Interview: Asia – Neue Alben mit neuem Line Up

Geoff Downes ist nicht nur mit Yes beschäftigt, sondern hält auch Asia am Leben. Gerade ist mit „Asia Live in England“ das erste von drei geplanten Livealben erschienen. Zur aktuellen Besetzung zählen aktuell neben Gitarrist John Mitchell und Drummer Virgil Donati auch Sänger und Bassist Harry Whitley. Renald Mienert sprach mit Ihm.

Du kommst gerade mit Asia aus Asien zurück. Und ihr habt die Songs der Originaltour „Asia in Asia“ gespielt.

Ja, jede Menge Asia in Asia. Es waren zehn Shows, in Osaka, Yokohama und Tokio und wir haben die Setlist aus dem Jahr 1983 gespielt. Und als Tribute für Greg Lake haben wir den ELP-Song „Lucky Man“ gespielt. Das war sehr interessant und hat viel Spaß gemacht.

Ist das Publikum in Japan anders als zum Beispiel in Europa?

Ich habe keinen großen Unterschied gesehen. Überall hat das Publikum die Musik genossen und darauf kommt es an. Das Publikum in Japan ist ziemlich ruhig. Die Leute bei den Shows die wir dann für die Livealben aufgenommen hatten, waren zwar manchmal laut, aber in Summe auch eher ruhig, weil ihnen bewusst war, dass die Shows gefilmt wurden. Einige der Songs wurden ja vorher nie live gespielt. Wir haben die Alben „Asia“, „Alpha“ und „Astra“ aufgenommen, und gerade von „Astra“ wurde bisher nicht viel Material live gespielt. Die Besucher waren also ruhig, aber begeistert.

ASIA 2026 pic: (C) scruffybearmedia

Dann gibt es also gleich drei neue Livealben von euch. Wie sieht es mit neuem Studiomaterial aus?

Darum bin ich gerade in London. Wir haben gerade das neue Studioalbum fertiggestellt!

Aber das gibt es erst nach den Livealben?

Davon gehe ich aus, aber das entscheidet Frontiers. Ich schätze, es folgt „Alpha“, dann „Astra“ und dann das neue Studioalbum. Vermutlich wird zwischen den Livealben eine Lücke von zwei Monaten liegen.

Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile ist „Indigo“, das neue Studiolalbum, für den 6. November angekündigt, zu den beiden weiteren angekündigten Livealben gibt es keine Infos.

Jetzt müssen wie aber mal zu deiner Person kommen. Geoff ist ja sozusagen Mr. Asia, aber John Mitchell und Virgil Donati sind natürlich auch etablierte Musiker. Dich kennt man aber kaum.

Ja, ich bin der Unbekannte! Während Covid begann ich Videos auf YouTube zu laden und Geoff hat diese gesehen. Er hat mich dann einfach angesprochen.  Zunächst für ein John Wetton Tribute Konzert, da waren viele bekannte Künstler dabei, Bill Bruford, Jay Schellen, Billy Sherwood, Rick Wakeman oder Steve Hackett, alle möglichen Künstler, die eine Verbindung zu John Wetton hatten. Ich sang einige Asia-Songs und spielte auch Keyboards. Danach fragte mich das Management von Asia, ob ich weitermachen würde und ich habe natürlich sofort zugestimmt. Ich musste noch schnell Bass spielen lernen. Ich war sehr überrascht, sie hätten ja jeden haben können. Ich empfinde das als eine große Ehre. Ich glaube, sie wollten eher einen Unbekannten, speziell wegen der Vergleichbarkeit. Die Sache ist so ähnlich wie bei Rush. Sie suchten einen neuen Drummer, und hätten sie sich für einen größeren Namen entschieden, hätte jeder ihn mit Neil verglichen. So ist man auf der sicheren Seite. Bei mir war es noch ein wenig anders,  mich kannte vorher gar keiner. Ich spielte in Clubs, die Keyboards in einer Deep Purple – und auch in einer Pink Floyd Coverband.

Aber veröffentlicht hast du nichts?

Ich habe immer Songs geschrieben, aber nichts damit gemacht. Aber auf dem neuen Studioalbum habe ich mit Geoff zusammen einen Großteil der Songs komponiert.

