Interview: Moonsoon – Newcomer aus Norwegen

Skandinavien ist und bleibt eine Hochburg des Progressive Rock. Mit “Moonsoon” ist nun ein weiteres neues Projekt am Start, das kürzlich mit “East Of Asteroid“ ein viel beachtetes Debüt veröffentlichte. Hinter “Moonsoon” stehen Sänger und Drummer Helge Nyheim und Daniel Hauge, der Gitarre und Keyboards spielt. Beide beantworteten per E-Mail unsere Fragen.

Wie kam es eigentlich zu “Moonsoon”?

Wir lernten uns kennen, als Helge als Schlagzeuger für ein Projekt engagiert wurde, das Daniel in seinem Studio außerhalb von Bergen produzierte. Im Laufe der Jahre arbeiteten wir an verschiedenen Aufnahmen zusammen und entdeckten, dass wir eine gemeinsame kreative Vision – und eine gemeinsame Faszination für Cinematic Progressive Rock – hatten. 2009 tourten wir gemeinsam mit Barry McGuire, was unsere Partnerschaft weiter festigte. Ursprünglich war “East Of Asteorid” als Soloalbum für Helge geplant, doch als Daniel sich stärker am Songwriting und den Arrangements beteiligte, entwickelte sich daraus ganz natürlich eine echte Zusammenarbeit. Als die Pandemie ausbrach, hatten wir endlich Zeit, uns auf das Material zu konzentrieren und einige der plötzlich verfügbaren Gastmusiker einzuladen.

In den Bandnamen kann man ja einiges interpretieren. Was hat es damit auf sich?

Der Name war Helges Idee – ihm gefiel, wie „Moonsoon“ die Stille des Mondes mit der Kraft des Monsuns verbindet. Diese Dualität – das Kosmische und das Chaotische – fängt den Geist unserer Musik ein. Daniel gefiel der Name auch, weil er leicht an „The Dark Side of the Moon“ erinnert, das Teil unserer gemeinsamen musikalischen DNA ist.

“Moonsoon” ist vor allem das Projekt von euch beiden. Auf eurem Album sind aber auch diverse Gäste zu hören…

Die meisten Gastmusiker arbeiten schon seit Jahren mit uns zusammen, sei es im Studio, auf Tour oder in anderen Projekten. Wir wussten, dass jeder von ihnen seine eigene Persönlichkeit einbringen und die Atmosphäre des Albums bereichern würde. Jeder hatte den Freiraum, er selbst zu sein, was dem Prozess einen sehr organischen Charakter verlieh.

Was den internationalen Bekanntheitsgrad angeht, so sticht der Saxophonist Ian Ritche hervor, der schon mit Roger Waters gearbeitet hat.

Helge lernte Ian Ritchie kennen, nachdem Ian und Roger Waters ihn 2007 bei der Nordic Floyd Show live in Bergen mit „The Wall“ gehört hatten. Ian schrieb in seinem Tourblog über den Auftritt und lobte die Show, und sie blieben über die Jahre in Kontakt. Es war ganz natürlich, Ian zu bitten, Saxophon und Flöte beizusteuern – er ist ein außergewöhnlicher Musiker und eine fantastische Person, mit der man wunderbar zusammenarbeiten kann.

Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben?

Moonsoons Musik lässt sich am besten als Progressive Rock mit starken filmischen Elementen beschreiben. Symphonische Erhabenheit wird mit analogen Texturen und digitalen Layern kombiniert. Wir denken nicht zu viel über Genres nach – unser Hauptziel ist es, etwas Eindringliches und Emotionales zu schaffen. Es gibt definitiv eine Verbindung zu Pink Floyd und Roger Waters, sowohl in der Stimmung als auch in der Produktion. Aber wir haben uns auch von vielen anderen Künstlern inspirieren lassen: Den Pionieren der Berliner Schule wie Tangerine Dream und Klaus Schulze, Sigur Rós, Radiohead und einigen klassischen Filmmusiken. All das fließt zwangsläufig in die Songs ein.

Wie entstehen eure Lieder?

Normalerweise haben wir zunächst Themen, Riffs oder musikalische Skizzen – manchmal auch nur Sprachnotizen auf Helges Handy. Im Studio arrangieren wir gemeinsam, und dort werden die Ideen erst richtig lebendig. Daniel hat in seiner Freizeit zwischen anderen Projekten auch an den Texten gearbeitet, aber die Grundthemen haben wir oft schon früh gemeinsam entwickelt. Wir arbeiten definitiv lieber persönlich im Studio, obwohl einige Teile wenn es sein musste auch remote aufgenommen wurden.

Gab es Probleme während der Produktion des Albums?

Abgesehen von der Pandemie und einigen Krankheitsphasen verlief der Prozess erstaunlich reibungslos. Wir haben beide eine klare Vorstellung davon, was wir wollen und vertrauen einander vollkommen, was alles fokussierter und angenehmer macht.

Handelt es sich bei um ein Konzeptalbum?

