die Musik geht, kann das Album streamen. Wem das Album als echter Tonträger mit Booklet und tollem Artwork am Herzen liegt, nimmt die CD Version. Und wer noch audiophiler unterwegs ist, ist mit der Blu-ray oder Vinyl Version voll bedient und bekommt on top die Bonustracks.

Siehst du smalltape nach vier großartigen Werken immer noch als Solo-Projekt ??
Ja, denn trotz der inspirierenden Zusammenarbeit mit all den Künstler*innen, steckt hinter smalltape immer meine Person. Ich bin nach wie vor für alles verantwortlich und spiel ja auch den größten Teil des Albums selbst ein.
Bist du mit deiner derzeitigen Position im Musikzirkus zufrieden und ist sie passend ??
Ich denke es wäre gelogen, wenn ich mir nicht mehr Aufmerksamkeit für das Projekt erhoffen würde.
Wohin geht die Entwicklung der Musik (Komposition, Markt, Produkte) im Bereich in dem du dich bewegst ??
Allgemein empfinde ich die Entwicklung von Musik beziehungsweise die Art wie Musik konsumiert und wahrgenommen wird, als katastrophal. Das hat für mich nichts mit Geschmack zu tun, sondern damit, welche Bedeutung Kunst und auch Künstler*innen grundsätzlich heutzutage haben oder eben halt nicht. Doch zu jeder Entwicklung gibt es auch eine Gegenbewegung und das sind diese kleinen bis großen musikalischen Inseln, die zeigen, dass es nach wie vor ein Publikum gibt, denen tiefgründige Musik etwas bedeutet und die dahinter Menschen sehen und unterstützen wollen.
Sind neue Sachen mit Mt. Amber und / oder sogar neue Projekte geplant ??
Mt. Amber wurde im Zuge der Corona Krise auf Eis gelegt. Ich konzentriere mich vor allem auf smalltape und für die nähere Zukunft steht momentan eine völlig andere musikalische Zusammenarbeit im Raum.

Dein Gespräch mit Marek Arnold war sehr aufschlussreich, was hältst du von dem Format Podcast ??
Ist ein super Format, sehr effektiv, kann man auch beim Abwaschen hören und gleichzeitig was lernen.
Was ist deine aktuelle Botschaft an Magazine, Veranstalter, Konsumenten ??
Risiken einzugehen lohnt sich und ist der einzige Weg nach vorne.
