Wie üblich wurde das Midsummer Prog Festival 2026 bereits im vergangenen Jahr als zweitägige Veranstaltung für die Tage 19. und 20. Juni angekündigt. Also wurden wie üblich von vielen Besuchern frühzeitig Tickets gekauft und Unterkünfte gebucht. Kurz vor Weihnachten dann die Überraschung: Das Festival wird um einen Tag nach hinten verschoben! Grund für die Verschiebung: der Veranstalter will partout die Band TesseracT auf die Bühne holen und die kann nicht am 20. Juni, sondern nur am 21. Juni (sonntags) auftreten. Also für alle, die schon Unterkünfte gebucht hatten: umbuchen. Und für diejenigen, die eine weitere Anreise haben und montags früh arbeiten müssen, die Gewissheit: das mit der letzten Band am Sonntagabend, das wird nix. Anfang Februar dann die zweite Überraschung: es gibt eine Pre-party am 19. Juni! Wohl dem, der seine Unterkunft nicht auf Pass umgebucht hatte … Dass Ende Mai die angekündigten Cyan aus personellen Gründen abwinkten, gilt da schon als Normalität, sie wurden ersetzt durch Franck Carducci und seine Fantastic Squad.

Jeder, der im letzten Jahr beim Midsummer Prog Festival dabei war, dürfte noch den kühlen, verregneten 2. Festivaltag in Erinnerung haben. Diesmal war nichts dergleichen zu befürchten, denn hochsommerliche 33 Grad Celsius (mindestens) waren angesagt, die Maastricht zum heißesten Ort Westeuropas machen sollten. Angesichts eines Open Air Festivals keine gänzlich unbedeutende Information. Aber die Veranstalter waren darauf eingerichtet. Kostenloses Leitungswasser wurde ausgeschenkt und Speiseeis gratis an die Besucher ausgegeben, solange der Vorrat reichte. Hier zeigte sich somit einmal mehr die großartige Organisation in den Niederlanden stattfindender Festivals.
Etwas enttäuschend war jedoch der Besuch. Die vor der Bühne aufgebaute Stahlrohrtribüne, die Platz für etwa 1.000 Besucher bietet, war nur etwa zur Hälfte gefüllt. Bei den bis vor zwei Jahren im nahen Valkenburg stattfindenden Midsummer Prag Festivals war das Amphitheater mit ca. 900 Plätzen regelmäßig ausverkauft gewesen.
Pre-Party Muziekgieterij
Bei dieser Pre-party spielte das Wetter noch keine Rolle, fand sie doch im Grote Zaal des Gebäudes der Muziekgieterij statt. Pünktlich um 19 Uhr stand die niederländische Band A Liquid Landscape auf der Bühne und eröffnete mit dem „Raven Song“ ihres neuen Albums „Rogue Planet“.

Dies taten sie jedoch eher verhalten, der Funke wollte nicht überspringen. Von der Lebendigkeit, mit der sie 12 Jahre zuvor bei der Night Of The Prog noch das Publikum begeistert hatten, war an diesem Abend nicht viel zu spüren. Dies änderte sich auch im weiteren Verlauf ihres Auftritts nur wenig, sodass A Liquid Landscape trotz eigentlich hörenswerter Stücke an diesem Abend leider unter ihren Möglichkeiten blieben.

Setlist: A Liquid Landscape
Raven Song (Part I & II)
Few & Far Between (Part I & II)
Phases
Paige
Virgo Calling
Den Staffelstab übergaben sie anschießend an Avkrvst. Die Norweger hatten mit ihrem Debütalbum „The Approbation“ die Prog-Welt in schiere Begeisterung versetzt und auch mit ihrem Folgewerk „Waving At The Sky“ beste Kritiken eingeheimst. Entsprechend hoch waren die Erwartungen beim Publikum, das mittlerweile auf etwa 200 Besucher angewachsen war, und sie wurden nicht enttäuscht. Hart und laut eröffneten Avkrvst mit zwei Stücken von ihrem Zweitwerk („Preceding“, „The Trauma“), um im Folgenden Stücke von beiden Alben im Wechsel zu präsentieren.

Dabei fiel insbesondere die vorzügliche Drum-Arbeit von Schlagwerker Martin Utby sowie das rasend schnelle Gitarrenspiel von Simon D. Bergseth und Edvard Seim auf. Allerdings zeigte sich auch, dass Bergseths stimmliche Fähigkeiten trotz gelegentlicher Growl-Einlagen live doch eher begrenzt sind. Dafür aber entschädigte das großartige hymnisch-psychedelische Meisterwerk „The Approbation“ zum Abschluss auf ganzer Linie, sodass das Festival seinen ersten Höhepunkt hatte.

Setlist: Avkrvst
Precending
The Trauma
Isolation
Families Are Forever
Arcane Clouds
Ghosts Of Yesteryear
Østerdalen
The Pale Moon
The Approbation
Und der zweite folgte sofort auf dem Fuß. Mit Regressive Hypnosis stand die nach Expertenmeinung beste Dream Theater-Coverband auf der Bühne. Und man kann über Experten sagen, was man will, hier liegen sie goldrichtig! Natürlich ist Gründer und Gitarrist Barry van Smeden kein John Petrucci, Keyboarder Marco Hoogerheide kein Jordan Rudess und Drummer Eelco van der Meer kein Mike Portnoy, aber mit welcher Spielfreude und Begeisterung die Niederländer an diesem Abend auftraten, da hätten sich die Originale sehr schwer getan, dies zu toppen. Und jetzt mal ehrlich: Bassist Leroy Klein stach mit seinem facettenreichen Spiel das Original John Myung aus.

Ach ja, und ein Vergleich zwischen den Sängern Jermain van der Bogt und James LaBrie ginge hinsichtlich Stimmqualität und Ausstrahlung nicht gut aus für das DT-Original. So war an diesem Abend im Publikum nicht selten scherzhaft zu hören: „Könnte nicht Jermain LaBrie beim Original ersetzen?“ Bei perfekter (also nicht ohrenbetäubender) Lautstärke und Aussteuerung brachten Regressive Hypnosis DT-Klassiker wie „Metropolis“, „Oktavarium“ oder „Sacrified Sons“ mit Druck, Drall und Geschwindigkeit zu Gehör. Das Publikum reagierte enthusiastisch auf diesen Auftritt, sang und klatschte immer wieder mit. Zum Schluss packten die Niederländer mit „Pull Me Under“ noch einmal die Dampframme aus und lieferten so das Sahnehäubchen auf die Torte. Der Rest war Jubel und die Gewissheit: die muss man noch einmal auf der Bühne sehen!
Setlist: Regressive Hypnosis
Intro Metropolis
Metropolis
Root Of All Evil
Peruvian + Enter Sandman
Night Terror
Spirit
The Mirror
Sacrificed Sons
Octavarium
Zugabe
Pull Me Under
Hier erfahrt ihr was am ersten Festivaltag passierte:
Livereport: Midsummer Prog Festival 2026 – Maastricht, Tag 1 – STONE PROG
