Es sind intensive und erfolgreiche Zeiten, die TRYO derzeit erlebt. Nach dem großen Erfolg ihres jüngsten Albums “Suramérica” nimmt die renommierte chilenische Band keinen Fuß vom Gas. Im Gegenteil: Die Botschafter des nationalen Progressive Rock sind gerade von einer weiteren glanzvollen Europatournee zurückgekehrt, die Auftritte auf wichtigen Bühnen und Festivals des alten Kontinents umfasste.

Das Ziel ist zweifellos, “Suramérica” weiter zu promoten – ein Album, das nicht nur das technische Können der Band bekräftigt, sondern auch ihr tiefes Engagement für die kulturellen Wurzeln des Kontinents unterstreicht. In diesem neuen Werk überschreiten die Klänge von TRYO die etablierten Grenzen und bieten eine reife Fusion aus zeitgenössischer Musik, ethnischen Elementen und komplexen Strukturen. Die Kompositionen führen den Hörer durch Klanglandschaften, die die geografische, politische und spirituelle Vielfalt Südamerikas heraufbeschwören, und schaffen eine immersive, herausfordernde und zutiefst emotionale Erfahrung. Verstärkt wird dies durch den Einsatz von Keyboards, die in diesem neuen musikalischen Konzept eine wesentliche Rolle spielen.

Über all diese Aspekte sprach die Band mit Juan Barrenechea Herrera in diesem Exklusivinterview.
Wie war die jüngste Zeit für euch, im Kontext der Reaktionen auf “Suramérica”?
Ismael Cortez: Hallo Freunde, das Vergnügen ist ganz auf unserer Seite. Wir sind dankbar für eure großartige Arbeit und die ständige Unterstützung von TRYO. Die Resonanz war enorm, sowohl national als auch international.
In Chile unternahmen wir eine umfangreiche und erfolgreiche Tournee, die uns durch Städte im Norden, Zentrum und Süden des Landes führte – mit großartigem Publikum und Auftritten an Orten, an denen wir noch nie gespielt hatten. Darüber hinaus hatten wir das Privileg, zweimal hintereinander im ausverkauften Teatro Nescafé de las Artes in Santiago gemeinsam mit der legendären Band Magma aufzutreten. Das Publikum feierte uns mit stehenden Ovationen, die Fachpresse äußerte sich begeistert, und wir teilten die Bühne mit wahren Meistern – ein Traum wurde wahr. Unser Dank gilt Santiago Fusión für diese Gelegenheit.
Auch im Ausland machten wir außergewöhnliche Erfahrungen. Wir spielten auf renommierten Veranstaltungen neben erstklassigen Musikern, darunter ein wunderbares Abschlusskonzert als Headliner beim Crescendo Progressive Rock Festival in Frankreich (2023). Es war großartig, das gesamte Album vor einem so engagierten Publikum zu spielen, das uns minutenlang stehend applaudierte!

“Suramérica” hat weltweit großen Eindruck hinterlassen – nicht nur durch die Live-Aufführungen in verschiedenen Ländern, sondern auch durch die häufige Wiedergabe auf Radiosendern und digitalen Plattformen. Unser Bestand an physischen Alben und Merchandising-Artikeln ist inzwischen ausverkauft. Darüber hinaus erhielten wir hervorragende Rezensionen in Fachmagazinen wie Prog Magazine (UK) und mehrere internationale Auszeichnungen, darunter drei Nación Progresiva Awards:
Bester iberoamerikanischer Progressive-Rock-Song (“Suramérica”)
Bestes iberoamerikanisches Progressive-Rock-Album (für das Konzeptalbum Suramérica)
Beste iberoamerikanische Progressive-Rock-Band des Jahres (2023).
Dank des Erfolgs dieser Arbeit und der langjährigen Zusammenarbeit mit Partnern wie Mylodon Records und Aristillus Media erleben wir derzeit eine großartige Phase. Wir gewinnen Hörer und Fans weltweit hinzu und erreichen besonders auch die jüngeren Generationen. Wir sind stolz, glücklich und dankbar für das, was wir mit so viel Liebe und Einsatz erreicht haben – und jetzt geht’s weiter!
“Suramérica” wurde von der Fachpresse hoch gelobt und ist auf zahlreichen Progressive-Rock-Portalen präsent. Könnt ihr uns mehr über das Werk und seine Inspiration erzählen?
Ignacio Carvajal: Mehr als ein musikalisches Album verstehen wir es als ein kulturelles Vermächtnis – eine Hommage an unsere Vorfahren und eine Aussage über die Bedeutung, die Ursprünge nicht zu vergessen, Werte zu respektieren und unseren gemeinsamen Platz in dieser Welt zu erkennen. Besonders in einer so herausfordernden Zeit wie dem 21. Jahrhundert – geprägt von sozialen Krisen, Umweltproblemen, Klimawandel, Kriegen und künstlicher Intelligenz. Der vollständige Titel lautet: “Suramérica: Eine musikalische Odyssee ans Ende der Welt auf der Suche nach Identität und uralter Weisheit für unsere Zeit.”
Wir wollten TRYO auf das nächste Level bringen – in jeder Hinsicht –, einen globalen Einfluss aus Chile heraus erzielen und zur Wertschätzung unserer kulturellen Vielfalt beitragen. Dafür war umfangreiche Recherche über indigene Völker nötig, die die Texte und Musik inspiriert hat. Das Album ist das zweite Konzeptwerk einer geplanten Trilogie, die mit Órbitas begann und Themen wie Selbsterkenntnis, spirituelle und Bewusstseinsentwicklung sowie die Ehrung unserer Ahnen behandelt.
Die Geschichte hat mehrere Ebenen und eine große Tiefe, lädt zu einer außergewöhnlichen musikalischen Reise durch das Wesen Südamerikas ein – einem wahren „Heldenreise“-Erlebnis im Kontext unserer Geschichte und unseres Territoriums. Einerseits erkundet sie Kulturen, Landschaften und Realitäten – vom Hochland über nomadische Völker bis zu Seefahrern –, andererseits die Psyche, das Selbst und den Geist eines Protagonisten, eines abstrakten Helden, der seine Wurzeln und Identität sucht.

