Review: Flying Circus – The Eternal Moment (2025)

Taufrisch im Munde vieler begeisterter Musik-Enthusiasten, das ist heute leider nicht mehr die Regel. Das Quintett Flying Circus aus dem idyllischen Grevenbroich hat es aber mit einer cleveren zeitgemäßen digitalen Marketing-Strategie und radikal-analogem musikalischen Retro-Ansatz dennoch geschafft. Nach stolzen 35 Jahren harter Bandarbeit und reihenweise exquisiter Alben haben sie es endlich aus dem niederrheinischen Untergrund verdient in das strahlende Licht der Rand-Musik-Öffentlichkeit geschafft. Der Bürgermeister Horst Schlämmer hatte daran keinen Anteil, im Gegenteil. Nicht das sie bei einigen regionalen Fans schon gut bekannt gewesen wären, aber nun durch mehr Sichtbarkeit interessieren doch immer mehr Fans und Veranstalter Bereich rockiger Musik für diese 6er-Bande. In ihrem Zusammenhang werden in letzter Zeit immer wieder Namen wie Chandelier, Elleven, The Ancestry Program genannt, das hat auch mit enger Zusammenarbeit dieser Teams zu tun.

Tracklist:

01. A Talk With the Dead 8:17
02. Green 4:44
03. A Sweet Thing Called Desire 5:44
04. And You Run 5:58
05. Pilikua Akahai 3:10
06. What Remains 4:04
07. And You Rest 2:29
08. Movie Moments 7:51
09. The Time Machine 6:16
10. Bonus Track: The Dancing Stone 6:06

Wir verfolgen und unterstützen deren vorbildliche Kampagne schon lange und sie legen mit dem aktuellen Konzept-Album The Eternal Moment (Der Ewige Moment) erneut die Meßlatte sehr hoch. Aber das können die Grevenbroicher auch, denn sie haben, wie bereits gesagt, Jahrzehnte lang gut trainiert. Und wer sich das komplette Album durchgängig angehört hat, hoffentlich mehrmals, der wird überrascht sein. Ist es ein verlorenen gegangenes Werk eines der großen Helden der 70er aus Kanada, USA oder Großbritannien, aber dann, von welcher Band ?? Und was sind das für gute Master-Bänder gewesen und wie lange hat die technische Restaurierung gedauert. Alles pure Spekulationen, die Wahrheit ist, das Flying Circus immer schon auch die Nationalfahnen oben genannter Länder geflaggt, das Vermächtnis dieser Musik ständig am Leben gehalten und oft wiederbelebt haben.

Aufgenommen wurde in den heimatlichen und traditionsreichen Dierks-Studios in Pulheim-Stommeln. Und auch bei den Aufnahmen ging es hier zurück zu den Anfängen der Rockmusik, wo meist noch alle Musiker in einem Raum, manchmal auch Scheue oder großer Saal, gleichzeitig musizierten und das dort auch aufgenommen wurde. Natürlich sind auch einige Teile, beispielsweise ein realer Flügel oder eine echte Kirchenorgel, separat eingespielt worden. Aber auch das hat man damals so gemacht. Da wurden auch schon wegen des Klangbildes an den exotischsten Orten die Mikrofone aufgestellt und aufgenommen. Das CD-Album erscheint im vierseitigen Paper-Sleeve mit zwölfseitigen Büchlein (ohne Texte), auf Single-Vinyl sowie in zwei limitierten Sonderauflagen, die nur über die Bandseite bestellt werden können. Zum einen eine auf 500 Exemplare limitierte, handsignierte Personal Moments CD Edition, inklusive fünf Retro-Drucke (in hochwertiger, bedruckter Mappe) von handsignierten Polaroid-Bildern der jeweiligen Bandmitglieder, die während der Mixing-Sessions in den Dierks-Studio entstanden sind. Wer es noch etwas üppiger und limitierter braucht, der kann die Eternity CD Edition Box bestellen. Die schicke Box beinhaltet das vorher beschriebene Personal Moments Paket (aber diesmal Original Polaroids) plus ein Lyrik-Buch in LP-Größe sowie zusätzlich das „Scrapbook“ das im A4-Format mit Demo-MP3-CD, Noten-Material & massig Notizen sehr üppig ausfällt. Aber ranhalten, es gibt von den 150 Stück nur noch sehr wenige Exemplare. Wer das Album auch noch in Vinyl dazu haben möchte, bekommt es zum kleinen Mehrpreis obendrauf gelegt. Diesen Weg des limitierten Multi-Paket sind beispielsweise diesmal auch Flaming Row oder smalltape bei ihren aktuellen Alben gegangen. Aber das wichtigste ist natürlich die Musik. Dazu kommen wir jetzt.

