7rasimeno Prog Festival – Castiglione del Lago, 20. – 23. August 2026

Tag 4 – Sonntag, 23.08.2026

Der letzte Festivalabend ist dem Jazz Rock gewidmet. Die erste Band des Abends, Agorà, durfte ich bereits 2014 in Mailand live erleben. Agorà gründeten sich 1974 und ließen sich unter anderem von Weather Report beeinflussen. Trotz längerer Pausen ist die Band bis heute aktiv und hat längst ihren eigenen Stil gefunden.

Seit meinem Konzertbesuch in Mailand wurde die Position des Keyboarders, Flötisten und Saxofonisten mit Marco Agostinelli neu besetzt.

Die vier Veteranen, Gitarrist Renato Gasparini, Bassist Lucio Cesari, Schlagzeuger Massimo Manzi und Gianni Pieri am Violoncello, musizierten hingegen schon damals zusammen.

Die Band steht mit ihrem neuen Album Agorà 5 bereits in den Startlöchern. Das Werk zum 50-jährigen Bestehen der Formation hätte eigentlich längst veröffentlicht werden sollen. Nach drei Jahren Studioarbeit hat Agorà nun endlich ein Label gefunden, sodass die Veröffentlichung Anfang Oktober dieses Jahres erfolgen kann. Neben älteren Stücken spielt die Band heute vor allem Material von Agorà 5. Der vergleichsweise junge Tastenmann und Bläser Marco Agostinelli macht dabei mit seinem virtuosen Spiel eine ausgezeichnete Figur. Die gesamte Band verbindet intensiven, groovigen Jazz-Rock mit verträumten, melodischen Klängen. Beeindruckend sind vor allem das professionelle Zusammenspiel sowie die Soli von Gitarrist Renato Gasparini und Violoncellist Gianni Pieri.

Tony Esposito – da war doch was … Ach ja: Kalimba de Luna, sein großer internationaler Hit. Beim Lesen der Ankündigung fragte ich mich zunächst, was ein Schlager-Fuzzy auf einem Prog-Festival zu suchen hat. Nach ein wenig Recherche musste ich mich jedoch eines Besseren belehren lassen.

Tony Esposito stammt aus Neapel, und Neapel war in den frühen 1970er Jahren ein Schmelztiegel verschiedenster Klänge und Trends, aus dem zahlreiche Künstler hervorgingen. Dazu zählen Bands wie Osanna oder Balletto di Bronzo ebenso wie der Liedermacher und Bluesgitarrist Pino Daniele oder eben Tony Esposito. Nach seinem gigantischen Erfolg mit der Single Kalimba de Luna im Jahr 1984 und einer bescheideneren Wiederholung im Folgejahr mit As Tu As fand Esposito schnell zu seinen Wurzeln zurück.

Diese liegen im Jazz und in der Weltmusik. So überzeugt er bei seinem heutigen Konzert vor allem mit mediterranen Rhythmen und seinem beeindruckenden Arsenal an akustischen und elektronischen Percussion-Instrumenten, das in der Bühnenmitte platziert ist. In seinem mitreißenden und energiegeladenen Konzert spielt Tony Esposito mehrere Songs seines früheren Freundes und Mitstreiters Pino Daniele, gesungen von Keyboarder Lino Pariota. Während des Auftritts habe ich das Gefühl, von einem unaufhörlichen Rhythmus mitgerissen zu werden, für den neben Esposito auch der fantastische Schlagzeuger Claudio Romano sorgt.

Immer wieder wird dieser Sog allerdings von längeren Ansagen unterbrochen, in denen Tony Esposito von seiner Liebe zur afrikanischen Musik erzählt, ausführlich über seinen Freund Pino Daniele spricht und seine Verbundenheit zu Neapel betont. So gerät die wunderschöne Pino-Daniele-Komposition Napule è zu einem der Höhepunkte des Konzerts. Besonders beeindruckend ist dabei die ausgedehnte Piano-Einleitung. Ein von Polyrhythmik strotzendes Intro geht schließlich in das unvermeidliche Kalimba de Luna über, das in dieser Version richtig Spaß macht. Diese mediterranen, sonnigen Klänge machen mir bewusst, dass ich mich tatsächlich in „Bella Italia“ befinde.

Nach zwei Zugaben endet dieses fantastische Konzert mitten in der Nacht – und mit ihm ein einzigartiges Festival. Wir nutzen die verbleibende Zeit, um uns bei unserem Freund Massimo Sordi, der als „Presidente“ beim Festival den Hut aufhat, für seine Gastfreundschaft zu bedanken. Wer italienischen Progressive Rock mag, sollte sich dieses Festival künftig auf keinen Fall entgehen lassen. Wir werden wiederkommen.

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