Wie verlief der Prozess, die Keyboards in TRYOs Klangwelt zu integrieren?
Pablo Martínez: Die Einbeziehung von Keyboards, Synthesizern und elektronischen Programmen hat unser Klang- und Kompositionsspektrum erheblich erweitert. Wir konnten neue Texturen erkunden, die Harmonien bereichern und komplexere, atmosphärische Passagen gestalten. Diese Entscheidung war eine natürliche Weiterentwicklung unseres Projekts im Einklang mit unserer ständigen Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen.
Im Fall von Suramérica kamen zudem mehrere neue Instrumente und Klangquellen hinzu – etwa Klavier, Charango, Quena, indigene Perkussion und Gesang in Mehrstimmigkeit sowie im Songformat. Das Werk enthält zudem Beiträge namhafter Gastmusiker, darunter der bekannte Bassist Ernesto Holman G., die das musikalische Ergebnis weiter bereichern.
Die EP “Aquí y Ahora” markiert ein weiteres wichtiges Kapitel in der jüngeren Bandgeschichte.
Felipe Baldrich: Dieses Projekt war besonders und emotional. Wir hatten das Privileg, den aktuellen Sound der Band komplett live und mit hochwertiger Technik aufzunehmen. Daher der Titel “Aquí y Ahora” (“Hier und Jetzt”). Die Aufzeichnung fand am 3. Januar 2023 im historischen Teatro Municipal de Viña del Mar statt, das fast 14 Jahre nach dem Erdbeben von 2010 geschlossen gewesen war. TRYO wurde eingeladen, das neue technische Equipment und die Akustik des Hauses vor der Wiedereröffnung im Dezember 2023 zu testen.
Für diese besondere Session wählten wir mehrere Stücke aus Suramérica, mit improvisierten und leicht abgewandelten Arrangements. Das Erlebnis war surreal – wir spielten ohne Publikum, nur wir Musiker mit unseren Instrumenten im leeren Saal. Es war eine zutiefst persönliche und bewegende Erfahrung. Danach folgte der Mix- und Produktionsprozess, bei dem wir eine Live-Ästhetik für den neuen Bandsound entwickelten.
Die musikalische Entwicklung von TRYO ist beeindruckend. Was dürfen wir künftig erwarten?
Francisco Cortez: Wir achten sehr auf das Wesen unserer musikalischen Sprache – ein charakteristischer Sound, der weltweit wiedererkennbar ist. Von diesem Ausgangspunkt aus haben wir die Freiheit, unser künstlerisches Werk zu entwickeln und zu erweitern. Zwar enthält unsere Musik Elemente des Progressive Rock und Metal, kombiniert mit vielen anderen Genres und Traditionen, doch wir lehnen enge Etiketten ab. Wir sind ständig auf der Suche, experimentierend und wandelbar – im Dienst der Kunst.
Deshalb ist es schwer, im Detail vorherzusagen, wohin uns das nächste Album führen wird. Wir haben bereits mehrere Demos geschrieben, und das Ergebnis motiviert uns sehr. Auch wenn eine konzeptuelle Verbindung zu Suramérica besteht (es handelt sich um den Abschluss einer Trilogie, die mit Órbitas begann), zeigt sich eine klare musikalische Weiterentwicklung und einige interessante Überraschungen im Vergleich zu unseren bisherigen Werken.

