Livereport: Stern Combo Meissen „60 Jahre… Der weite Weg“ – Kulturhaus Freital, 13.03.26

Den Methusalem unter den deutschen Rockbands müssen wir hier nicht mehr vorstellen. Inzwischen 62 Jahre Bandgeschichte hat die Stern-Combo Meißen bereits in ihren Geschichtsbüchern stehen. Und man ist immer noch kontinuierlich unterwegs. Über die vielen Veränderungen der Bandgeschichte, musikalisch wie personell, ist inzwischen auch auf diesen Seiten nachzulesen (insbesondere sei auf das XXL-Interview mit Manuel Schmid aus dem Jahr 2024 verwiesen). Das Gründungsmitglied Martin Schreier ist all die vielen Jahre ununterbrochen dabei. Natürlich ist er nicht mehr der Jüngste, steht aber auch heute voll integriert an Perkussion, Schlagzeug und Gesang auf der Bühne. Klasse sind seine Anekdoten aus vergangenen Zeiten, beispielsweise vom ersten Konzert der Stern-Combo hier in Freital im Jahr 1972. Heute berichtet er in der Anmoderation von „Kampf um den Südpol“ von der Gestaltung einer Schul-Wandzeitung im Jahr 1959, wo er das erste Mal mit dem Thema der Südpol-Eroberung in Kontakt kam. Der Einwurf von Manuel Schmid dazu: „In dem Jahr wurde mein Vater geboren.“ Das Publikum ist amüsiert und bewegt über diese Zeitskizze.

Der Abend beginnt mit dem jüngsten Meisterwerk „Die Himmelsscheibe von Nebra“. Die Band betritt die Bühne und enthüllt eine Nachbildung dieser, die sich bereits unauffällig auf der Bühne befindet. Erst danach geht jeder Musiker an seinen Arbeitsplatz. Diese kleine Showszene unterstreicht die Authentizität und Ernsthaftigkeit, welche die Band in ihre Musik – hier speziell in dieses Stück – steckt.

Über zwei weitere Klassiker geht die Reise zunächst zu „Kampf um den Südpol“. Hier tauscht der Altmeister seinen Platz im perkussiven Bereich inkl. Gong mit dem angestammten Drummer Frank Schirmer. Und dann: „Weißes Gold“. Das Konzeptalbum aus dem Jahr 1977 gehört unbestritten zu den besten Werken des Progressive Rock im deutschen Sprachraum. Das gesprochene Intro der Geschichte übernimmt Martin Schreier live – im Gegensatz zur „Himmelsscheibe von Nebra“, bei der dieses vorhin noch vom Band kam. Den Jungs gelingt es unter der künstlerischen Leitung von Manuel Schmid, das Album auf reichlich 20 Minuten zu kürzen, ohne dass wesentliche Teile fehlen. Dadurch wird das „Weiße Gold“ als einheitliches und kompaktes Werk aufgeführt. Mit Spaß und Inbrunst vorgetragen, ist es für viele im Publikum natürlich eine Reise in die eigene Vergangenheit; aus Sicht des Prog-Rezensenten eine meisterliche Darbietung eines großartigen Stückes Musik. Wie auch immer, das Publikum dankt es der Stern-Combo Meißen mit stehenden Ovationen und verabschiedet die Band damit erst einmal in eine wohlverdiente Pause.

Der zweite Konzertteil liegt im Schwerpunkt musikhistorisch in der Pop-Phase der Band in den 1980er-Jahren. Dem klassischen Prog-Fan gefällt das sicher weniger, diese seit Jahren erfolgreich gepflegte Zweiteilung ihrer Konzerte sichert der Band allerdings seit Jahren ein breites Konzertpublikum. Der große Saal ist heute jedenfalls mit ca. 550 Plätzen voll besetzt. Fakt ist: Beide Teile passen irgendwie zusammen; man fühlt keinen Bruch im Konzert. Nach der Pause wird mit dem namensgebenden Klassiker der aktuellen Tour „Der weite Weg“ begonnen. Bis hin zum 2024er Stück „In der kalten Nacht“ sind auch jüngere Stücke in das Set eingebaut. Die Gitarrenarbeit von Michael Lehrmann, der bereits in den 80ern in der Band war, muss hier herausgestellt werden. Der Sound der Stern-Combo wird ja von zwei Keyboardern getragen, heutzutage von Manuel Schmid und Sebastian Düwelt. Michael Lehrmann ist seit ca. zwei Jahren wieder festes Bandmitglied – sein Gitarrensound ist aber so eingearbeitet, dass er den klassischen Keyboard-Sound nicht stört, sondern eher zart unterstützt und schärft. Ausnahmen sind aber tolle Gitarrensolos in „Nimm die Welt in die Hand“ und besonders in „Nächte“. Hier passen sie auch wirklich hin. Es war eine sehr gute Entscheidung, ihn als Gitarristen wieder fest in die Band zu integrieren.

Die größten Hits der Band aus den 80er-Jahren am Schluss des Sets münden in eine Party zwischen Band und Publikum. Der Saal singt voller Inbrunst mit, insbesondere a cappella bei „Eine Nacht“ und „Wir sind die Sonne“. Martin Schreier darf sich dazwischen im „Rabe-Medley“ in zwei Songs mit seiner rauchig-sächsischen Stimme auszeichnen. Der Altmeister nimmt sich dann zum Schluss Zeit, alle Bandmitglieder ausführlich vorzustellen und zu würdigen. Insbesondere hier natürlich Manuel Schmid, denn ohne seine Energie und Leidenschaft würde die Band wohl schon nicht mehr existieren. Alle im Publikum sind glücklich und zufrieden, egal ob sie der Art-Rock- oder der Pop-Fraktion angehören. Bestimmt sind alle beim nächsten Konzert der Stern-Combo in der Nähe wieder dabei.

Setlist

Teil 1

Die Himmelsscheibe von Nebra
Die Sage
Also was soll aus mir werden
Kampf um den Südpol
Weißes Gold

Teil 2

Der weite Weg
Die Zehder von Jerusalem
In der kalten Nacht
Was fang ich an
Nächte
Nimm die Welt in die Hand
Eine Nacht
Dein Herz

Zugaben

Rabe Medley (Leben möcht ich / Mein Weg)
Wir sind die Sonne

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