Review: Presto Ballet – Dreamentia (2025)

Was kommt dabei heraus, wenn eine seit 2005 existierende US-Band, die von einem Gitarristen mit niederländisch klingendem Namen gegründet wurde und sich einen italienischen Namen gegeben hat, einen Sound produziert, mit dem sie amerikanischen und britischen Vorbildern folgt? Ist doch klar, nämlich das Album „Dreamentia“ des Quintetts Presto Ballet. Für das Musikalische sind hierauf Bandgründer Kurt Vanderhoof und Keyboarder Kerry Shacklett verantwortlich, die Texte stammen von Vanderhoof und Sänger Scott Albright. Man darf hoffen, dass Presto Ballet mit der aktuellen Besetzung im Zielhafen angekommen ist, denn im Boot der Ehemaligen befinden sich nun schon neun Ex-Mitglieder.

Tracklist

1. Dreamentia Theme (4:46)
2. Finding Light (5:57)
3. Into The Silent City (5:30)
4. Mumbletypec (4:49)
5. The God Machine (6:36)
6. Fanatic In The Attic (7:39)
7. Meet „Old Harry“ (4:22)
8. The Quiet Prayers Of War (18:19)
9. Biloxis (4:40)
10. Thinning The Veil (7:26)
11. Giving Up The Dangers (5:12)

Wie lässt sich die Musik auf „Dreamentia“ am besten beschreiben? Man nehme zwei Teile Neoprog, einen Teil Symphonic Prog und einen kräftigen Schuss AOR á la Styx, füge je eine Prise Yes und Rush, ein Quäntchen IQ und 2 cl Kansas hinzu und lasse dies von einem sehr ordentlichen, vielseitigen Sänger umrühren. Dann gieße man alles in besonders große Gehörgänge und lasse dies 75 Minuten lang auf die Trommelfelle einwirken. Fertig ist das recht bekömmliche Ergebnis!

Den Auftakt bildet das rein instrumentale „Dreamentia Theme“, das abgeht wie Schmidt’s Katze. Da sind andere Bands schon mit weniger Dampf in ihre Alben hinein gekommen! So, nämlich rockig, zieht es sich durch das Album, wobei punktuell atmosphärische Wohlfühlpassagen eingezogen sind. Auch der Sound der o.g. Bands kommt stellenweise zu Gehör. So geht es im Auftakt zu „Into The Silent City“ gar nicht um die Frage, ob das bei IQ abgekupfert wurde, sondern nur noch darum, wo. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Einerseits klingen die entsprechenden Passagen angenehm vertraut, andererseits klingt dieses Album hierdurch nicht eben innovativ. Und bei der relativ langen Laufzeit treten Längen auf. So wären Stücke wie „Meet „Old Harry““ und „Biloxis“ mit ihrem durchgängigen Rhythmus durchaus verzichtbar gewesen. Dafür ist aber die Aufnahmequalität zu loben. Jedes einzelne Instrument kommt trennscharf im Klangbild herüber, was insbesondere „The God Machine“ sowie dem 18-Minüter „The Quiet Prayers Of War“ ihre Würze gibt. Und die Lyrics? Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes namens Andy Rottman, der in einem früheren Presto Ballet-Album schon einmal im Mittelpunkt der Erzählung stand. Dieser entsagt allen modernen Medien, also kein i- oder Smartphone, kein i-Pad, kein Notebook. Da hätte er im wirklichen Leben vermutlich gar nichts vom neuen Presto Ballet-Album mitbekommen, was ja nun doch etwas schade gewesen wäre …

Im Fazit ist „Dreamentia“ ein Album, das durchaus gefällig in bekannten Gewässern kreuzt, aber meiner Meinung nach etwas viel Beifang im Gehör anlandet. Weniger wäre mitunter mehr gewesen.

Musiker

Scott Albright – Vocals
Kurdt Vanderhoof – Guitars
Kerry Shacklett – Keyboards
Bobby Ferkovich – Bass
Charlie Lorme – Drums

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