Marco Mattei ist ein italienischer Gitarrist und Komponist, der mit „Age Of Fragility“ im letzten November sein zweites Album auf den Markt gebracht hat. Dabei hat er sich einer Vielzahl von Musikern bedient, aus denen Namen wie Tony Levin und Jerry Marotta heraus ragen, die u.a. schon mit Peter Gabriel (Levin, Marotta) bzw. King Crimson (Levin) zusammen arbeiteten. Matteis neues Werk, das er weitgehend allein komponiert und betextet hat, ist all denjenigen Menschen gewidmet, die darum kämpfen, in unserer heutigen Gesellschaft Fuß zu fassen. Hierbei ist ein Konzeptalbum entstanden, das inhaltlich von einer nachdenklichen Stimmung und musikalisch vom Einsatz verschiedener Sänger geprägt ist, die den neun Stücken (plus einer Extended Version) unterschiedliche Klangfarben verleihen.

Tracklist
1. Just Tired (7:52)
2. You Don’t Deserve It (3:39)
3. Human Again (3:42)
4. Wrong (3:29)
5. Insomnia (5:25)
6. A Trick Of The Mind (4:49)
7. Watermark In My Heart (3:05)
8. So Fragile (4:22)
9. End Of The Line (6:01)
10. Just Tired (Extended Version) (11:09)
Bereits das Album-Cover fügt sich in das hier verfolgte Konzept perfekt ein. Ein Junge steht bis zu den Hüften im Wasser und betrachtet eine Stadt, deren Skyline von Hochhäusern dominiert ist. Halb im Wasser, halb an der Luft, eine ferne, kalte Hochhaussilhouette im Blick, scheint der Junge zu keiner Welt dazu zu gehören. Bereits der Opener „Just Tired“ nimmt das Thema der Isolation in einer abweisenden Welt auf. Musikalisch ist dies durch eine sparsame Instrumentierung mit tragendem Piano-Einsatz umgesetzt. Der Rhythmus ist schleppend, Drums und Gitarren liefern eher Klang-Tupfer und damit einen Auftakt zum Träumen.
Das folgende „You Don’t Deserve It“, das sich textlich um Selbstzweifel dreht, schwimmt musikalisch exakt im Fahrwasser von Peter Gabriel. Dieser Eindruck wird perfekt unterstützt durch den Einsatz von Sänger Fabio Trentini, der wie Gabriel zu besten Zeiten klingt. Auch dieses Stück klingt getragen, wartet aber mit Spannungssteigerungen gegen Ende auf. Besinnlich geht es mit „Human Again“ weiter, das von der fragilen Stimme der Sängerin Malena Ramonet lebt.
Etwas aus dem Rahmen fällt das vierte Stück „Wrong“, das zum schmalzigen Teil des Repertoires von Elvis Presley gehören könnte, wozu aber der Sprechgesang des nun schon vierten Sängers Tino Boley vorzüglich passt. Mit „Insomnia“ fügt sich das einzige Instrumentalstück des Albums an, das eher durch seine sphärische Rhythmik denn durch seine Melodien geprägt ist und Sprach-Passagen enthält. Neues Stück, neuer Sänger: „A Trick Of The Mind“ wird von Jeff Kightly mit seiner rau-zerbrechlichen Stimme begleitet. Die musikalische Begleitung entfaltet sich wie ein warmer, weicher Teppich, der zum Träumen einlädt.
Die Tempi auf „Watermark In My Heart“ und „So Fragile“ werden fast auf Null und damit für meinen Geschmack etwas zu sehr herunter gefahren. Da versöhnt der zweite Einsatz von Sänger Fabio Trentini auf „End Of The Line“ doch sehr, der hier allerdings nicht versucht, Gabriel zu imitieren, dafür aber diese sehr schöne Ballade mit seiner angenehmen Stimme veredelt. Die abschließende Extended Version von „Just Tired“ unterscheidet sich vom Opener durch ein langes Outro, ist aber sonst weitgehend identisch mit dem Einstiegsstück.
Im Fazit ist „Age Of Fragility“ kein rockiges, sondern ein besinnliches Album, das in einer ruhigen Stunde gehört werden sollte und das mit dem Wort „einfühlsam“ hinreichend genau beschrieben ist. Der Wechsel der Sänger ist hierbei ein Gestaltungsmittel, das als gelungen bezeichnet werden kann.
Musiker
Marco Mattei: Electric Guitars, Keyboards, Bouzouki, Celesta, Programming, Backing Vocals
Tony Levin: Electric and Upright Bass
Duilio Galioti: Wurlitzer, Piano, Hammond B3, Mellotron, Memory Moog, Lowry Organ, Rhodes Mk 1, Vox Continental
Jerry Marotta: Drums, Percussion
Gastmusiker
Dave Bond: Lead (1,10) and Backing Vocals (2)
Fabio Trentini: Lead Vocals (2,9)
Malena Ramonet: Lead and Backing Vocals (3)
Tino Boley: Lead Vocals (4)
Jennifer Maidmann: Voice (5)
Trey Gunn: Warr Guitar (5)
Jeff Kightly: Lead and Backing Vocals (6,8)
Peter Voronov: Violin (6)
Joe Edelmann: Lead and Backing Vocals (7)
Maria Betania Hernández: Violin, Cello, Viola (7,8)
Michele Boni: Cavaquinho (9)
Katrin Romanova: Harp (9)
Artwork: Bernhard Wöstheinrich | Label: Micio Poldo Edizioni Musicali
