Alan Morse ist ein vielseitiger Künstler, Leadgitarrist und Mitbegründer von Spock’s Beard. Alans eigenwillige Herangehensweise an Musik, Kunst und Leben hat Fans weltweit überrascht und begeistert. Als patentierter Erfinder, Musikproduzent, Songwriter, Unternehmer, Elektronikdesigner und einzigartiger bildender Künstler probiert er sich gerne in vielen verschiedenen Bereichen aus. Und das er so gut singen kann, war mir auch nicht so bewusst. Als ich die Info der Plattenfirma las, dachte ich mir, das kann ja interessant werden. Alle aktuellen und ehemaligen Mitstreiter von Spock´s Beard sind mehr oder minder mit an Bord, außer der aktuelle Drummer (Nick Potters), aber für ihn war wohl kein Platz, so sind neben Jimmy Keegan, Nick D´Virgilio, John Morse auch Simon Philipps am Schlagzeug zu hören – aber das Album ist weit von Alan´s Hauptband entfernt.

Tracklist
1. Everyday Is Insane (6:19)
2. It’s Never Enough (4:54)
3. I Don’t Want to Travel Time If It Takes Forever (4:05)
4. This Is Who We Are (6:43)
5. Shadow of the Sun (4:41)
6. And It’s Time (5:52)
7. Making Up My Heart (7:41)
8. So Many Words (5:44)
9. Bass Solo (4:11)
10. Make Me Real Again (3:57)
11. Behind Me (5:38)
Diese Sammlung erkundet die Grenzen von Prog Rock, Noise, lauten Gitarren und traditionellen Einflüssen. Alan singt bei den meisten Songs die Leadstimme, spielt viele Instrumente und hat eine ganze Reihe von weiteren Freunden eingeladen, mitzuspielen. Den weiteren Gesang übernahmen unter anderen Ted Leonhard, Julia Morse sowie sein Bruder Neal. Am Bass ist neben Tony Levin auch Dave Merros zu hören.
Und wie klingt es nun – Ein Großteil des Albums besteht aus gitarrenbasiertem Rock, Pop und Blues, und es gibt jede Menge eingängige Gesangsmelodien und viele kraftvolle Instrumentalpassagen, die alle nach mehrmaligem Hören immer besser werden. Es ist ein sehr abwechslungsreiches Album mit vielen großartigen Momenten, auch weil das Songwriting so vielfältig ist. Das Album folgt keinem roten Faden, sondern ist ein Sammelsurium von Song´s. Natürlich machen die herausragenden Leistungen der Musiker, insbesondere von Alan selbst, dieses Risiko mehr als wett.
Zwei Titel wurden gemeinsam mit Alans Bruder Neal geschrieben. Der erste, „I Don’t Want to Travel Time If It Takes Forever“, hat absolutes Hitpotential, der die unterschiedlichen Gesangsstile brillant miteinander verbindet. Der zweite gemeinsam mit Neal komponierte Titel, „Shadow of the Sun“, ist eine charakteristische Ballade, ganz im Stile von Neal Morse. Weitere Highlights sind das eher progressive „It’s Never Enough“, in dem Jimmy Keegan am Schlagzeug wirklich beeindruckt, das folkige, verträumte „This Is Who We Are“ und der starke Rocksong „And It’s Time“.
„Bass Solo“ wirkt für mich etwas überflüssig , es ist ein instrumentales Bass Solo, das um einen Drum-Machine-Groove herum aufgebaut ist. Irgendwie hat es was, aber so richtig passen will es bei mir nicht. „Make Me Real Again“ ist ein weiterer Rocksong, der auf Alans verzerrter Gitarre basiert, und der letzte Titel „Behind Me“ präsentiert einen bedrohlichen, langsamen Groove, gesungen von Ted Leonhard, der sich langsam zu einem intensiven Höhepunkt steigert.
Mit seinen elf Songs wirkt dieses Album wie ein bunter, aber stimmig zusammengestellter Blumenstrauß – voll von unterschiedlichen Stilen, Genres und Einflüssen, die alle auf Alan Morse’ Kreativität und Visionen zurückgehen. Manche Stücke starten vielleicht im ersten Moment wie geradliniger Rock oder Pop, aber hier wird durch die Klasse der Musiker nichts einfach nur so runtergespielt. Stattdessen gibt’s fast durchgehend starke Grooves, die sofort hängen bleiben. Man sollte nicht bei jedem Track wilde Prog‑Ausflüge erwarten – den genau das ist Teil des Konzepts. „So Many Words“ ist ein durchweg solides Album eines brillanten Musikers, der von einigen der besten Musiker der Szene unterstützt wird.
Fazit
Mit vielen Überraschungen und mehreren musikalischen Wendungen ist „So Many Words“ ein Album, das man immer wieder hören kann. Es ist ein Album, das weit über die Grenzen des Genres hinausgeht, jedoch ein gewisses Suchtpotential entwickelt. Für mich ein Album, welches Laune macht und ein unterhaltsames Hörerlebnis.
Musiker
Alan Morse | lead vocals, backing vocals, guitar, bass, cello, mandolin, bouzouki, tin whistle, electric sitar
Gäste
Simon Phillips / drums (1,4)
Jimmy Keegan / drums (2,5,11), backing vocals (1,2,4,11)
Nick D’Virgilio / drums (6,7,8)
John Morse / drums (3,10), rhythm guitar (10)
Markus Riegler / backing vocals (1), keyboards (2), guitars (4)
Dave Meros / bass (1)
Ted Leonard / lead vocals (2), backing vocals (2)
Ryo Okomuto / keyboards (2)
Tony Levin / bass (3)
Neal Morse / guitar (3), lead vocals (3,5), backing vocals (3,5), keyboards (3)
Dominic Dean Breaux / saxophone (3,8)
Bob Gutzman / viola (4,5)
Jamie Wipf / tin whistle (4)
Julia Morse / lead vocals (7)
James Fogg / additional guitars (8)
Ariana Giokaris / backing vocals (10), choir (11), vocals riffing (11)
Eva Preppas / choir (11)
