Fangen wir mit dem Einfachen an. Bei der Band Castle Mountain Moon handelt es sich um ein Duo, das sich aus dem Keyboarder Robert (er selbst nennt sich Ropp) Köhler und dem Sänger und Gitarristen Dirk Krause zusammensetzt, die aus Köln kommen. Ende 2023 trafen sie sich nach eigener Aussage in einem Industriekomplex und stellten fest, dass sie ähnliche Ansichten von Musik haben, was bis heute zu zwei Alben führte. Ergänzt wird die Band durch den Drummer Gerry Wazzong. So weit, so einfach. Schwierig wird es mit dem Titel und den Lyrics ihres zweiten Albums, das den Namen „A Layman’s Guide To Unobtainium“ trägt. Von mir digital übersetzt heißt das „Ein Wegweiser für Laien zu Unerlangium“. Bitte was? Liest man sich die Website der Band durch, erfährt man, dass es auf diesem Album textlich um Landkarten geht, (Zitat Anfang) „manche, die führen, manche, die lügen – alle ausgerichtet auf etwas, das wir nicht erkennen würden, selbst wenn wir es fänden“ (Zitat Ende) Und dies scheint Unobtainium bzw. Unerlangium zu sein. Ergänzt Dirk Krause: „Wir haben über etwas geschrieben, das es per Definition nur dann gibt, wenn man es nicht hat.“ Alles klar? Nein? Dann willkommen im Club! Bleibt somit nur noch die Frage nach der Musik auf „A Layman’s Guide To Unobtainium“. Und die wird nun beantwortet.

Tracklist
1. Guide To Unobtainium (5:02)
2. Real (4:58)
3. Maps Part 1 (5:58)
4. Valley Of The Deep (10:00)
5. Maps Part 2 (6:31)
6. Sadness (7:20)
7. Before My Eyes (4:28)
8. Exit Right (4:58)
9. Scene Of A Crime (8:23)
10. Dreamers (5:25)
Ropp Köhler und Dirk Krause schreiben nach eigener Aussage symphonischen Progressive Rock (und offenbar auch Progressive Lyrics). Und was wird tatsächlich geboten? Electronic meets Rock, orientalische Anklänge, rasant, elegisch, kirchlich-atmosphärisch, orchestral, düster, disharmonisch, erhaben, neoproggig (Nick Barrett lässt schon grüßen). Und da bin ich nicht einmal bei dem ganzen Album, sondern nur beim vierten Track „Valley Of The Deep“. Dabei beginnt das Album mit „Guide To Unobtainium“ quirlig-melodisch, eher AOR-haft denn proggig, Keyboard-Fanfaren inclusive. Aber dass von dem kölschen Duo mehr zu erwarten ist, zeigt sich schon mit dem zweiten Stück „Real“, das mit industrial-noisigem Geschwindigkeits-Gitarrenspiel beginnt und dieses fast konsequent durchzieht. Fast, da es gegen Ende eine musikalische Vollbremsung hinlegt, um danach das Grundmuster wieder aufzunehmen. Das verlangt eine breitgefächerte Hörbereitschaft, wird deswegen aber nie langweilig. Symphonisch wird’s dann tatsächlich auch mit den Stücken „Maps Part 1“, in dem das Keyboard mal perlt wie weiland in den „Carpet Crawlers“ und dann wieder langflorige Klangteppiche auslegt, und „Maps Part 2“, das sehr geschickt mit Tempi- und Rhythmuswechseln spielt. „Sadness“ beginnt düster, nicht zuletzt durch die eindringliche Stimme von Dirk Krause, entwickelt sich aber zu einer positiven Grundstimmung, die perfekt von „Before My Eyes“ aufgenommen wird, dem melodischsten Stück auf „A Layman’s Guide To Unobtainium“. „Exit Right“ ist eher ein straighter Symphonic-Rocker, „Scene Of A Crime“ könnte aus dem Fundus der frühen Genesis stammen und das abschließende „Dreamers“ weckt Erinnerungen an die späten Beatles. Was den Schluss zulässt, dass die Eigenbeschreibung „symphonischer Prog“ etwas zu kurz springt, denn da kommt mehr zu Gehör, viel mehr. Und das ist gut so, sehr gut sogar!
Im Fazit ist „A Layman’s Guide To Unobtainium“ ein sehr bemerkenswertes Album, das das Zeug dazu hat, beim ersten Mal Hören zu gefallen, beim zweiten Mal zu überzeugen und beim dritten Mal zu begeistern. Ich bin gespannt, was von Castle Mountain Moon noch zu erwarten ist!
P.S.: Das Album erscheint am 4. September.
Musiker
Robert („Ropp“) Köhler: Keyboards
Dirk Krause: Vocals, Guitars
Gastmusiker
Gerry Wazzong: Drums
Coverfoto: Ulla Moswald Photography Label: Eigenveröffentlichung
