Review: Moonrise – No Rewind (2026)

Wer Moonrise sagt, meint Kamil Konieczniak und umgekehrt. Der polnische Komponist und Multiinstrumentalist aus dem südpolnischen Klucze meldet sich und seine Musik nach sieben Jahren mit seinem fünften Studioalbum unter dem Banner Moonrise wieder zu Wort und Ton. Das ist doch eine ziemlich lange Zeit und Konieczniak ist so rücksichtsvoll, sich auf dem Cover des neuen Albums bei all denjenigen zu bedanken, die so geduldig auf das neue Werk gewartet haben. Alle acht Stücke auf „No Rewind“ sind Eigenkompositionen. Die Texte hat wie bei Moonrise üblich kein Geringerer als Łukasz Gall beigesteuert, der sich als früherer Sänger der polnischen ArtRock-Institution Millenium einen Namen gemacht hat. Ans Mikro ist er jedoch nicht getreten, dies hat Konieczniak der Sängerin Anna Batko und dem Sänger Marcin Staszek, der schon beim letzten Album an Bord war, überlassen. Textlich geht es auf „No Rewind“ zwar nicht um die großen Dystopien, dafür aber um persönliche Unsicherheiten und Ängste in einer uns zunehmend fremd werdenden Welt.

Tracklist

1. Two Roads (5:25)
2. Shadows In The Dark (9:32)
3. Single Game (6:10)
4. Cheaters (5:02)
5. When We Played By Heart (5:05)
6. Silent Rooms (3:05)
7. Friends Of Blood (7:25)
8. All About You (10:20)

Die Musik von Kamil Konieczniak hatte schon immer etwas Schwebendes, ohne dabei in Kitsch zu verfallen oder in Bombast auszuufern. Und so führt er dies auch auf „No Rewind“ weiter. Dabei gelingt ihm der anspruchsvolle Wohlklang diesmal besonders prächtig, was nicht zuletzt auf die vorzügliche Auswahl der Künstler an den Mikrophonen zurückzuführen ist. Anna Batko begrüßt den Hörer mit ihrer hellen, klaren Stimme bereits auf dem Auftakt-Track „Two Roads“. Auch im weiteren Verlauf begeistert ihre Stimme auf „When We Played By Heart“ und dem abschließenden „All About You“. Und Sänger Marcin Staszek überzeugt bei seinen Gesangseinsätzen auf den restlichen Stücken (ausgenommen das melancholische „Silent Rooms“, das ohne Gesang auskommt) mit seiner sauberen, auf höhere Tonlagen spezialisierten Stimme.

Die Stücke werden dominiert vom Keyboardspiel Konieczniaks, das mal atmosphärische Klangteppiche, mal eingestreute klangliche Farbtupfer liefert. Die E-Gitarren werden zumeist als Rhythmus-Instrumente eingesetzt, als welche sie zusammen mit dem Bass ein treibendes Fundament liefern. Eine Ausnahme bildet der Einsatz von Marcin Kruczek, der auf „Friends Of Blood“ ein fulminant-atmosphärisches Gitarren-Solo hinlegt. Wer einen kurzen Streifzug durch das kompositorische Schaffen von Kamil Konieczniak unternehmen will, dem sei das finale 10-minütige „All About You“ ans Herz gelegt, das die Stärken dieses Albums sehr schön einfängt.

Im Fazit hat sich das lange Warten auf das fünfte Studioalbum von Moonrise gelohnt. „No Rewind“ liefert atmosphärischen Neo Prog der Güteklasse A. Wer Musik mit Ecken und Kanten schätzt, ist hier sicherlich falsch aufgehoben. Wer sich jedoch gerne auf melodische Klangteppiche begibt und sich treiben lassen will, dem ist dieses Album wärmstens zu empfehlen.

Musiker

Kamil Konieczniak: Keyboards, Electric and Acoustic Guitars, Bass, Drums, Harmony Vocals
Anna Batko: Vocals, Backing Vocals, Harmony Vocals
Marcin Staszek: Vocals
Marcin Kruczek: Guitar Solo on „Friends Of Blood“

Graphic Design: Eryk Konieczniak / Label: Island Music Studio

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