Interview mit Neal Morse

Im Februar diesen Jahres erschien mit L.I.F.T. ein neues Album von NMB, der Band von – oder besser gesagt – um Neal Morse. Renald Mienert sprach mit einem der produktivsten Köpfe der Prog-Szene.

Warum wurde eigentlich aus der Neal Morse Band dann NMB?

Die Band hat eine eigene Identität, die über meine Person hinausgeht. Zunächst spielten Mike und Randy Musik, die ich geschrieben habe. Aber sie haben damals schon viel an den Arrangements mitgewirkt, zum Beispiel beim „One“ – Album, aber auch „?“ oder „Solo Scriptura“. Ich war dann dabei eine Liveband zusammen zu stellen, Musiker, die auch singen konnten. So kamen dann Eric und Bill. Zunächst spielten wir dann Shows einfach unter meinem Namen. Als wir uns dann entschieden, zusammen Titel zu schreiben, wurde daraus dann die Neal Morse Band. Und es entwickelte sich von da mehr und mehr in eine Band. Dabei konnte ich dann auch schon mal bei einer Abstimmung verlieren. Es ist jetzt eine richtige Band. Das merkt man auch am neuen Album.

Nachdem Mike Portnoy wieder bei Dream Theater ist, war ja nicht klar, wie es mit NMB weitergeht. Habt ihr mal darüber nachgedacht, euch einen neuen Drummer zu suchen?

Wir haben tatsächlich darüber gesprochen. Aber wir haben uns schnell darauf geeinigt, dass wir das nicht wollten. Mike ist mehr als nur der Drummer bei NMB, er ist in jeder Hinsicht ein starkes Mitglied der Band.  Er ist sehr stark in das Schreiben der Songs und die Produktion eingebunden. Beim Morsefest in Holland 2024 hat er dann gesagt, dass er gerne wieder mit NMB weitermachen würde, sobald er Platz in seinem Terminkalender hatte. Das hat uns allen das Herz erwärmt, besonders mich hat es sehr berührt. Es geht ja bei uns nicht um Ruhm oder Geld. Wir agieren ja was das Business angeht auf einem deutlich niedrigeren Level als Dream Theater. Wir lieben ihn und er liebt uns.

L.I.F.T. ist ein Konzeptalbum, und nicht euer erstes. Ist das einfacher für euch?

Als wir für das Album zusammen kamen, hatten wir überhaupt noch keine Vorstellung, in welche Richtung es gehen sollte. Wir hatten neun Tage Zeit gemeinsam. Und natürlich willst du immer, dass dabei ein Meisterwerk herauskommt. Am ersten Tag hatten Bill und Randy zunächst ein paar Riffs, ich ein paar Pianoimprovisationen. Wir haben damit etwas herumgespielt, aber es kristallisierte sich noch keine bestimmte Richtung heraus. Am zweiten Tag hatte ich eine Idee für das Konzept und fragte die anderen, was sie davon hielten. Es war noch eine grobe Skizze, völlig anders als die Konzeptalben, die ich vorher gemacht habe. Normalerweise folgen diese einer existierenden Geschichte. „The Similitude of a Dream“ basierte auf dem Buch „The Pilgrim’s Progress”, “Solo Scriptura” auf dem Leben Martin Luthers, “Testimoy” auf meinem. Hier gab es erst diese Skizze.  Zugehörigkeit, diese dann aufzugeben. Von einem guten Ort zu einem dunklen Ort gehen und wieder zurück zu einem guten. Aber es war nur eine Skizze und wir wussten nicht, ob es funktionieren würde. Aber am Morgen vor den Sessions begann ich dann, Songs zu schreiben. An Tag drei hatte ich einen Entwurf zu „Fully Alive“, an dem wir arbeiten konnten. Es folgt ein Instrumentalteil von Bill. Am nächsten Tag, als die anderen im Studio waren, ging ich nach draußen und arbeitete mit der Akustikgitarre an dem „I Still Belong“ – Song. Dieser Entwurf hat mir als Komponist viel geholfen. Man geht von Teil zu Teil. Aber ich will den Anteil der anderen Bandmitglieder nicht schmälern. Auch wenn ich Ideen hatte, haben die anderen ihren Beitrag zu den Songs geleistet. Die kurze Antwort auf deine Frage ist, ja, es hilft, wenn man eine Story oder einen Entwurf hat.

