Review: Built For The Future – 2084 EMPIRE (2026)

Built For The Future ist ein Quartett aus San Antonio in Texas, das schon vor 11 Jahren das erste eigene Album auf den Markt gebracht hat. Dass mir diese Band jetzt erst in die Gehörgänge kam, zeigt mir einmal mehr, dass die Welt groß ist und der Prog noch größer. Die Band, abgekürzt B4TF, hat mit „2084 EMPIRE“ ein Doppelalbum vorgelegt, das eine thematische Einheit mit dem Vorgängerwerk „2084 HERETIC“ bildet. Die beiden Köpfe der Band, Kenny Bissett und Patric Farrell, haben sich also beim Texten und Komponieren etwas gedacht, was man dem Album, das von Martin Schnella gemastert wurde, definitiv anhört. Und das ist gut so, sehr gut sogar!

Tracklist

CD 1:
1. 2084 (7:42)
2. Propaganda (5:38)
3. The Empire State (4:53)
4. Subterranean (5:56)
5. Airstrip One (11:29)
6. Zealot (8:01)
7. The Brotherhood (5:02):
CD 2:
8. Oceania (25:21)
9. Permanent War (6:56)
10. The National Anthem (8:07)

Die Musik von B4TF wird gemeinhin dem Crossover Prog zugerechnet. Wer mit diesem Begriff nichts anfangen kann: die Band selbst nennt als ihre wesentlichen Einflussgrößen Rush, Tears For Fears und Pink Floyd. Dies ist eine interessante Mischung, steht sie doch für Härte, Melodik und Vielschichtigkeit. Und genau dies findet sich in den zehn Stücken wieder. Thematisch geht es recht düster zu auf „2084 EMPIRE“. Orwellsche Dystopien werden textlich verarbeitet und musikalisch umgesetzt. Daher rührt auch die Jahreszahl im Albumtitel, die auf das hinweisen soll, was auf die Menschheit noch zukommt: 1984 plus 100 Jahre.

Dabei geht es musikalisch weit weniger trostlos zu, als man angesichts der doch schwermütigen Themen erwarten sollte. Druckvoll startet „2084“ in das Album und gibt insbesondere E-Gitarren, Schlagzeug und der wie ein Handschuh passenden Stimme von Sänger Kenny Bissett Gelegenheit zu zeigen, wohin die Reise zum Auftakt geht, nämlich ins Repetitiv-Rockige (Alex Henry Foster lässt grüßen …). Dieses Strickmuster greift auch „Propaganda“ auf, vor der es im Kosmos von B4TF kein Entrinnen gibt. Hier wird erstmals den Keyboards mehr musikalische Präsenz eingeräumt, denen in „The Empire State“ eine tragende Rolle zukommt. Überhaupt wird hier erstmals der Melodik á la Tears For Fears eine Dominanz eingeräumt, die dieses Stück bei aller Geschwindigkeit beschwingt klingen lässt. Und nein, „Subterranean“ schlägt nicht in die Richtung IQ, sondern ist in Hörweite von Rush angesiedelt (man könnte sich hier auch die Stimme von Geddy Lee vorstellen).

Erstmals episch auf diesem Album wird es beim 11-Minüter „Airstrip One“. Melancholisch-getragen beginnend, wird hier insbesondere mit den Gitarren eine musikalische Spannung aufgebaut, die durch ein langes psychedelisch-düsteres Finale auf die Spitze getrieben wird. Wie bei fast allen Stücken stehen hier Samples mit Alltagsgeräuschen am Ende. Der erste Teil des Doppelalbums endet mit dem geradlinig-rockigen, aber etwas zu lang geratenen „Zealot“ und der sehr schönen, melodischen Ballade „The Brotherhood“, bei der Bissetts Stimme glänzen kann.

Der zweite Teil des Albums wird dominiert von der 25 Minuten langen Suite „Oceania“. Trotz ihrer Komplexität (harmonische Passagen wechseln sich mit düsteren ab) klingt das Stück jederzeit melodisch, ohne seinen musikalischen Biss zu verlieren. Hier wird ganz großes Kino für die Ohren geboten! Das vorletzte Stück „Permanent War“ ist mit seinem treibenden Beat ein echtes Rock-Brett, während “The National Anthem“ B4TF zum Abschluss dieses Albums von ihrer melodisch-hymnischen Seite zeigt.

Im Fazit ist „2084 EMPIRE“ ein großartiges, höchst abwechslungsreiches Album, das so gut wie keine Schwachstellen hat und auch verschiedene Geschmacksrichtungen des Genres Prog bestens bedienen sollte. Crossover also, versprochen!

Musiker

Kenny Bissett: Vocals, Guitar, Keyboards
Patric Farrell: Guitar, Bass, Programming, Backing Vocals
Pete Fithian: Keyboards
Lalo: Drums

Cover: Patric Farrell Label: Newspeak Music

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