Review: Karmamoi – Eternal Mistake (2026)

Die italienische Band Karmamoi, gegründet 2008 in Rom, hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht mit einem hochintelligenten ArtRock, der im Gegensatz zu vielen anderen Bands aus Bella Italia nicht dem Prog der großen britischen Bands der frühen 70er Jahre und nur in Spuren der Theatralik klassischer italienischer Komponisten vergangener Jahrhunderte huldigt. „Eternal Mistake“ ist ihr siebtes Album. Gegenüber dem Vorgänger “Strings From The Edge Of Sound“, erschienen Anfang 2024, haben sich personell keine Veränderungen in der Band ergeben. Dafür haben sich Karmamoi diesmal hochkarätige Gastmusiker zu Hilfe geholt: der umtriebige, schon früher für Karmamoi tätige Tastenzauberer Adam Holzman und der an vielen Griffbrettern tätige Saitenstreichler Randy McStine sind ebenso mit von der Partie wie Susanna Brigatti, die seit 2011 als Sängerin einer Pink Floyd Tribute Band fungiert.

Tracklist

1. The Regrets (0:51)
2. Lara Is Your Name (5:49)
3. Don’t Knock On The Door (5:09)
4. I’m Not On Your Side (4:35)
5. Nothing But (10:09)
6. The Mirror (2:13)
7. No Soul (6:11)
8. Eternal Mistake (4:42)
9. The Question (1:44)
10. We Are Going Home (4:14)
11. Hero (9:45)
12. Passing Away (5:46)
13. No Fucking Way (2:41)

Das Thema des Albums „Eternal Mistake“ ist selbst für das nicht eben themenarme Genre des Progressive Rock ungewöhnlich, nämlich die zwischen- nun ja, -menschliche Beziehung zwischen einem Menschen und einem Humanoiden. Um dieses musikalisch umzusetzen, bedienen sich Karmamoi einer Vielzahl von Musikstilen, die sie abseits von bestehender Konfektionsware ebenso intelligent wie elegant kombinieren. Behilflich hierbei ist ihnen in erster Linie das akzentuierte Gitarrenspiel von Alex Massari und Valerio Sgargi sowie die sehr wandlungsfähige Stimme von Sgargi. Das Album eröffnet in „The Regress“ mit einem düsteren, gesprochenen Text, der in das ebenso spannungsgeladene wie melodische „Love Is Your Name“ überleitet. „Don’t Knock On The Door“ präsentiert Sgargi mit klagender, teils schon theatralischer Stimme und liefert ein sehr schönes Gitarrensolo im Mittelteil. Progmetallisch geht es auf „I’m Not On Your Side“ weiter, wobei Rhythmen (bis hin zu einem gefrickelten Gitarrenpart) anstelle von Melodien im Vordergrund stehen.

Einen weiten Bogen über verschiedene Stile spannt daran folgend das 10-minütige „Nothing But“. Der Auftakt dieses Stücks erweckt den Eindruck, dass hier ein bisher verschollener Art und Garfunkel-Song wiederentdeckt wurde. Hieran schließt sich jedoch alsbald eine Gitarren-Dominanz an, die von Randy McStine beigesteuert wird, der auf den Rock-Anteil dieses Stückes eine Schippe drauf legt. Die Geschwindigkeit herausnehmend, um anschließend bis zu einer üppigen Klangwand aufzubauen, hierin liegt der eigentliche Reiz dieses Longtracks. Am Ende schließt sich der Kreis, da Karmamoi zur seligen Melodik des Auftakts zurückkehren. Dass es auch völlig anders geht, zeigt das nachfolgende „The Mirror“. Mit Schmalz in der Musik und Schmelz in der Stimme leitet es theatralisch zu „No Soul“ über, das lounge-jazzige Elemente in dieses Album einführt und auch mit Blues-Elementen nicht spart. Eine angesichts des Titels erstaunlich positive Grundstimmung liefert das Titelstück, das schöne, fast schon hymnische Gitarrensoli enthält.

Auf das kurze „The Question“, das aus dem Backkatalog von Alan Parsons stammen könnte, folgt das epische „We Are Going Home“, in dem Gastsängerin Susanna Brigatti ihre helle, klare Stimme erschallen lässt, sowohl allein wie auch im Duett mit Valerio Sgargi. So melancholisch dieses Stück eröffnet, so opulent endet es. Seinen großen Auftritt an den Tasten hat Adam Holzmann auf dem folgenden „Hero“, dem er gleich zwei Soli spendiert (wenn man ihn schon einmal da hat …) und das von dem Wechsel zwischen rockigem Vollgas und melancholischer Vollbremsung lebt. Die beiden Schlussstücke sind vom Gegensatz zwischen entspannter Melodik und rockiger Dramatik gekennzeichnet, wobei in „No Fucking Way“ Sgargis Stimme per Vocoder für Dramatik sorgt.

Im Fazit ist „Eternal Mistake“ ein Album, wie man es von Karmamoi erwarten darf: ArtRock der Güteklasse A und ebenso eigenwillig wie eigenständig.

Musiker

Valerio Sgargi: Lead Vocals, Keys, Guitars
Alex Massari: Guitars
Alessandro Cefali: Bass
Daniele Giovannoni: Drums, Keys, Backing Vocals

Gastmusiker

Gabriele Giovannoni: Voice on „The Regrets“
Randy McStine: Guitar on „Nothing But“
Susanna Brigatti: Vocals on „We Are Going Home“
Adam Holzman: Keys on „Hero“

Cover: Joel Barrios
Label: Karmamoi

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