Without Us ist ein Prog-Studioprojekt von Claus Peter Fuhrmann (Keyboards, Komposition, Texte, ex-Esthetic Pale), Katrin Oehlbach (Gesang, Texte) und Andreas Vöhringer (Bass, Komposition, Texte). Nach dem ersten Album „Aberrations“ von 2021, erschien im Frühjahr 2025, der Nachfolger „Second Raise“.

Tracklist
1. Second Raise 01:07
2. Disease 06:02
3. Sentimental 06:48
4. Time Signs 07:30
5. Unspoken 05:14
6. Heretic 06:09
7. Never Enough 08:57
8. One Second 10:59
Wer das erste Album von Without Us, „Aberrations“, kennt, war seitdem auf eine neue Veröffentlichung des Projektes um den Komponisten und Keyboarder Claus Peter Fuhrmann gespannt. Nun liegt die Produktion im schön aufgemachten Digipack vor und will gehört werden. Es ist ein bemerkenswertes Album geworden – ein Werk, das sich stilistisch zwischen Neoprog, New Artrock, Jazz-Rock und Pop bewegt und dabei seine ganz eigene Handschrift bewahrt.
Claus P. Fuhrmanns Keyboard-Arbeit ist tonangebend: Piano, Synthesizer und Sampler sind geschmackvoll und präzise eingesetzt. Katrin Oehlbachs Stimme ist klar und emotional, oft mehrspurig eingesetzt, was den Songs Tiefe verleiht. Marcus Dörr ergänzt sie bei ausgewählten Tracks als Duettpartner. Insgesamt ist „Second Raise“ ein reifes, ambitioniertes Werk, das die Stärken des Debüts ausbaut und neue klangliche Wege geht.
Der Titeltrack eröffnet das Album mit einem kraftvollen, fast hymnischen Charakter. Die Synthesizer bauen eine epische Klanglandschaft auf, die sofort die Aufmerksamkeit fesselt. Ein Statement: „Wir sind zurück – und gewachsen.“ Als nächster Song folgt mit „Disease“ ein funkig angehauchter Song, der sich aber recht schnell in einen sehr komplexen, fast schon frickeligen Progsong verwandelt. „Sentimental“ besticht durch den abwechselnden Gesang von Katrin und Marcus. Die Gitarrenarbeit von Gastmusiker Mick Kessler ist feinfühlig und trägt zur emotionalen Tiefe bei. Die Produktion ist warm und detailreich – mit viel Raum für Klangfarben und Zwischentöne. Der Song handelt von Erinnerungen, die sich mit zunehmendem Alter verändern und intensivieren. Mit „Time Signs“ gibt es dann das erste instrumentale Stück auf die Ohren. Ohne Gesang, aber voller Ausdruck. Marek Arnolds Saxophonspiel bringt eine jazzige Note ins Spiel, während die rhythmischen Verschiebungen für Spannung sorgen. Ein Stück, das zeigt, wie virtuos das Projekt agiert.
Bei „Heretic“ trifft Gothic Rock auf Progmetal: Düster, dramatisch und intensiv. Das Duett zwischen Katrin Oehlbach und Marcus Dörr verleiht dem Song eine fast theatralische Tiefe. Die Gitarren sind kantig, die Rhythmik komplex. Ein musikalischer Höhepunkt des Albums. „Never Enough“ ist wieder völlig anders gelagert, ein schöner Artpopsong mit progressiven Einschlag. Mehrspurige Chorgesänge, melancholische Melodien und ein fast hymnischer Refrain. Der Song spielt mit emotionaler Überladung und dem Gefühl, nie genug zu sein – musikalisch wie textlich eindrucksvoll umgesetzt. Das letzte Stück „One Second“ überspringt dann auch mal die 10 Minuten Marke, für mich ein weiterer Höhepunkt des Albums, der alles in sich vereint, was Progressive Rockmusik ausmacht. Lange Instrumentalpassagen, schöne Tempowechsel, großartige Gesangslinien. Hier brillieren auch noch mal die Gitarren bevor es zum Schluss hin noch mal in Richtung Opener geht.
„Second Raise“ ist ein Album, das durch einfallsreiche Arrangements, harmonische Raffinesse und stilistische Vielfalt überzeugt. Es ist kein bloßer Nachfolger des Debüts „Aberrations“, sondern eine Weiterentwicklung – sowohl kompositorisch als auch produktionstechnisch. Für Fans von Melodic Prog und anspruchsvoller Rockmusik ist dieses Album ein echter Geheimtipp.
Without Us

Katrin Oehlbach: Vocals, Lyrics
Claus-Peter Fuhrmann: Keyboards, Lyrics, Arrangement, Composing, Producer
Andreas Vöhringer: Bass, Lyrics, Arrangement, Composing, Producer
Gäste
Marcus Dörr: Additional Vocals
Rainer Dietz: Saxophones, Flutes
Joachim Habernoll: Drums
Jochen Dubiel: Drums, Percussion
Christian Mund: Guitars
Mick Kessler: Additional Guitars on „Sentimental“
Marek Arnold: Saxophone on „Time Signs“
Thomas Römer: Mix and Mastering
