Studioreport: B’Side Music Studio

Ich habe am idyllischen Waldrand unter dem fröhlichen blöken der Schaf-Herde im angrenzenden Gehege gut gekühlt gerastet und geschlafen. Remse, ein kleines Dorf nordwestlich von Zwickau, ländlich ganz in der Nähe von Waldenburg und zwischen den Städten Altenburg und Chemnitz gelegen. Remse ist ein kleiner Ort am Ufer der Zwickauer Mulde. Hier wohnt Marek Arnold mit seiner Frau, drei Kindern und einem lebhaften Hund. Er selbst sagt: „In meiner wilden Zeit in Leipzig habe ich nicht eine Sekunde daran gedacht mal so ein Leben in einem kleinen bürgerlichen Haus mit Garten in einer dörflichen Siedlung auf dem Berg zu führen.“ Ist aber doch so gekommen, und das, lieber Marek, ist vielleicht ganz gut so. Was wohl überhaupt nicht so schnell vorauszusehen war, ist ein großes, massives, modernes Holzhaus daneben. Sehr gut von Spitzbub Marek geplant und umgesetzt, befindet sich darin ein komplett eingerichtetes modernes Ton-Studio, sein B’Side Music Studio. Hier sitze ich nun ganz bequem in der gemütlichen Lounge beim Käffchen zusammen mit dem gut gelaunten und gesprächsfreudigen studierten Multi-Instrumentalisten und Musik-Pädagogen.

Unsere Themen sind natürlich die aktuellen Projekte (Zeiten, Ziele, Zukunft) mit seinem musikalischen Bruder Manuel Schmid, aber auch das aktuelle erste Solo-Album Marek Arnold’s Artrock Project, sowie das kommende, die Trilogie abschließende Album »THE?Truth« von Seven Steps To The Green Door. Erst tags zuvor haben Marek und Manuel drei Stunden eine private Gesellschaft in Manuel’s Heimat Altenburg mit ihrer versierten Kunst begeistert. Marek Arnold und ich hatten im Neuberinhaus, Reichenbach, Vogtland, nach dem erfolgreichen Start der Kampagne für das »Artrock Project«, ein gemeinsames zeitnahes persönliches Treffen abgesprochen. Es ist Marek’s Herzensprojekt an dem er unter Mitwirkung von über 40 Kollegen aller Instrumente, circa fünf Jahre gearbeitet hat. Und ich kann euch schon so viel versprechen, es ist ein echtes Meisterwerk geworden, das international jeden Vergleich standhält. Und damit meine ich nicht nur die Kompositionen, sondern wie Commander Marek das Projekt geplant und geleitet hat. Komposition, Musik, Lyrik, Gäste, Grafik & Design, Konzept, Kampagne, alles zusammen machen ein Meisterwerk. Jeder der daran Beteiligten, der hier leidenschaftlich Zeit, Arbeit und Schweiß investiert hat, kann stolz darauf sein hier mitgewirkt zu haben. Es sind noch viele logistische Aspekte im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des 80-minütigen Konzept-Albums abzusprechen. Die Unterstützer sind hochkarätig: das Label Tempus Fugit von Dirk Jakob, das Print-Magazin Empire von Michael Bäcker, das digitale Magazin & Radio Stone Prog von Holger Stöckel, das Overlodge Recording Studio von Martin Schnella sowie unzählige weitere Helfer und Kollegen. Marek ist voller Ungeduld, er ist voller Erwartung auf den Tag der offiziellen Veröffentlichung. Ich auch !!

