Mit dem Mitte Mai diesen Jahres veröffentlichten Album „Black Soul Sickness“ hat das aus der kanadischen Provinz Quebec stammende Quartett Karcius eine Trilogie abgeschlossen, die aus den Alben „The Fold“ (2018), „Grey White Silver Yellow & Gold“ (2022) und eben „Black Soul Sickness“ besteht. Wie der Name des neuen Werks schon dezent andeutet, geht es hier nicht um die pure Freude am Leben, sondern um psychischen Abstieg, Verfall und Transformation. Ernste Themen wie diese sind nicht selten Gegenstand von Prog-Alben und dürften einer der Gründe dafür sein, warum dieses Musik-Genre eher wenig Zulauf aus jüngeren Generationen erhält. Was natürlich nichts über die musikalische Qualität solcher Werke aussagt, ganz im Gegenteil.

Tracklist
1. Wallow (13:28)
2. Out Of Nothing (5:34)
3. Darkest Heir (5:34)
4. Slow Down Son (3:22)
5. Rise (6:14)
6. Awakening The Spirit (7:06)
7. Dusting My Coat (3:54)
Gitarrist und Keyboarder Simon L’Espérance hat hier einmal mehr ein musikalisch komplexes Werk komponiert, die Texte stammen von Sänger und Bassist Sylvain Auclair. Die Stilrichtung, die die oben genannten Botschaften transportiert, ist (wie könnte es anders sein) der Prog Metal. Dabei beginnt „Black Soul Sickness“ eher besinnlich. Eine Gitarre führt instrumental mit sanften Tönen in den 13-minütigen Opener „Wallow“ ein, man fühlt sich an Porcupine Tree in der Mittelphase erinnert (das Cover des Albums erinnert wohl nicht von Ungefähr an das von „In Absentia“). Dann aber bricht es los: schwere Gitarren, kraftvolle Schlagzeugarbeit und die raue, kräftige Stimme von Sänger Sylvain Auclair sorgen für ein metallhaltiges Hörerlebnis. Das heißt nicht, dass es nicht auch zwischendurch ruhige Passagen gäbe. Aber nicht nur der Wechsel zwischen hart und zart sorgt hier für die Würze, sondern auch der Wechsel in der Dominanz von Saiten- und Tasteninstrumenten. Hierbei gelingt es Karcius, eine Mischung aus Melodik, Härte und Geschwindigkeit zu erzeugen, die ihresgleichen sucht. Allen voran ist hier das dritte Stück „Darkest Heir“ zu nennen, in dem Auclairs Stimme mit Growls-Tönen flirtet. Konsequenterweise schließt sich das folgende „Slow Down Son“ durchgängig besinnlich an, unterlegt jedoch mit tiefen Bass-Tönen, die eine unheimliche Grundspannung erzeugen. Das ist ein ganz großes Spiel mit den Emotionen des Hörers! Während „Rise“ wieder auf der Klaviatur des Wechsels von Härte und Melodik spielt, präsentiert uns „Awakening The Spirit“ eine melodische Ballade, die in ihrem Verlauf die Schrauben andreht und zu einem großformatigen Prog Metal-Finale führt. Das abschließende „Dusting My Coat“ destilliert das bisher Beschriebene auf knapp 4 Minuten und zeigt, dass Komplexität auch in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum entstehen kann.
Im Fazit ist „Black Soul Sickness“ ein Werk, das man einem Nicht-Initiierten im Prog Metal-Kosmos nicht unbedingt als erstes vorspielen sollte. Hierzu ist es zu anspruchsvoll komponiert und verlangt dem Hörer sehr viel Konzentration, aber auch Hörerfahrung in diesem Genre ab. Für alle anderen ist das Album wenn nicht ein „Muss“, so doch ganz bestimmt ein „Sollte unbedingt“!

Musiker
Simon L’Espérance: Guitars, Synths, Percussions, Keyboards, Loops Programming
Sylvain Auclair: Vocals, Bass
Sébastian Cloutier: Piano, B3, Wurlitzer, Synths, Mellotrons, Additional Keyboards
Thomas Brodeur: Drums, Percussions, Sound Design
Cover Artwork: Michael Cloutier Label: Karcius