Das Konzept-Album Eternal Moment wagt sich mutig an Fragen der menschlichen Existenz; nach Sinn, Zeit, Vergänglichkeit. Michael Dorp: „Alle Stücke kreisen um das Thema Vergänglichkeit und dem paradoxen Phänomen, dass trotz dieses Faktums, dem wir alle als Menschen unterworfen sind, bestimmte Momente dauerhaft oder gar ewig erscheinen. Das soll der paradoxe Albumtitel ausdrücken, und die einzelnen Stücke versuchen verschiedene Arten dieser „ewigen Momenten“ einzufangen und darzulegen, „was bleibt“ – von uns selbst als Menschen über unseren Tod hinaus oder auch von anderen Menschen, die uns geprägt haben und in uns nachwirken. Also eher ein offenes Konzept wie bei Dark Side Of The Moon im Gegensatz zu einer stringenten „Handlung“ wie bei The Wall.“ Wie gewohnt nutzt Flying Circus wieder einmal alle Spielarten des Rock, von feinfühlig bis knüppelhart. Es wurde wieder ein großes Repertoire an Instrumenten eingesetzt, alles hochklassig gespielt und technisch versiert aufbereitet. Dadurch entstanden wahre Klang-Gemälde. Es geht mit den fast 9-minütigen A Talk With The Dead gleich in die Vollen. Und man merkt bereits hier, die Band möchte auf jedem Instrument beweisen, dass viele Jahre musizierende Gemeinsamkeit sich auch gelohnt und zu etwas Besonderen geführt haben. Und das hat auf ganzer Linie funktioniert.

Wir haben schon einige Rezensionen von Eternal Moment genau studiert und bei den dutzendfach genannten Vergleichen musste ich immer wieder sagen, jawohl das stimmt, klingt wie soundso, hört sich tatsächlich an wie bei dieser Band. Aber so etwas ist uns zu einfach, denn bei so einem Bündel von so vielen vermeintlich bekannten, dennoch unterschiedlichen, Versatzstücken ist unseres Erachtens die Eigenständigkeit der Kompositionen und des Gesamtbildes hier das prägendste Attribut. Wir möchten deshalb auch garnicht auf einzelne Solis oder Liedteile eingehen. Warum, weil das Album in Gänze fantastisch ist, weil hier eine Rock-Band zeigt was mit gefühlt drei Dutzend verschiedenen Instrumenten und Stimmen möglich ist. Wäre dieses Album Anfang der 70er erschienen, wäre es sicher heute ein Klassiker und die Band hätte damit ihr Vermächtnis, oder ein Teil davon hinterlassen.

Lasst euch auf dieses Konzept-Album ein, hört es euch mehrmals an. Vermutlich wird es auch nach dem hundertsten Mal nicht Langweilig es anzuhören, denn das ineinander schachteln von so vielen musikalischen Ideen und Wendungen hält es dauerhaft spannend, eben ein bleibendes musikalisches Erlebnis. Das seit Jahren stabile und konstante Bandgefüge, bestehend aus Michael Dorp (Gesang, Perkussion), Michael Rick (Gitarre), Rüdiger Blömer (Keyboards, Geige), Roger Weitz (Bass) und Ande Roderigo (Schlagzeug, Gesang), musiziert inzwischen mit traumwandlerische Sicherheit, auch bei schwierigsten Passagen. Haben wir euren Appetit für das fast einstündige Menü mit neun Gängen und Bonus Nachtisch geweckt ?? Gut so, denn ihr müsst es euch anhören und eintauchen in das Konzept-Album The Eternal Moment.

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