Ich verfolge die Geschichte dieses Ausnahme-Musiker schon sehr lange. Ich habe bereits zwei Dutzend Konzerte seiner verschiedenen Projekte beigewohnt. Er spielt sich nie in den Vordergrund, obwohl er immer eine tragende Rolle spielt, er ist Teamarbeiter der das kollektive Zusammenspiel fördert und vorlebt. Er ist ein echtes Kreativ-Kraftwerk, hat mit seiner Arbeit in circa zwei Dutzend Projekten inzwischen mehr als einhundert Kollegen unterstützt und gefördert. Auch deshalb habe ich sein Wirken für diesen Beitrag der Serie Klingende Orte ausgesucht. Er atmet wie ich Musik seit Geburt. Er fand in seiner Familie glücklicherweise den Nährboden für aktives Musizieren mit Instrumenten. Mein Lebensweg ist anders verlaufen, aber bis heute auch maßgeblich von Musik geprägt. Er selbst sagt: „Der Berufswunsch Musiker stand bereits im zarten Alter von 4 Jahren fest – so wurde mit 5 die Blockflöte und mit 8 Jahren die Klarinette gequält.“ Seinen ganzen klingenden Lebensweg hier nachzuzeichnen sprengt den Rahmen, kann aber auf seiner sehr strukturierten Web-Seite nachverfolgt werden. Dennoch einige Stationen als Eckpunkte seiner Karriere. Die Band-Geburtsstunde waren die Prog-Metaller Toxic Smile (9 Alben). Völlig andere Klänge mit der Swing-Jazz-Formation Passage, literarisch-musikalisch bei Die Stiehlblüten, Pop-Rock-Projekt Gabria. Nach deren Auflösung entstand 2012 daraus das Band-Projekt Cyril (4 Alben bis heute). Bereits 2004 fand sich ein weiteres interessantes Crossover-Prog-Bandprojekt Seven Steps To The Green Door mit Musikern der unterschiedlichsten Herkunft zusammen. Deren Debüt »The Puzzle« erschien im August 2006 und konnte auf Anhieb den Deutschen Rock-und Pop-Preis in immerhin zwei Kategorien gewinnen. Das dreiteilige Meisterstück »THE?Book« (2011) »THE?Lie« (2019) wird mit »THE?Truth« nun im Herbst 2023 endlich nach sagenhaften 12 Jahren mit einem, wie Marek sagt fulminanten Finale, würdig abgeschlossen.

Ein Dreh- und Angelpunkt in Marek’s aktuellen Berufsleben ist auch die Freie Jugendkunstschule Waldenburg. Bereits am Anfang des Studiums begann Marek Keyboard, Saxophon, Klarinette zu unterrichten, seit 2006 ist er an der Jugendkunstschule Waldenburg für die Instrumente Keyboard, Saxophon, Klarinette, Blockflöte und Kurse für Musik-Produktion zuständig. Er leitet dort Ensembles, arbeitet am sehr interessanten Bandklassen-Konzept mit und betreut das Tonstudio der Jugendkunstschule. Diese besondere Schule ist eine vom Sächsischen Kultusministerium genehmigte Ergänzungsschule in Trägerschaft des Trägervereins Europäisches Gymnasium Waldenburg, die bereits 1998 gegründet wurde. Damit wurde ein modernes Modell geschaffen, das bundesweit für Aufsehen gesorgt hat und in dieser Form – Gymnasium und Jugendkunstschule – sehr eng verzahnt unter einer gemeinsamen Trägerschaft und unter einem Dach in Deutschland in dieser Größe und Breite bisher wenig Beispiele hat. Die Institutionalisierung aller Freizeitangebote führte zu einem deutlichen Qualitätszuwachs inhaltlicher und personeller Art, der von nur projektbezogenen Vorhaben wegführte. Damit wurde es möglich, den Erwerb kultureller Grundkompetenzen, die neben Nachhaltigkeit, Frühzeitigkeit und Mehrwahrnehmung auch Systematik, Kontinuität und Einblicke in verschiedene Erscheinungsformen erfordern, wesentlich zu befördern. So gesehen, wurde mit der Gründung der Freien Jugendkunstschule auch das Profil der allgemein bildenden Schulen des Trägers geschärft – als Lern- und Lebensorte, die mit Neugier, Hoffnung, Spannung, aber immer mit Freude aufgesucht werden. Und was ich bisher in den 13 vorangegangenen Beiträgen der Klingenden Orte vorgestellt habe, hier wieder so ein Beispiel für die Wichtigkeit von Schwingungen, Klängen, Musik, Menschlichkeit, Schöpfung. Einige werden jetzt sagen, was meint dieser komische Mann damit genau. Wer aber alle Beiträge, von der Cage-Orgel Halberstadt über viele Festival-Zusammenkünfte aller Art bis zum Rock-Pop Museum Gronau, genau verfolgt hat, der wird erahnen können wohin die Reise weitergeht. Über einige geplante Stationen werde ich in meiner Lebenszeit nicht mehr berichten können. Dafür werde ich mir Ersatz beschaffen und neue interessante Klingende Orte für euch suchen und finden, das ist ein Versprechen.

