Geschlagene 12 Jahre ist es nun schon wieder her, dass die niederländische Band A Liquid Landscape mit ihrem Auftritt bei Night Of The Prog auf der Loreley auch hierzulande einem größeren Publikum bekannt wurde. Gerade einmal zwei vollständige Alben und eine EP hatten sie damals im Gepäck. Nun, im Jahr 2026, schicken sie sich an, ihr drittes vollständiges Album namens „Rogue Planet“, zu deutsch „Vagabundenplanet“, zu veröffentlichen.

Tracklist
1. Few And Far Between Part 1 (6:22)
2. Few And Far Between Part 2 (6:45)
3. Intention (5:58)
4. Consequence (4:43)
5. Raven Song Part 1 (3:15)
6. Raven Song Part 2 (4:26)
7. Virgo Calling (9:37)
Das Bemerkenswerte daran: trotz dieser langen Zeit ist die damalige Besetzung exakt die gleiche geblieben. Immer noch steht Sänger Fons Herder mit seiner angenehmen Stimme im musikalischen Mittelpunkt, lassen die Brüder Niels und Robert van Dam die Saiten klingen und gerbt Coen Speermann die Trommelfelle. Somit war nur Positives zu erwarten. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums war jedenfalls gut gewählt, tritt die Band doch im Juni beim Warm Up des diesjährigen Midsummer Prog Festivals in Maastricht auf.
In all den Jahren haben es A Liquid Landscape nicht verlernt, mit ihrer hochgradig ansprechenden Musik Ausflüge ins Metallische mit Harmonischem zu kombinieren. Das Ergebnis klingt nach wie vor betörend, bedient es doch zeitgleich mehrere Geschmacksrichtungen. Die Vocals ihres äußerst sympathischen Sängers Fons Herder tun ein Übriges. So dürfte schon der Auftakt „Few And Far Between Part 1“ sowohl Anhänger härterer Gangarten als auch Liebhaber des NeoProg überzeugen. Dessen noisiges Finale leitet in einen wunderbaren „Part 2“ über, der so nicht zu erwarten war. Allen voran die jazzig gespielte Leadgitarre erzeugt eine entspannt-atmosphärische Stimmung, die einfach nur traumhaft ist, um am Ende doch daran zu erinnern, dass hier immer noch die Global-Überschrift „Rock“ gerechtfertigt ist. Eine vergleichbare Dramaturgie – besinnlicher Auftakt, atmosphärisch-melodischer Mittelteil, griffiges Finale – greift das folgende „Intention“ auf, dessen Harmonien mitunter an Steven Wilson erinnern.
Mehr Tempo und Biss liefert da schon das folgende „Consequence“, ohne dabei das Harmonische aus den Augen zu verlieren. Ganz anders, nämlich düster-geheimnisvoll eröffnet der „Raven Song Part 1“, bei dem die Boxen kilometertief zu sein scheinen und eine grabestiefe Stimme in den „Part 2“ überleitet, der alsbald Geschwindigkeit aufnimmt und beweist, dass sich melodisch und düster nicht ausschließen müssen. Das klingt abwechslungsreich und organisch zugleich. Den Abschluss dieses mit rund 41 Minuten Laufzeit eher kurzen Albums bildet der Longtrack „Virgo Calling“, auf dem A Liquid Landscape ihr musikalisches Tafelsilber auslegen bis hin zu Gitarrenwänden im Finale.
Im Fazit kann man den vier Niederländern nur wünschen, dass sie möglichst schnell den Sprung von den Warm Ups auf die Haupttribünen der großen Festivals vollziehen. „Rogue Planet“ hat das Zeug dazu, dies zu gewährleisten, denn es ist ein äußerst hörenswertes Album geworden.
Musiker

Coen Speelman: Drums
Fons Herder: Vocals, Guitar
Niels van Dam: Lead Guitar
Robert van Dam: Bass
Label: Glassville Records
