Nach sieben Jahren Funkstille seit ihrem Debüt von 2018 ist diese Supergroup endlich wieder da – und das Warten hat sich gelohnt. Wer sich fragt, warum man sie überhaupt Supergroup nennt, muss nur einen Blick auf die Beteiligten werfen.
Da hätten wir zuerst den englischen Multi-Instrumentalisten und Sänger Stephen James Bennett, der schon bei Henry Fool, Airbridge, No-Man, Tim Bowness, Lahost oder Weserbergland seine Spuren hinterlassen hat. Ein Typ, der gefühlt jedes Instrument im Schlaf beherrscht und dabei immer eine eigene Handschrift mitbringt.
Auf der norwegischen Seite stehen Jacob Holm-Lupo (White Willow, Kaukasus, The Opium Cartel) und Ketil Vestrum Einarsen, der mit seinen Keyboards und Flöten schon bei Weserbergland, Wobbler, Motorpsycho, Panzerpappa, Rhys Marsh oder Pixie Ninja für offene Münder gesorgt hat. Und dann ist da noch der Schwede Mattias Olsson, ein echtes Drumming-Monster, das seit Änglagård ohnehin Kultstatus genießt.
Für das neue Album hat das Trio – Holm-Lupo ist diesmal nur auf einem Track dabei – ein paar richtig feine Gäste eingeladen: John Jowitt am Bass, Bjorn Riis von Airbag an der Gitarre, dazu Pete Smith (Bass) und Myke Clifford am Saxophon. Eine Runde, bei der man schon beim Lesen der Namen ahnt, dass hier musikalisch einiges geht.

Tracklist
1. Hiraeth Pt.1 (Cronus) (3:54)
2. Life as an Architect (Hestia) (9:57)
3. Broken Bones (Eris) (10:56)
4. Nighthawks (Nyx) (6:36)
5. Persephone (Kore) (5:58)
6. The Syntax of Things (Athena) (10:31)
7. Hiraeth Pt.2 (Aion) (7:40)
Gleich zu Beginn von „Hiraeth Part 1 (Cronus)” wird man abrupt aufgerüttelt, mit dem Einsetzen des Gesangs biegt das Stück dann plötzlich in melodischere Gefilde ab, während Olssons wuchtiges Schlagzeugspiel einen durchgehend wach und lebendig hält.
Als nächstes folgt „Life as an Architect (Hestia)”. Musikalisch lehnt sich das Stück klar an den symphonischen Prog an: Bass und Schlagzeug legen ein solides Fundament, die Keyboards und das Mellotron sorgen für die edle Innenausstattung, und Holm-Lupos Gitarrenfassade bekommt durch das funkelnde Flöten-Dach den letzten architektonischen Feinschliff. Ein wirklich großartiges Musikstück. Hier kann man am ehesten einen Vergleich mit den letzten Tim Bowness Produktionen ziehen.
Der fast elf Minuten lange Track „Broken Bones (Eris)” bringt das komplette Gasttrio ins Spiel – allen voran den sofort erkennbaren, immer präsenten Bass von John Jowitt. Dazu liefern Bjorn Riis und Myke Clifford genau die Intensität ab, die man sich von ihnen kennt. Klavier, Mellotron und sogar das gute alte Gizmotron breiten einen wunderbar dichten Klangteppich aus, auf dem Riis sich austoben darf – und das auf eine für ihn überraschend zurückhaltende, fast schon elegante Art. Im Mittelteil wird das Stück etwas ruhiger, bis Cliffords Saxophon auftaucht und ganz selbstverständlich fordert, die Grenzen noch ein Stück weiter zu verschieben.
„Nighthawks (Nyx)“ kommt nach den schnellen, intensiven Tracks davor genau richtig: ein entspannter, atmosphärischer Ruhepunkt. Eine ruhige Ballade, die das Album einmal tief durchatmen lässt. „Persephone (Kore)“ zieht danach das Tempo wieder an. Der Anfang wirkt leicht verspielt, fast tanzend, bevor das Stück in eine eher balladeske Richtung gleitet – und am Ende gibt’s noch ein feines Gitarrensolo als Sahnehäubchen.
Das Intro von „the syntax of things (Athena)“ hat sich mir erst nach ein paar Durchläufen so richtig erschlossen. Der klein geschriebene Titel wirkt wie ein bewusstes Stilspiel, aber was genau dahintersteckt, bleibt offen. Musikalisch ist das Stück eine ziemlich coole Mischung: ein bisschen Krautrock‑Vibe, ein Hauch Dark Wave, dann wieder diese deutlichen Achtziger‑Anklänge. Der Mittelteil packt einen richtig, sehr rhythmisch, sehr hypnotisch. Und zum Schluss dreht John am Bass nochmal auf, bevor Bjørn ein Gitarrensolo raushaut, das dem Ganzen einen schönen Schlusspunkt setzt.
„Hiraeth Pt. 2 (Aion)“ beendet das Album dann richtig stark. Der Gesang am Anfang ist großartig — melodisch, klar, sofort packend. Und dann kommt Bjørn Riis mit einem Solo um die Ecke, wie ich es lange nicht mehr von ihm gehört habe: emotional, ausdrucksstark, einfach auf den Punkt. Ein glänzender Abschluss für ein Album, das insgesamt sehr spannend und abwechslungsreich ist.
Fazit
Galasphere 347 legen ein Prog‑Album vor, das sich wirklich was traut. Der Sound pendelt lässig zwischen moderner Frische und nostalgischen Momenten, zwischen symphonischen Ausbrüchen und lyrischen Passagen – und macht dabei einen großen Bogen um die üblichen Prog‑Trends. Das Ergebnis wirkt eigenständig, überraschend und richtig stark. Für mich ist das ein kleines Meisterwerk.
Lineup:
Stephen James Bennett: singing, keyboards, guitars, Gizmotron, lapsteel, Taurus pedals and bits&bobs
Ketil Vestrum Einarsen: flute & programming
Mattias Olsson: drums & electric & acoustic exotica

Gäste:
Jacob Holm-Lupo: bass & staccato guitars (2)
Bjørn Riis (Airbag): electric guitars (3,6,7)
John Jowitt (IQ, Jadis, John Wetton): bass (3,5,6)
Myke Clifford (Henry Fool): saxophones (3)
Pete Smith (Subway): bass & bass pedals (17)
