Review: Saris – Project: Off World (2026)

Saris, die Prog-Band aus dem beschaulichen Bochum (beschaulich wegen keinem Warenhaus in der Innenstadt und keinem Fußball-Erstliga-Verein), hat nach 6 Jahren wieder ein Album am Start, das sechste seit Gründung der Band im Jahr 1981. „Project: Off World“ heißt das neue Werk und wieder hat Derk Akkermann, das einzige verbliebene Gründungsmitglied, weder Noten noch hochkarätige Musiker gescheut, um der Prog-Gemeinde ein opulentes Werk in die Gehörgänge zu legen.

Dabei musste er Wechsel in der Besetzung in Kauf nehmen: gegenüber dem Vorgänger-Album „Beyond The Rainbow“ ist die langjährige Sängerin Anja Günther nicht mehr an Bord, auch an den Drums ist Jens Beckmann ausgeschieden. Die Lead-Vocals konzentrieren sich nun auf Henrik Wager, der zum dritten Mal seine Stimme für Saris erschallen lässt, und für das Schlagwerk konnte der US-Amerikaner Jimmy Keegan verpflichtet werden, der hauptamtlich die Schlagstöcke für die Pattern Seeking Animals rührt. Da auch die in der Szene nicht gänzlich unbekannten Marek Arnold am Saxofon und Martin Schnella an der Gitarre ihren Beitrag lieferten, sollte es bei der Besetzung nichts zu meckern geben.

Tracklist

1. Off World (6:36)
2. Mamucium (7:39)
3. For All Mankind (6:43)
4. My Pocket (3:42)
5. Is Anybody Out There (7:12)
6. Surrounded (12:06)
7. The Bounty (7:43)
8. Fill Me With Emptiness (5:14)
9. Wish It Away (11:05)
10. Time Is Killing Me (5:33)

Schon ein Blick auf die Tracklist zeigt, dass hier nicht gekleckert, sondern geklotzt wird: 10 Stücke mit insgesamt 73 Minuten und 40 Sekunden Laufzeit sind eine Ansage. Und wie die Quantität, so auch die Qualität, denn hier wird musikalisch großes Geschütz aufgefahren. Das Eröffnungsstück „Off World“ kommt mächtig progchestral aus den Boxen. Flirrende Keyboards, schwere Gitarren, Schwerstarbeit an den Drums, mächtige Bassarbeit und eine äußerst angenehme und zur Gravität der Musik passende Stimme des Sängers Henrik Wager bestimmen diesen Auftakt.

Dass mächtig und majestätisch-getragen nicht unbedingt zusammen gehören müssen, beweist das folgende „Mamucium“, das instrumentale Geschwindigkeit aufnimmt, um in einer unerwarteten Vollbremsung zum melodisch-entspannten Mittelteil zu wechseln. Im weiteren Verlauf wechseln Tempi und Rhythmik ebenso gekonnt wie häufig, dass man nicht glaubt, dass die Spieldauer dieses Stücks lediglich siebeneinhalb Minuten beträgt. Wie eröffnet, wird der musikalische Faden auf „Project: Off World“ fortgesetzt, heißt Abwechslung ist Trumpf. Und was Saris auch spielen, die Stimme Wagers passt sich immer vorzüglich an. Schöne Saxofon-Passagen werden von Marek Arnold auf „For All Mankind“ und „Wish It Away“ beigesteuert, was Komplexität und Abwechslungsreichtum noch erhöht.

Dass es Saris auch besinnlich können, beweist das radiotaugliche, mit AOR flirtende „My Pocket“. Das orientalisch angehauchte „Is Anybody Out There“, der komplexe 12-Minüter „Surrounded“, das melodiöse „The Bounty“ – das alles ist ebenso melodisch wie rockig angelegt. Und das finale „Time Is Killing Me“ kommt sogar bombastisch um die Ecke. Da wundert es doch schon, dass die Songtexte eher Düsteres zu den Verhältnissen, in denen wir leben, zum Gegenstand haben. Dies wird von einem kurzen Text auf der Innenseite des Covers auf den Punkt gebracht, der mit den Worten endet: „Sag mir, wo ich hingehen soll, denn ich weiß es nicht“. Selten hat die Zerrissenheit unserer Gegenwart so verführerisch geklungen wie hier!

Im Fazit ist „Project: Off World“ ein Album, das den Anhängern von progressivem und melodischem Rock mehr als reichlich Ohrenfutter liefern sollte und das hierbei mit viel Abwechslung aufwartet.

Musiker

Henrik Wagner: Lead & Backing Vocals
Derk Akkermann: Guitars, Keyboards
Lutz Günther: Bass
Jimmy Keegan: Drums & Percussion
Marek Arnold: Saxophone
Martin Schnella: Guitars

Cover Fotos: Sebastian Schiller, Cover Artwork: Derk Akkermann
Label: Progressive Promotion Records

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