Ihr habt euch mit den Infos zum Album lange bedeckt gehalten. Ich habe nichts gehört, was darauf hingedeutet hat, dass ihr an etwas Neuem arbeitet. Dann kam gleich die Ankündigung zur Veröffentlichung…

Das war der Wunsch von Mike und seinen Leuten. Dream Theater waren auf Tour. Ich glaube, es ging einfach darum, einen strategisch günstigen Zeitpunkt für die Ankündigung des Albums zu wählen.

Rich Mouser hat das Album produziert. Wie läuft die Zusammenarbeit mit ihm?

Wir hören uns das Material schon genau an und machen unsere Anmerkungen. Nach dem Motto: Entferne alle meine Parts aus dieser Sektion (lacht). Rich ist wirklich gut darin. Er mutet Teile und fragt dann, klingt es besser mit oder ohne? Er erkennt, was man an dieser Stelle hören muss und was nicht.

Dein Bruder Alan hat auch gerade ein Soloalbum veröffentlicht. Du hast da auch an dem Song “Shadow Of The Sun” mitgeschrieben!

Es ist schon sehr lange her, dass wir zusammen an diesem Song gearbeitet haben. Im Augenblick kann ich nicht mal sagen, wie das Stück klingt. Aber ich mag Alan’s Arbeit sehr, er ist ein großartiger Künstler.

Du bist vielleicht einen Ticken produktiver, was die Musik angeht….

Ich bin einfach dankbar, dass der Herr mir diese Ideen für Musik gibt, die ich so liebe und auch andere mögen.

Jetzt wo Mike wieder bei euch ist, gibt es da auch eine Chance für ein neues Transatlantic-Album?

Oh Mann, ich weiß es nicht. Auf keinen Fall kurzfristig. Aber ich mag es auch nicht, nie zu sagen. Wir hatten als Kind diesen Magic-8-Ball. Du hast ihn geschüttelt und es kamen Antworten auf deine Fragen. Eine Antwort war „unwahrscheinlich“.

Was gibt es zum Albumtitel “L.I.F.T.” zu sagen?

Wir haben einen Albumtitel gesucht, der aus einem Wort besteht. Ich mag das. „Revolver“ oder „Brave“. Oder „Testimony“ und  „One“. Wir haben lange einen Titel gesucht, haben keinen gefunden, der allen gefiel. Aber die Zeit wurde knapp. Ich sagte, Leute, wir brauchen einen Titel. Man kann nicht mit dem Album-Artwork beginnen, wenn der Albumtitel fehlt. Ich hatte dann eines Morgens eine Art Vision. Lift, aber mit den Punkten zwischen den Buchstaben. Ich rief, Leute, ich habs, lassst uns das nehmen. Ich glaube, jeder war so ausgepowert, dass sie ja gesagt haben. Ich glaube, keiner ist in den Albumtitel verliebt. Aber ich mag es, wenn Dinge offen für Interpretationen sind.

Beim Songwriting schreibt ihr eure Ideen in der Regel auf ein Whiteboard. Dieses Mal habt ihr das auch gemacht, die Ideen dann aber weitestgehend verworfen. Kommt das oft vor?

Das ist tatsächlich unüblich. Normalerweise verwenden wir viel davon, was auf dem Whiteboard steht. Dieses Mal hat es so einfach nicht funktioniert. Ich habe keine Ahnung warum. Jedes Album ist anders.

pic: (C) Nick Magnuson

Du hast ja kürzlich mit Neal Morse & The Resonance und Cosmic Cathedral zwei neue Projekte gestartet. Wie geht es da weiter?

Tatsächlich arbeite ich gerade an einem neuen Neal Morse & The Resonance Album. Hier wird es also in jedem Fall weitergehen. Cosmic Cathedral bleibt abzuwarten.

Und wird es weitere Rockopern wie “Joseph” geben?

Aktuell ist da nichts geplant. Aber ich habe ja ein Musical geschrieben, „Brother Andrew“ basierend auf dem Buch „God’s Smuggler“, das im April im „The George Theater“ in Houston aufgeführt wird.

Dir gehen tatsächlich nicht die Ideen aus. Hoffentlich bleibt das noch lange so!

Please follow and like us:
Facebook
Instagram
TWITTER
YOUTUBE
Copyright © 2026 | STONE PROG | Die Welt des Progressive Rock