Ich habe für ein anderes Format Marek Arnold auch Kurz & Knapp ein paar persönliche Fragen zum brandaktuellen Solo-Werk »Artrock Project« gestellt. Hier ein kleiner Auszug:

1. Wir sind ja schon länger in Kontakt wegen deinem ehrgeizigen Artrock Project. Jetzt bist du bei dem letzten Schliff. Fünf Jahre Arbeit an diesem Werk. Hast du an Aufgeben gedacht ??

Die ersten 3 Jahre habe ich nicht mal richtig ans „Anfangen“ gedacht! »Stay« war ja 2018 von Uwe Treitinger als Festival-Hymne des Art Rock Festivals eine Art „Auftragswerk“, kam dann aber so grandios an, dass es regelmäßig Nachfragen nach einem ganzen Album gab. 2 Jahre darauf bat mich Uwe, einen Song für und mit der Reichenbacher Sängerin Zeynah zu schreiben, den ich wie schon »Stay« mit vielen internationalen Gästen realisierte. Dann kam Corona… und plötzlich war mal etwas Zeit, mein neues Studio, welches ich in der „1. Welle“ aufgebaut hatte und jede Menge „Bock“ auf ein Soloalbum. Ich hab es einfach angefangen, geschrieben und arrangiert und dann pro Song entschieden, wen ich als Gast Anfrage. Es wuchs einfach immer mehr… zu diesem jetzt so gigantomanisch wirkenden Projekt an.

2. Es ist Dein erstes Solo-Alben nach immerhin über sagenhafte 60 Album-Veröffentlichungen bei denen du federführend oder als tragender Gast mitgewirkt hast. Warum das Solo erst jetzt ??

Ich habe tatsächlich keinen Gedanken daran verwendet. Ich habe über die Jahre mit meiner Progressive Metal Band Toxic Smile so unglaubliche Dinge erlebt, 9 Alben veröffentlicht, mit der Crossover Prog Band Seven Steps To The Green Door eine …ja, vielleicht „modernere“ Stilrichtung des Prog bedient, mit CYRIL den klassischen Prog der 70er tangiert, mit den anderen Bands wie Damanek, Flaming Row oder UPF wieder andere Stilistiken mit – oder ausleben können. Es war daher schlichtweg weder Zeit noch Notwendigkeit dafür. Und selbst als die Nachfragen immer öfter kamen habe ich mich gefragt, wer denn überhaupt ein Soloalbum eines Marek Arnold hören will? Nun aber bin ich doch recht froh, es in die Hand genommen zu haben, trotz des unglaublichen Aufwands.

3. Da du ja beim Artrock Project alle Fäden in den Händen hältst, ist alles so geworden wie geplant ??

Nein, besser! Es war ja nicht absehbar am Anfang, ob es mir gelingt, für alle Positionen pro Song, die ich nicht selbst umsetzen kann (oder will), Musiker zu finden, die nicht nur einsingen/einspielen, sondern die Musik mitgestalten, Spaß daran haben, und natürlich zum Teil auch diese spieltechnisch so umsetzen zu können, wie ich es vor meinem geistigen Ohr hörte. Meine Erwartungen wurden aber wirklich übertroffen… Das Album bildet eine wirklich breite stilistische Ausrichtung ab – von Artrock über einen fast schon etwas märchenhaft wirkenden Wind- Meets-Vocal Song bis hin zum Progmetal-Longtrack. Das dies am Ende trotz der unterschiedlichen Aufnahmen dennoch homogen wirkt, habe ich der Klasse der Musiker und den goldenen Händchen meines Freundes Martin Schnella zu verdanken, denn ein solch aufwändiges Projekt sollte man zumindest zum Mixing aus den eigenen in vertrauenswürdige andere Hände abgeben.

