Review: Long Earth – Towards The Sky (2026)

Long Earth ist ein Quintett, das im schottischen Glasgow beheimatet ist und seine Wurzeln in der Band Abel Ganz hat. Gründer von Long Earth ist Mike Baxter, der von Beginn im Jahr 2017 an die Keyboards bedient. Das Ende Juni veröffentlichte Album „Towards The Sky“ ist das vierte der Band und es wäre überraschend, wenn es keine Personalwechsel gegenüber dem dritten Album gegeben hätte, denn es gibt keine zwei Long Earth-Alben mit derselben personellen Besetzung. Besonders die Positionen an den Drums und den Lead Vocals sind wechselanfällig und so präsentiert Baxter auf „Towards The Sky“ mit Kenny McCabe einen neuen Drummer und mit der Niederländerin Maaike Siegerist erstmals eine Sängerin am Mikrophon. Neben Baxter ist Gitarrist Renaldo McKim die einzige Konstante bei Long Earth.

Tracklist

1. Seahorses (7:43)
2. Breathless (6:38)
3. Artificial Child (5:28)
4. Wanderlust (5:20)
5. Colours (8:18)
6. Monochrome (6:11)
7. First Casualty (9:41)
8. Moon And Mars (5:54)
9. The Astronomer (11:20)

„Towards The Sky“ liefert musikalisch das, was Long Earth immer geliefert hat: melodischen NeoProg ohne viele Ecken und Kanten. Das mag für die Einen erholsam und für die Anderen ermüdend sein. Zu diesem Zwiespalt trägt die neue Sängerin Maaike Siegerist nicht unerheblich bei. Ihre hohe Stimme wirkt in weiten Teilen angenehm, mitunter wünscht man sich jedoch einen erdigeren Unterton. Die Rhythmusfraktion hält sich eher im klanglichen Hintergrund auf. So tragen Gitarre und Keyboards die Melodien, die ein Easy Prog Listening darstellen. Das klingt alles sehr entspannt und verbreitet Wohlgefühl. Echte Spannung kommt mitunter aber auch auf, als positives Beispiel sei hier das sechste Stück „Monochrome“ genannt, das mit einem energiegeladenen Zusammenspiel zwischen Gitarre und Keyboards aufwarten kann. Ansonsten sind die ersten acht Songs aber gut aufeinander abgestimmt und liefern ein harmonisches Gesamtbild ohne Ausreißer nach unten oder oben.

Mit dem abschließenden Track „The Astronomer“, der eine Hommage an Galileo Galilei darstellt, ist Long Earth jedoch ein qualitativ hochwertiges Finale gelungen. Was auf den ersten acht Stücken eher stereotyp klang, klingt nun plötzlich elegisch und erhaben, erzeugt gar Gänsehaut. Melodie und Gesang vereinen sich hier geradezu perfekt. 11 Minuten 20 beträgt die Laufzeit dieses Stücks und keine Sekunde ist verschwendet. Auch kommen hier zum Abschluss des Albums Gitarren-Soli zu Gehör, die einfach nur zum Niederknien sind. Es ist immer noch NeoProg, aber hier überzeugt er mich voll und ganz.

Im Fazit ist „Towards The Sky“ ein Album, das von Harmonien lebt. Es ist das Gegenteil von reißerisch und ein zurückbleibender positiver Eindruck wird ganz maßgeblich vom Schusstrack geprägt. Es wäre schön, wenn Long Earth auf künftigen Alben etwas mehr musikalischen Biss aufbauen könnten, da anderenfalls die Gefahr bestünde, dass sie in der Beliebigkeit versinken. Meine Anfahrtsempfehlung beläuft sich daher auf 40 km.

Musiker

Mike Baxter: Keyboards
Renaldo McKim: Guitars, Backing Vocals
Maaike Siegerist: Lead Vocals, Backing Vocals
David McLachlan: Bass
Kenny McCabe: Drums, Backing Vocals

Label: Bakeneko

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