Wie war die Bilanz der jüngsten Europatournee?
Ismael Cortez: Wir sind sehr zufrieden mit dieser neuen Europatournee, die wir im August 2025 durchgeführt haben. Dieses Mal konzentrierten wir unsere Bemühungen strategisch auf den nördlichen Teil des alten Kontinents – Schweden, Dänemark und Deutschland. Die Tour fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 37-jährigen Bestehen von TRYO statt, mit Auftritten bei bedeutenden Veranstaltungen, darunter Konzerte in Bollbrolyckan (Helsingborg) und Stengaden (Kopenhagen). Alle diesbezüglichen Informationen sind auf unseren sozialen Netzwerken verfügbar.
Die Tournee umfasste unter anderem zwei Termine des “Prog Weekend Festivals”, bei dem auch die hervorragenden Bands Agusa aus Schweden und Onségen Ensemble aus Finnland auftraten. Den krönenden Abschluss bildete ein großes Konzert in Deutschland beim “Woodstock Forever Festival” in Waffenrod, das über fünf Tage hinweg stattfindet und bereits Größen wie Martin Barre (Jethro Tull), Gong und The Flower Kings zu Gast hatte. Auch in diesem Jahr bot das Festival ein erstklassiges Line-up mit Künstlern wie De Wolff (Niederlande), Physical Graffiti (UK) und Franck Carducci & The Fantastic Squad, unter vielen anderen.
Es gibt auch Pläne für neue Live-Events in Chile, richtig?
Ignacio Carvajal: Genau. Einerseits reaktivieren wir einige unserer früheren Veranstaltungen – zum Beispiel das Valprog Festival, dessen fünfte Ausgabe am 7. Juni im Club Segundo Piso stattfinden wird, gemeinsam mit der peruanischen Band Flor de Loto. Andererseits organisieren wir in Chile und im Ausland gemeinsame Events mit befreundeten Bands wie Agusa. Unser Ziel ist es, strategische Allianzen und kulturelle Austauschmöglichkeiten mit Künstlern, Produzenten und Veranstaltern zu schaffen. Durch diese Zusammenarbeit wollen wir nachhaltige künstlerische Räume und Brücken zwischen verschiedenen Ländern aufbauen – zum Nutzen von TRYO und auch anderer chilenischer und lateinamerikanischer Musiker.
Und gibt es Pläne für eine neue Chile-Tour?
Francisco Cortez: Ja, auf jeden Fall. Unsere letzte nationale Tour war zum 35-jährigen Jubiläum der Band – eine großartige Erfahrung. Wir spielten in zahlreichen Städten von Coquimbo im Norden bis Punta Arenas im Süden. Jetzt denken wir über eine neue Tour im Rahmen unseres nächsten Bandjubiläums und der Veröffentlichung neuer Kompositionen nach.
Ihr bleibt weiterhin mit Mylodon Records und Aristillus Media verbunden?
Ismael Cortez: Ja, wir arbeiten weiterhin mit Mylodon Records zusammen. Sie haben von Anfang an an uns geglaubt und waren entscheidend für unsere Entwicklung – bei Produktion, Promotion, Tourneen und auch menschlich. Durch Freundschaft und Musik entstehen immer wieder neue gemeinsame Projekte. Aristillus Media wird künftig eine wichtige Rolle bei der hochwertigen internationalen Verbreitung unserer Musik spielen.

Wie seht ihr die Rolle des Streamings im Progressive Rock?
Felipe Baldrich: Anfangs war das ein Schock, da wir immer stark auf physische Formate gesetzt haben. Doch mit der Zeit haben wir uns an die digitalen Trends angepasst. In den letzten zwei Jahren sind unsere Reichweite in sozialen Netzwerken und die Zahl der Hörer auf Streamingplattformen deutlich gestiegen. Dadurch erreichen wir neue Generationen weltweit. Trotzdem fragen die Leute nach unseren Konzerten immer noch nach physischen Alben, T-Shirts und anderen Fanartikeln.
Und wird es bald TRYO auf Vinyl geben?
Pablo Martínez: Ja, wir arbeiten daran. Das Vinylformat hat für uns eine ästhetische und sinnliche Dimension, die wir sehr schätzen. Es passt perfekt zur konzeptionellen Tiefe und Klangvielfalt unserer Musik. Zudem ist das Interesse an Vinyl in letzter Zeit stark gewachsen. Wir hoffen, dass dieses Format eine besondere Erfahrung für unsere langjährigen wie auch neuen Hörer sein wird.
Ein abschließendes Wort der Band.
Alle: TRYO ist eine echte musikalische Familie. Wir arbeiten mit Leidenschaft, Hingabe und Beständigkeit an dem, was wir lieben. Wir sind ständig kreativ – derzeit komponieren und arrangieren wir bereits neues Material für das nächste Album. Der Einsatz von Keyboards und neuen Instrumenten hat uns stark bereichert. Ohne den Beitrag unseres langjährigen Freundes Félix Carbone – Gründungsmitglied und derzeit in Frankreich lebend – zu schmälern, haben Felipe Baldrich und Pablo Martínez frische Energie und Klangfarben in die Band gebracht.
Gemeinsam mit unserem Team – insbesondere Ignacio Carvajal, Iván González und Francisco Allendes – sowie unseren internationalen Partnern fühlen wir uns geeint und bereit, neue Ziele zu erreichen. Wir bleiben einer ehrlichen, rigorosen und zeitgemäßen musikalischen Suche verpflichtet. Wir blicken voller Dankbarkeit und Begeisterung in die Zukunft, überzeugt, dass Musik ein fundamentales Werkzeug der Transformation ist – für unser Leben und für die Gesellschaft.
Interview: Juan Barrenechea Herrera
Alle Bilder: (C) Tryo | Mylodonrecords