Ein konzeptioneller roter Faden zieht sich durch das Album – er thematisiert technologische Entfremdung, Identität und die Spannung zwischen Fortschritt und Niedergang. Jeder Track kann aber auch für sich allein stehen. Uns gefällt diese Dualität: Man kann die Platte als Ganzes erleben oder einzelne Songs auswählen.

Da es einen roten Faden für das Album gibt, müssen euch auch die Texte wichtig sein. Worum geht es in den einzelnen Songs?

Die Texte sind ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Sie bilden einen narrativen und emotionalen Rahmen, der alles zusammenhält. Für uns entwickeln sich Text und Musik parallel – sie sind gleichermaßen wichtig. Hier einige Informationen zu den Songs in Albumreihenfolge: “Virtual Avenue” definiert die Stimmung für das Album, es geht um die Verführung und Leere des digitalen Lebens. „Rays of Cosmic Embers“ ist eine hoffnungsvollere, persönlichere Reflexion über Widerstandsfähigkeit und Liebe. „Crack Our Codes“ beschäftigt sich mit der Frustration, die entsteht, wenn man versucht, über emotionale und technologische Barrieren hinweg zu kommunizieren.„The Nasty Man“ ist eine Kritik an Manipulation und Machtmissbrauch. „Ones and Zeroes“ handelt  von einem Leben, das durch Maschinen und Daten gefiltert wird. „East of Asteroid“ besteht aus zwei Teilen: Der erste ist eine filmische Ballade, und der zweite entwickelt sich zu einem Uptempo-Abschnitt, der von den Klängen der Achtziger inspiriert ist.

Warum habt ihr manche Stücke gesplittet?

Wir haben einige Titel in Teile aufgeteilt, um ihre Erzählbögen und dynamischen Kontraste widerzuspiegeln – das fühlte sich wie die natürliche Art an, diese Geschichten zu erzählen.

Bei der personellen Struktur von Moonsoon ist es vermutlich nicht ganz leicht, auch live zu spielen. Ihr habt es aber hinbekommen.

Ja – wir haben am 30. Mai unser erstes Livekonzert gegeben und das Album komplett gespielt. Es war ein fantastischer Abend mit vollem Haus und das Publikum war begeistert. Unser Live-Lineup besteht aus mehreren Musikern, die bereits auf der Aufnahme zu hören waren, darunter Inge Rypdal, Helge Haugland, Bastian Veland und Gastmusikerin Lady Albatross an Saxophon und Flöte.

Habt ihr eine Band, mit der ihr besonders gerne live spielen würdet, auch als Support?

Das ist eine knifflige Frage, aber wenn wir die Wahl hätten, wäre es unglaublich, als Vorgruppe für Marillion aufzutreten. Ihr Publikum würde wahrscheinlich verstehen, was wir machen.

Wie entstand der Kontakt zu eurem Label?

Helge kennt Robin Mortensen von Apollon Records schon seit vielen Jahren. Wann immer wir uns trafen, ermutigte uns Robin, etwas Neues zu veröffentlichen. Helge hatte bereits 2009 ein Soloalbum mit ihm aufgenommen, die Verbindung war also da. Im Grunde wartete Robin darauf, dass wir dieses Album fertigstellen.

Euer Album ist ja seit einigen Monaten auf dem Markt. Wie waren die Reaktionen bisher?

Das Feedback war bisher fantastisch. Die Kritiken waren durchweg positiv, insbesondere in Deutschland und Italien. Es war inspirierend zu sehen, wie die Musik an so vielen verschiedenen Orten Anklang findet.

Woher nehmt ihr eure Inspiration?

Inspiration finden wir in der Welt um uns herum – im Chaos, in der Schönheit, in den Fragen, die uns alle beschäftigen. Wenn man neugierig bleibt, gibt es nie einen Mangel an Material.

Wie ist euer Verhältnis zu Social Media?

Soziale Medien sind ein effektives Instrument, um Menschen zu erreichen, die sich für diese Art von Musik interessieren. Streaming hilft uns, Hörer weltweit zu erreichen, auch wenn es in Sachen Nachhaltigkeit Herausforderungen mit sich bringt. Die Resonanz auf physische Formate ist jedoch fantastisch – wir sind stolz darauf, von Menschen aus aller Welt zu hören, die die LP bereits Dutzende Male gehört haben.

Was liebt ihr besonders am Musik machen und was nervt?

Das Schönste ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit talentierten Menschen und die gemeinsame Entwicklung von etwas Sinnvollem. Am schwierigsten ist es jedoch, ohne eine große Infrastruktur wie Agenten und Managern den Durchbruch zu schaffen – es gibt so viele Künstler und die Konkurrenz ist groß.

Macht ihr weiter?

Absolut – Moonsoon ist gekommen, um zu bleiben. Wir arbeiten bereits an neuen Demos und planen, im Herbst ins Studio zurückzukehren. Wir hoffen auch, 2026 weitere Live-Shows in Norwegen und im Ausland zu spielen.

Und dann vielleicht auch in Deutschland!

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