Und jetzt spielst du mit Asia auf der ganzen Welt. Waren es eigentlich große Hallen?

2024 waren wir ja auf Amerika-Tour. Und einige der Locations waren wirklich groß, 3000 Sitzplätze, aber wir spielten auch in kleinen Theatern. Für das Filmen haben wir bewusst eine kleinere Halle ausgewählt, für etwa 300 Leute. Wir konnten sie für mehrere Tage haben, alles vorbereiten, eine Testaufnahme ohne Publikum machen, nur um sicherzustellen, dass auch alles funktioniert.

Bei Bands aus den Siebzigern oder Achtzigern, die heute noch aktiv sind, ist es ja völlig selbstverständlich, dass nicht mehr alle Mitglieder des Original Line Up dabei sind. Aber es gibt da ja immer diese zwei Gruppen von Fans, die einen freuen sich, dass es die Band noch gibt, für die anderen sind die aktuellen Inkarnationen nur eine Art Coverband.

Ja, und mir war auch klar, dass so etwas passieren würde. Was wir heute machen, ändert nichts an der Vergangenheit von Asia. Die Veröffentlichungen sind da, das Vermächtnis ist da. Manchmal vergessen die Leute, dass es nur um Musik geht. Es geht nur darum, eine gute Zeit zu haben. Die Leute nehmen das zu ernst. Es ist schon ärgerlich zu lesen, dass solltest du nicht machen, oder das sollte besser jemand anderes machen. Wir haben Geoff dabei, und er war schon immer ein so wichtiger Teil von Asia, ähnlich wie aktuell Steve Lukather bei Toto. Ich habe von Tag eins gesagt, ich würde nichts mehr lieben, als im Publikum zu sitzen, wenn Asia spielt und John Wetton singt, aber das geht nun mal nicht mehr. Und wenn Leute Asia live hören wollen,  auch mit neuem Material, dann sind wir jetzt die Möglichkeit dazu. Du musst es nicht, du musst das Livealbum nicht kaufen, aber wenn du es willst, hast du die Möglichkeit.

Gab es einen „speziellen“ Augenblick während deiner bisherigen Zeit bei Asia?

Einen der größten Momente  gab es, als wir „The Smile has Left Your Eyes“ spielten. Wir spielten ihn in einer Akustikversion, nur mein Gesang und Piano. Es war in Italien im letzten Jahr und in der ersten Reihe waren sechs Leute die weinten. Das war so emotional. Es ist unglaublich, wie Leute reagieren.

Gab es besondere Herausforderungen für dich beim Lernen der Asia-Stücke?

Songs, die in einer hohen Stimmlage gesungen werden, waren schon schwierig. „Soul Survivor“ zum Beispiel. Und die Bassline von „Time Again“ ist auch sehr tricky. Aber dafür proben wir ja.

Apropos Bass. Das Instrument musstest du wirklich neu lernen?

Ich habe vorher nie den Bass gespielt. Als ich zu Asia kam und sie fragten, kannst du Bass spielen, dann sagte ich, Äh…. Ja! Ich ging nach Hause und begann es sofort zu lernen. Ich konnte doch nicht nein sagen!

Du hast geschwindelt!

Oh, ja, sorry!

Hättest du nein gesagt, hätte man dann zusätzlich einen Bassisten gesucht?

Ich glaube, sie suchten jemanden, der beides kann. Aber vermutlich war ihnen der Gesang wichtiger, sie suchten wohl nicht unbedingt nach dem besten Bassisten der Welt! Der Bass ist da eher ein Bonus.

Sind Asia jetzt eine Band, oder Geoff Downes, unterstützt von Hired Guns?

Wir sind eine Band. Gerade jetzt mit dem neuen Studioalbum. Ich denke, das definiert uns als neue Band. Alle waren in das Songwriting involviert, es war nicht wie mit Sessionmusikern, denen man etwas vorgibt, was sie zu spielen haben. Wir haben Spaß auf der Tour, reden miteinander. Wir sind keine Tribute – oder Coverband. Wir sind Asia im Jahr 2026.

Und hoffentlich noch viele weitere Jahre!

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