Die Jungs von Avkrvst und deren Musik haben wir beim Midwinter Festival 2025 kennen- und lieben gelernt. In einem mit großartigen Neuveröffentlichungen randvoll gefüllten Jahr 2023 ging ihr tolles Debütalbum „The Approbation“ etwas unter. Seit dem Treffen in Utrecht ist viel passiert. Ein nicht minder klasse zweites Album unter dem Titel „Waving At The Sky“ erschien Mitte letzten Jahres und erreicht Top-Platzierungen in verschiedenen Prog-Album-Jahrespolls. Tiefere Einblicke in ihren Kosmos und ihre Musik könnt Ihr zum Beispiel in zwei Interviews nachlesen, die hier auf den Stone-Prog-Seiten zu finden sind.

Zum ersten Mal gehen die jungen Norweger nun auf eine kleine Europa-Tour. Das fünfte dieser sechs Konzerte führt sie in den altehrwürdigen Colos Saal nach Aschaffenburg. Den Abend eröffnet jedoch Kali, eine junge Prog-Metal-Band aus Regensburg. Deren Musik ist zugänglich und gefällt uns. Allerdings erwartet uns ein für die Band untypischer Instrumentalsound. Denn Tim Bleil, der angestammte Sänger von Kali, hat sich krankgemeldet. Da man den Support von Avkrvst aber auf keinen Fall absagen will, wird improvisiert und das Konzert gesangslos abgewickelt. Der Bassist Karl Bodawré übernimmt die zentrale Rolle und die Moderation auf der Bühne. Der Klang erinnert uns an diesem Abend etwas an Long Distance Calling. Wir meinen, hier eine vielversprechende neue Band wahrgenommen zu haben, von der man noch einiges hören sollte.


Avkrvst begeistern durch härteren Prog, nahe am Prog Metal. Dabei klingen sie strukturiert, melodiös und düster. Ein nicht geringer Anteil ist instrumental. Wird gesungen, dann klingt die Stimme von Simon Bergseth rauchig, eigen und wird mit einem akzeptablen kleinen Growl-Anteil vorgetragen. Das Publikum lauscht gebannt und spricht am Ende von einem tollen, eindrucksvollen Konzert. Das Licht kommt eher von hinten und unterstreicht so die düstere Atmosphäre der Musik. Die Musiker sind keine Bühnenmonster, wirken wie auch schon vor einem Jahr in Utrecht zurückhaltend und lassen lieber ihre Musik wirken. Das ist grundsätzlich sympathisch und okay, aber wir sehen hier durchaus noch etwas Entwicklungspotenzial.

Es wird ein Set aus den beiden Avkrvst-Alben gespielt, welches dem konzeptionellen Ansatz ihrer beiden Werke folgt: Im Mittelpunkt steht das zweite Album „Waving At The Sky“. Die Stücke laufen in der reihenfolge des Albums. Es fehlt nur „The Malevolent“. Dieses Stück wird im Original von Haken´s Ross Jennings gesungen, der in London beim ersten Konzert auch hierfür mit auf der Bühne stand. Leider will er offenbar für die weiteren Konzerte und das eine Stück nicht mit der Band durch Europa reisen. In der Mitte des Sets gibt es dafür mit „Arcane Clouds“ eine kleine Unterbrechung in der Abfolge des zweiten Albums; am Ende folgen dann noch drei weitere Stücke von ihrem Debüt „The Approbation“.


Wir finden, dass Avkrvst bereits mit den zwei Alben einen bandeigenen Sound gefunden haben, was sie an diesem Abend auf der Bühne eindrucksvoll unterstreichen. Diese tolle Band muss sich aber noch etwas herumsprechen; heute verlieren sich keine 100 Leute im Saal. Okay, der dunkle Januar mitten in der Woche wird auch so manchen Konzertfan an seinem Ofen festgehalten haben. Das führt angenehmerweise aber auch dazu, dass nach dem Konzert für alle genug Zeit zum Einkaufen, Quatschen und für Fotos mit der Band bleibt. Wir schätzen Avkrvst als eine der aufstrebendsten jungen Bands der gesamten Szene ein und sind gespannt, was wir weiter von ihnen hören werden. Man darf orakeln: Die Anzahl der Fans dieser spannenden norwegischen Band wird noch rasant zunehmen.

Setlist
- Preceding
- The Trauma
- Isolation
- Families Are Forever
- Arcane Clouds
- Conflating Memories
- Ghosts Of Yesteryear Wavong At The Sky
- Österdalen
- The Pale Moon
- The Approbation

