Review: Transatlantic – Forevermore

Schon der erste neue Gitarrenton auf deutet an, wie die Reise weiter geht: Mehr Gitarre, mehr Roine Stolt, mehr Titel, mehr Text. Wie der Titel schon sagt. Besonders die phänomenale Gitarrenarbeit fällt selbst bei oberflächlichem Hören deutlich ins Ohr. Verspielt, variabel, und für meine Ohren genau passend. Hier zeigt Roine Stolt ganz klar, dass er zu den besten Gitarristen der Welt gehört. Überrascht ist man, dass die Gesangsparts von Neal Morse noch mehr abgenommen zu haben scheinen. Das ist neu! Passt aber alles, jede Stimme ist genau an der Stelle wo sie hin gehört. Gesangliches Highlight sind in „The Sun Comes Up Today“ und „The Greatest Story Never Ends“ jeweilige Passagen mit a cappella Satzgesang der vier Band mitglieder. Hut ab besonders vor dieser Leistung!

Tracklist FOREVERMORE

1. Overture

2. Heart Like A Whirlwind

3. Higher Than The Morning

4. The Darkness In The Light

5. Swing High, Swing Low

6. Bully

7. Rainbow Sky

8. Looking For The Light

9. The World We Used To Know

10. The Sun Comes Up Today

11. Love Made A Way (Prelude)

12. Owl Howl

13. Solitude

14. Belong

15. Lonesome Rebel

16. Looking For The Light (Reprise)

17. The Greatest Story Never Ends

18. Love Made A Way

Hat man THE BREATH OF LIFE noch im Ohr stellt man fest, dass etliche Stücke teilweise in Musik und Text kräftig umgebaut sind, so dass man den Songs teilweise andere Namen gegeben hat. Tatsächlich wurde mit „Can You Feel It“ sogar ein Song von The BREATH OF LIFE herausgenommen, der trotz verlängerter Version auf FOREVERMORE nicht enthalten ist. Die Texte fühlen sich hier insgesamt „allgemeiner“ an, so dass es auch beim Hören nachvollziehbar ist, dass die Textänderungen auf der später entstandenen Kurzversion stärker von der Pandemie geprägt sind als hier auf FOREVERMORE.

Erweitert ist FOREVERMORE durch fünf Songs. „Rainbow Sky“ besticht durch seine positive poppige Art. Richtig gut gefällt mir, dass die CD Versionen auf CD1 einen richtigen Abschluss und auf CD2 einen richtigen Anfang finden. Man hat sich also nicht krampfhaft bemüht, beide CD ́s so zu binden, dass man sie unbedingt nacheinander am Stück hören muss. „The World We Used To Know“ ist dabei ganz großes Kino, weil man die Songentwicklung hier überhaupt nicht voraussieht. Nach einem längeren verspielten Instrumentalintro (erfrischender Mix von Gitarre, Bass und Drums!) beschreibt Roine Stolt gesanglich eher balladesk eine sich langsam verändernde Welt um uns herum, bevor mit großen sinfonischen Klängen und gesanglichen pathetischen Bögen von Neal Morse die CD 1 hier beendet wird. Die CD 2 beginnt dann in „The Sun Comes Up Today“ mit einem kurzem aber großen sinfonischen Intro, bevor auf den eigentlichen Song hin geführt wird.

Die bekannten Motivwiederholungen der Kurzversion über teilweise mehrere Songs sind hier eher sogar noch stärker ausgeprägt. Zwar sind die Songs klar erkennbar, alles klingt luftig und leicht, aber alles ist verwoben und verschachtelt. Inzwischen vertraute Kernmotive werden scheinbar beliebig nach hinten oder nach vorn geschmissen, wiederholen sich in den Songtiteln angekündigt, klar hörbar oder ziemlich versteckt. Mitunter stellen musikalisch gleiche Motive in mehreren durchaus verschiedenen Songs das Grundgerüst, was aber erst spät entdeckt wird. Das geht soweit, dass Motive in unterschiedlichen Songs auftauchen, die eigentlich als Hauptmotiv gar keine Heimat in irgendeinem Song haben. Bei jedem Hördurchgang entdeckt der aufmerksame Hörer Neues. Das „Belong“ Motiv erscheint auf CD1 sogar in fast jeden Titel. Mir drängt sich der Gedanke auf, dass man das Album auch hätte BELONG nennen können. Das wäre der gewählten Thematik (Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Beschreibung und Angst vor Isolation sowie Ausweg durch Liebe) vielleicht sogar besser gerecht geworden. Denn den Albumtitel THE ABSOLUTE UNIVERSE finde ich etwas albern, weil er weder zur Musik, den Texten noch zu den Musikern passt, was alles überhaupt nicht abgehoben erscheint. Ok, wenn man eine Reihe der fünf TRANSATLANTIC Studio-Alben zieht, dieses Werk hier als Highlight des ganzen Schaffens in Qualität und Quantität sieht, mag der gewählte Name für das Album vielleicht Sinn machen. Das „TAV“ Logo für das fünfte TRANSATLANTIC Album ist ja auch in allen möglichen graphischen Gestaltungen und Werbungen enthalten, was in Einzelbuchstaben im Albumtitel hervorgehoben ist. Na ok.

FOREVERMORE glänzt durch seine ungewohnte Art TRANSATLANTIC zu präsentieren. Musikalisch federführend war hier Roine Stolt. Sie Gitarre steht deutlich stärker im Vordergrund, so manche Stelle klingt experimenteller, mutiger oder verspielter als man es von TRANSATLANTIC gewohnt ist. Trotzdem wird man an keiner Stelle selbstverliebt, man spürt überall den Bandcharakter und verläßt nie das musikalische Gesamtkonzept.

Wertung: 10/10 Punkte

Morgen könnt ihr im dritten und letzten Teil der Reise noch einiges über die „Ultimate Edition“ erfahren …

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