Review: Big Big Train – Woodcut (2026)

Bereits das sechzehnte Studioalbum der britischen Prog-Institution Big Big Train ist „Woodcut“ und kann doch noch mit Neuerungen aufwarten. Neuerung Nummer 1 ist das Ausscheiden von Gitarrist Dave Foster und der Bandeintritt von Trompeter Paul Mitchell. Neuerung Nummer 2 ist, dass dies das erste Konzept-Album von BBT überhaupt ist. Und Neuerung Nummer 3 besteht darin, dass die Produktion von „Woodcut“ erstmals allein in den Händen von dem „Neuen“ Alberto Bravin lag, der nun auch schon über vier Jahre lang dem Großen Großen Zug angehört. Frischer Wind in alten Zügen also?

Tracklist

1. Inkwell Black (0:57)
2. The Artist (7:16)
3. The Lie Of The Land (2:55)
4. The Sharpest Blade (4:16)
5. Albion Press (5:46)
6. Arcadia (5:46)
7. Second Press (0:37)
8. Warp And Welf (3:45)
9. Chimaera (5:37)
10. Dead Point (5:28)
11. Light Without Heat (3:22)
12. Dreams In Black And White (2:34)
13. Cut And Run (6:19)
14. Hawthorn White (1:54)
15. Counting Stars (5:40)
16. Last Stand (3:34)

Zuerst einmal ein Blick auf das Konzept, dem dieses Album folgt. Es geht textlich um die Herstellung von Holzschnitten und den Wechsel zwischen Inspiration und Verzweiflung ihres Schöpfers, der sich beständig am Rande zwischen Traum- und realer Welt bewegt. Die Texte sind in etwa gleichermaßen den Federn von Bassist und Bandgründer Gregory Spawton sowie Violinistin Clare Lindley entsprungen. Die musikalische Umsetzung ist ein Gemeinschaftswerk der Band und ruht zuvorderst auf den Schultern von Spawton und Bravin. Der musikalische Aufbau des Albums folgt der erzählten Geschichte und bildet so ein rundes Ganzes.

Eröffnet wird das neue Werk von einer kurzen Ouvertüre („Inkwell Black“), in der Streicher und Bläser den Einstieg bestimmen. Mit „The Artist“ schließt sich schon jetzt das mit über 7 Minuten längste Stück des Albums an. Nach instrumentaler, harmonischer Eröffnung zeigen BBT hier bereits ihr Tafelsilber vor, von Bravins zart-schmelzender Stimme über höchst angenehme Bläsereinsätze bis hin zu Rikard Sjöbloms vorzüglicher Gitarrenarbeit. Überhaupt zeigt sich hier bereits die musikalische Leitlinie des Albums: harmonischer und doch komplexer Wohlklang auf höchster Ebene, versetzt mit deutlichen Hinweisen darauf, dass trotz aller Opulenz der Begriff des hier zelebrierten „ArtRock“ eben auch das Wort „Rock“ enthält.

Die weitere Abfolge der Stücke führt in zumeist musikalisch bekanntes Terrain. Da weckt „The Sharpest Blade“ Vorstellungen vom schottischen Hochland, entführt „Chimaera“ in das Country-Genre, erinnert „Albion Press“ an selige Zeiten, als Neal Morse noch mit Spock’s Beard durch die Lande zog und weckt der Auftakt des instrumentalen „Cut And Run“ die Vermutung, hier habe sich bisher noch unveröffentlichtes Material von Supertramp gefunden. Manchmal klingt das etwas schmalzig (in „Counting Stars“), wird aber locker wieder kompensiert durch härtere Gangarten wie in „Dead Point“.

Mein persönlicher Höhepunkt dieses Albums ist das sechste Stück „Arcadia“, das mit Piano und Bläsern eröffnet, orchestral auf Wolke 7 hochsteigt und ein grandioses Finale abliefert. „Woodcut“ endet mit „Last Stand“ BBT-typisch orchestral und vermittelt am Ende sogar eine optimistische Botschaft: „There’s gold in the sky!“ Man muss es nur suchen.

Im Fazit ist „Woodcut“ ein großartiges Album für all diejenigen, die dem orchestralen ArtRock zugewandt sind. Hier hat diese international besetzte Formation alle Register ihres Könnens gezogen. Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Alberto Bravin als Produzent. Man darf gespannt sein, ob diese Besetzung bei Big Big Train Schule machen wird. Ich hätte keine Einwände.

pic: (C) Cecile Lopez

Musiker

Alberto Bravin: Lead Vocals, Guitars, Keyboards, Moog, Mellotron
Nick D’Virgilio: Drums, Percussion, Keyboards, Guitars, Vocals
Oskar Helldorff: Grand Piano, Electric Pianos, Hammond Organ, Mellotron, Synthesizers, Vocals
Clare Lindley: Violin, Acoustic Guitar, Vocals
Paul Mitchell: Trumpets, Vocals
Rikard Sjöblom: Electric Guitars, Hammond Organ, Vocals
Gregory Spawton: Bass, Bass Pedals, 12-string Acoustic Guitar, Vocals

Gastmusiker

Brian Mullen: Cello
Maddie Wegg: Clarinet, Alto Flute

Cover Artwork: Robin Mackenzie / Label: Inside Out

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