Livereport: Uriah Heep, The Magician’s Farewell Tour 2025Berlin, Uber Eats Music Hall, 30.10.2025

Mit “The Magician’s Farewell Tour” wollen sich Mick Box und seine Mannen der legendären Hardrock-Band Uriah Heep vom Tourleben verabschieden. Die seit 55 Jahren aktive Band ist immer noch in der Lage, ihre Fans mit spektakulären Live-Shows in ihren Bann zu ziehen. Den Beweis dafür liefern sie auch heute in Berlin.

Doch zuvor gibt es gleich zwei Support-Acts. Als ich gegen halb acht den Innenraum der Uber Eats Music Hall betrete, ist die schottische Rockband Heavy Pettin‘ schon voll bei ihrer Performance, obwohl der Konzertbeginn mit 20:00 Uhr angekündigt war. Das Quintett aus Glasgow galt in den 80er Jahren als eine der erfolgreichsten schottischen Bands des New Wave of British Heavy Metal. Mit ihrem energetischen Mix aus Hard-Rock und Heavy Metal heizen sie den Fans vor der Bühne ordentlich ein.

Nach einer kurzen Umbaupause entern die vier Musiker der kanadischen Band April Wine die Bühne. Es ist schon eine kleine Sensation, denn die Band war seit 40 Jahren nicht mehr auf Tour in Europa. In der aktuellen Besetzung der 1969 gegründeten Band ist kein ursprüngliches Mitglied mehr vertreten. Am längsten gehört Gitarrist Brian Greenway zur Band, die er bereits seit 1977 zusammenhält. Die Band startet mit I Like to Rock, einem melodischen Rocksong, der durchaus als Motto der vier Musiker angesehen werden kann. Der eingängige, gradlinige Gitarrenrock von April Wine, den die beiden Gitarristen Brian Greenway und Marc Parent immer wieder mit feinen Soli würzen, zündet von Beginn an und macht Spaß. Somit ist schon jetzt für gute Stimmung unter den Fans gesorgt.

Uriah Heep ist eine der Bands, die mich schon begeistert haben, als sich mein Musikgeschmack erst zu entwickeln begann. Ihre markanten, harten Gitarrenriffs, die fetten Orgel-Sounds, den hohen Satzgesang und die eingängigen Melodien ihrer Songs – das hat mich von Beginn an begeistert und tut es bis heute. Es freut mich jedes Mal aufs Neue, wenn neue Alben der Band erscheinen, auf denen diese charakteristischen Trademarks wiederzufinden sind – auch wenn von der Urbesetzung nur noch Gitarrist Mick Box dabei ist. Die aktuelle Besetzung mit Mick Box, Sänger Bernie Shaw, Drummer Russell Gilbrook, Keyboarder Phil Lanzon und Bassist Davey Rimmer ist seit 2013 unverändert und somit perfekt aufeinander eingespielt.

Gegen 20:20 Uhr fällt der Vorhang und die Band legt sich auf der aufwändig gestalteten Bühne mit Grazed by Heaven gleich voll ins Zeug. Das mitreißende Stück von ihrem Album Livin The Dream aus dem Jahr 2018 hat es in sich. Drummer Gilbrook und Bassist Rimmer treiben die temporeiche Nummer voran. Bernie Shaw fegt dabei singend über die Bühne und sucht von Beginn an die Nähe zu den Fans. Scheinbar leichtfüßig streuen Mick Box und Phil Lanzon im Wechsel ihre Soli ein, die zum typischen Uriah Heep Sound einfach dazu gehören. Mit Save Me Tonight hängt die Band den Opener ihres letzten Albums Chaos & Colour aus dem Jahr 2022 an, der in die gleiche Kerbe schlägt. Auch das ist ein treibender Rocksong, den die Band voller Leidenschaft performt. Mit Shadows of Grief von ihrem dritten Studioalbum aus dem Jahr 1971 entführen sie uns dann zum ersten Mal in proggige Gefilde. Das Stück mit seinen fetten Hammond-Sounds, harten Gitarrenpassagen, Rhythmuswechseln und mystischen Gesängen hat bis heute nichts von seiner Strahlkraft verloren. Stealin‘ ist ein weiterer Klassiker aus den 1970er Jahren, der die Stimmung im Saal spürbar weiter anheizt und die Fans endgültig in Feierlaune versetzt. Dazu passt das eingängige Hurricane aus dem Jahr 2018 wunderbar.

Beim nächsten Song greift Mick Box zur Akustikgitarre, während Bernie Shaw ihm freundschaftlich den Arm um die Schultern legt und betont, dass es die Band ohne ihren Gitarristen wohl nicht mehr geben würde. Alle Spots sind auf die beiden gerichtet, als sie die wunderschöne Ballade The Wizzard intonieren – ein weiteres Highlight des Abends.

Passend zum Motto der Tour darf The Magician’s Birthday natürlich nicht fehlen. Bernie Shaw erzählt mit einem Augenzwinkern, dass Uriah Heep damals – ähnlich wie Genesis, Pink Floyd oder Yes – unbedingt eine Progressive-Rock-Band sein wollte. „Vier-Minuten-Songs raus, neun-Minuten-Songs rein“, scherzt er auf Deutsch. Das folgende Stück ist ein Paradebeispiel dafür. Mit seinem ausgedehnten Gitarrensolo entfacht Mick Box ein wahres Feuerwerk auf der Bühne. Während die Saiten im Nachhall vibrieren, vollführt Box mit der rechten Hand wilde Gesten. Russell Gilbrook liefert dazu einen mitreißenden Rhythmus, der fast schon einem Schlagzeugsolo gleicht. Das ist pure Magie.

Anschließend reiht sich ein Klassiker an den nächsten. Mit Gypsy, July Morning und Easy Livin‘ lässt Uriah Heep die Herzen der Fans höherschlagen. Nach einer kurzen Verschnaufpause leitet die Band mit dem epischen Sunrise das große Finale des Abends ein. Und zum krönenden Abschluss erklingt natürlich ihr größter Hit Lady in Black. Bernie Shaw meint dazu, dass es kaum zu verstehen sei, dass ein Lied, welches lediglich auf zwei Akkorden basiert, solch einen großen Erfolg haben kann. Und er scherzt, dass Mick Box diese zwei Akkorde beherrscht. Mit dem Song, der in den 70er und 80er Jahren auf keiner Party fehlen durfte, beschließen die Mannen von Uriah Heep ihre musikalische Reise durch 55 Jahre Bandgeschichte, während die begeisterten Fans lauthals mitsingen.

Uriah Heep wird weiter bestehen“, verkündet Bernie Shaw. Trotz des Wortes „Farewell“ im Titel der Tournee sei dies nicht das Ende der Band. Man habe noch jede Menge neue Musik in petto. Das lässt hoffen.

Setlist

Grazed by Heaven

Save Me Tonight

Shadows of Grief

Stealin‘

Hurricane

The Wizard

Sweet Lorraine

The Magician’s Birthday

Gypsy

July Morning

Easy Livin‘ Sunrise

Lady in Black

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