Es ist immer wieder erstaunlich, welche bis dato unbekannte Bands Konzertveranstalter Uwe Treitinger bei seinem Artrock-Festival im vogtländischen Reichenbach aus dem Hut zaubert. Auch wenn andere Bands wie Lazuli oder Rockpommels Band die diesjährigen Favoriten der Besucherinnen und Besucher waren, so ließ doch die Schweizer Formation Flame Drop zumindest aufhorchen. Hierbei handelt es sich um ein Duo, bestehend aus den Multi-Instrumentalisten Felix Waldispühl und Roland Hegi. Sie hatten sich bereits in der Schweizer Formation FORS, die 2019 auf der Loreley auftrat, kennen gelernt, bevor sie im Jahr 2022 die Band Flame Drop ins Leben riefen. Das Album „Beyond Cosmic Infinity“ ist ihr zweites Werk.

Tracklist
1. The Beginning (3:42)
2. Astral Projection (15:17)
3. Wonderland (6:28)
4. Ascending (5:32)
5. The Cosmic Silence (11:24)
6. Legacy Of Dreams (4:54)
7. The Great Beyond (13:13)
Diese beiden nicht mehr ganz so jungen Herrn zelebrieren auf ihren Alben instrumentalen Progressive Rock. Auf ihrer Website nennt Waldispühl Pink Floyd als seine maßgeblichen Einflussgeber und Hegi so viele Bands des klassischen Progressive Rock, Rock und Jazz, dass die Bits und Bytes kaum ausreichten, um diese hier alle zu wiederholen. Und diese Vielschichtigkeit hört man der Musik von Flame Drop auch an. Dramatisch-keyboardlastig eröffnet „The Beginning“ das vorliegende Album. Diesem schließt sich das Viertelstunden-Werk „Astral Projection“ an, dessen Auftakt mit Synthesizern und Drums an die Musik Jean Michel Jarres erinnert. Alsbald schiebt sich die Gitarre in den Vordergrund und die Geschwindigkeit nimmt Fahrt auf. Immer wieder kennzeichnen Brüche den weiteren Fortgang, spacige Keyboard-Wabereien setzen ein und Klangcollagen á la Pink Floyd und Alan Parsons bestimmen das musikalische Bild. Auch wenn hier keine Gesangsstimme ertönt – langweilig wird das nicht! Zum Finale von „Astral Projection“ erklingt fast schon wie erwartet eine David-Gilmour-Gedenk-Gitarre.
Geradliniger und deutlich kürzer, folgt das flotte „Wonderland“, auf dem sich Felix Wadispühl auf den Drums austoben darf. Eine Ballade ohne Worte stellt „Ascending“ dar, auf dem Gitarre und Piano sehr schön harmonieren, dessen Motiv aber etwas zu oft stereotyp wiederholt wird. Dass Hektik für Flame Drop keine Rolle spielt, beweisen sie auf dem 11-Minüter „The Cosmic Silence“, der sich die Ruhe nimmt und an den Hörer weitergibt. Mitunter entsteht hierbei der Eindruck, Carlos Santana hätte an den Gitarrenparts mitgewirkt. Nach einem wunderschönen piano-getragenen Stück („Legacy of Dreams“) geht es ins Finale, das den Höhepunkt des Albums darstellt. Wer damals vom Gesang von Clare Torry auf Pink Floyds „The Great Gig In The Sky“ nicht genug bekommen konnte, der ist hier völlig richtig. Denn die in England aufgewachsene Schweizer Sängerin Jessy Howe knüpft auf dem episch-atmosphärischen „The Great Beyond“ vielleicht nicht nahtlos, aber sehr nah an dieses floydsche Vorbild an. Mit Sprach-Samples versetzt, liefert dieser Album-Abschluss Gitarren-Soli zum Niederknien und einen mystischen Ausklang.
Im Fazit liefern Flame Drop mit „Beyond Cosmic Infinity“ ein Werk ab, das tief in der goldenen Ära des Progressive Rock verwurzelt ist und beweist, dass es nicht unbedingt eines Gesangs bedarf, um abwechslungsreich zu sein.
Musiker
Felix Waldispühl: Drums, Piano, Keyboards, Percussion
Roland Hegi: Guitars, Acoustic Guitars, Bass, Synthesizers, Keyboards, Drums Programming
Als Gast:
Jessy Howe: Gesang (auf „The Great Beyond“)
Artwork: Julia Hegi