4. Wenn man auf die lange Liste der Mitmusiker schaut, sind viele Namen sehr bekannt. Über welche Mitarbeit hast du dich besonders gefreut ?? Gab es auch Absagen oder Enttäuschungen ??

Absagen gab es tatsächlich kaum! Auf 2 Anfragen bekam ich keine Antwort, 1 Musiker hat mir zugesagt, mich dann aber etwas hängenlassen. Aber ansonsten habe ich tatsächlich nur positives Feedback erfahren. Natürlich war es nicht immer einfach, alle „Wunschmusiker“ zu erreichen, hier kam mir die jahrelange Arbeit als Gast für andere Bands natürlich zugute, einige scheinen meinem Namen auch tatsächlich schon einmal begegnet zu sein, das hat ein paar Türen geöffnet. Und natürlich musste der Song auch passen, und das war immer meine größte Sorge… aber zum Glück scheine ich ein gutes Händchen bei der Auswahl gehabt zu haben, dass mir dann alle nach dem Hören der Demos auch zusagten. Es ist schwer und unfair, bei über 40 derart hochkarätigen Musikern einige einzeln zu nennen. Gerade auch, weil viele liebe Freunde den Löwenanteil der Einspielungen trugen. Aber natürlich bin ich besonders glücklich, dass ich einige wirkliche Stars der Szene wie Marco Minnemann, Derek Sherinian, Adam Holzman, Craig Blundell, Luke Machin, Kalle Wallner, Laurence Cottle, Peter Jones, Arno Menses etc. dabeihaben darf.

5. Auch das Coverbild ist echt beeindruckend, ein echter Blickfang. Wer hatte die Idee dazu, wer hat es geschaffen und warum hat es einen futuristischen Charakter ??

Das Coverbild wurde von der „Progdesign“-Ikone Ed Unitsky geschaffen. Ich kenne seine Bilder seit Jahren von zum Beispiel unseren Alben mit The Samurai Of Prog. Hier bat ich ihn um eine Kombination aus Futurismus, Instrumenten, Studio – mal keine typischen Prog-Fantasy-Gemälde. Ich bin beeindruckt von seiner Umsetzung! Der futuristische Ansatz kommt von der auf dem Album enthaltenen circa 27-minütigen »Berlin:2049« Suite, dessen SciFi-Story vom amerikanischen Autor George Andrade stammt. Bei der Booklet-Gestaltung, haben wir auf KI-Bilder gesetzt, denn zu jedem Song soll ein passendes Bild die Infos untermalen. Der liebe Thomas Klarmann von Argos hat mir hier geholfen, die Vorstellungen AI-generieren zu lassen. Schon beängstigend, zu was die KI mittlerweile in der Lage sind, dabei stehen wir hier noch komplett am Anfang. Hier steht uns ein riesiger Umbruch bevor, und als ich begann, an der »Berlin:2049« – Umsetzung zu arbeiten, war das nicht mal so krass absehbar. Jetzt würde ich es wohl besser »Berlin:2030« nennen…

6. Das Album könnte eine CD/Doppel-Vinyl komplett füllen. Wird es das Album physikalisch geben, oder setzt du voll auf digitale Medien ??

Es wird im Sommer definitiv auf CD erscheinen, als Sleeve-Pack inklusive dickem 32-seitigen Booklet. Außerdem bin ich glücklich, dass es als limitierte Doppel-Vinyl mit blauem 180g – Vinyl erscheint, die Preorder läuft bereits. Für mich ein Traum, dieses Album in so edler Form und Aufmachung in den Händen zu halten.

Danke, nicht nur für diesmal, für deine Zeit & Mühe und die tiefen, ehrlichen Einblicke in dein außergewöhnliches Projekt. Ich (und unsere Leser) bin sehr gespannt wie es bei Dir weitergeht und werde die weiteren Schritte aufmerksam beobachten. Ich wünsche dir und allen deinen vielen Freunden, Kollegen und Helfern bleibend Kraft und Leidenschaft für die weitere Reise auf der Stony Road des Musikzirkus.

Herzlichen Dank für die Fragen, die ich sehr gern beantwortet habe, und viele Grüße an die Leser, danke für das Interesse!

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